Plön : „Megabaum-Gefahren“ im Schlosswald beseitigt

Mit Hilfe einer Hubarbeitsbühne werden die Kronen der Buchen von Totholz befreit oder ganz abgeschnitten.
Mit Hilfe einer Hubarbeitsbühne werden die Kronen der Buchen von Totholz befreit oder ganz abgeschnitten.

Försterei Dodau kommt Verkehrssicherungspflicht nach und wird von 8. Feuerwehr-Bereitschaft des Kreises unterstützt.

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25. Januar 2020, 14:09 Uhr

Plön | Im Schlosswald kreischten Samstag die Ketten der Motorsägen. Dort wurden acht bis zu 200 Jahre alte Buchen gefällt. Von ihnen ging eine Gefahr für die Sicherheit der Menschen aus. „Es geht hier um die Beachtung der Verkehrssicherungspflicht“, sagte Peter Hundrieser, Chef in der Försterei Dodau der Schleswig-Holsteinischen Landesforsten, vor Ort. Er nennt es eine „Megabaum-Gefahr“. Unterstützung bei der Beseitigung der Bäume erhält die Försterei von der 8. Feuerwehrbereitschaft des Katastrophenschutzes des Kreises Plön mit Zugführer Peter Daniel an der Spitze.

Spalten in den Bäumen stellen eine Gefahr für die Standhaftigkeit der Buchen dar. Entdeckt werden sie von Peter Daniel (rechts) und Peter Hundrieser.
Michael Kuhr
Spalten in den Bäumen stellen eine Gefahr für die Standhaftigkeit der Buchen dar. Entdeckt werden sie von Peter Daniel (rechts) und Peter Hundrieser.
 

Schnell kann von einer so stattlichen Buche auch eine Gefahr ausgehen – zum Beispiel durch den Abbruch eines schweren Astes aus der Krone, den Abbruch der gesamten Krone oder sogar das Umstürzen des kompletten Baumes. So hatte Hundrieser durch seine langjährige Erfahrung als Förster durch Beobachtung aber auch mit Hilfe eines Gummihammers, im Fachjargon Schonhammer, schadhafte Bäume erkannt: „Mit dem Schonhammer kann ich in den Baum hineinhören und so schnell erkennen, was los ist.“

Die Fruchtkörper der Pilze zeigen sich an diesen Bäumen im Bereich des Stammfußes Peter Hundrieser, Försterei Dodau der Landesforsten Schleswig-Holstein
 

So ermittelte er die acht sterbenden Buchen im Schlosswald. Sie hatten bereits Rindenablösungen oder Pilzbefall an den Stämmen. Hundrieser: „Die Fruchtkörper der Pilze zeigen sich an diesen Bäumen im Bereich des Stammfußes.“ Gefällt würden aber auch Buchen mit Stammfäule und Aushöhlungen. An diesen Bäumen war die Holzzersetzung so weit fortgeschritten, das der Baum vom kompletten Fall bedroht war. Sie können auf Waldwegen Spaziergänger oder Sportler treffen und die auf der Straße fahrenden Fahrzeuge. So gibt es im Schlosswald durchaus auch ältere gesunde Buchen. Sie werden bis zu 350 Jahre alt, weiß Peter Hundrieser.

Das Holz der geschlagenen Bäume wird von den Einsatzkräften zunächst am Wegesrand gelagert.
Michael Kuhr
Das Holz der geschlagenen Bäume wird von den Einsatzkräften zunächst am Wegesrand gelagert.
 

Doch nicht alle acht Buchen wurden umgelegt. Bei einigen wurden zur Entlastung der Kronen mit Hilfe einer Hubarbeitsbühne – die Drehleiter der Feuerwehr schafft diese Einsätze nicht – lediglich die abgestorbenen Kronenäste entfernt. Denn: aus Gründen des Naturschutzes sollen alte Bäume mit Höhlen und Pilzen erhalten bleiben. Spechte, Eulen und Fledermäuse zum Beispiel sind dankbare Nutzer. Zudem entwickeln sich in den Spalten und Stammhöhlen umfangreiche Mulmhöhlen, die von Pochkäfern, Bockkäfern und Schnellkäfern besiedelt würden.

Faulstoff-Lebensräume dienen spezialisierten Käferarten als Nahrung für ihre Larven

Im Schlosswald finden sich viele alte Buchen mit den Pilzkonsolen des Zunderschwammes und des Rotrandigen Baumschwamms, erklärte Peter Hundrieser. Diese Bäume sollten möglichst lange erhalten bleiben, da sie eine sogenannte Initiatalstruktur für die biologische Vielfalt darstellen. Schließlich bilden diese und andere Pilze in ihrer Abbauphase Faulstoff-Lebensräume, die wiederum von spezialisierten Käferarten als Nahrung für ihre Larven genutzt werden.

Die 8. Bereitschaft der Freiwilligen Feuerwehr des Kreises Plön ist mit Begeisterung bei der Sache.
Michael Kuhr
Die 8. Bereitschaft der Freiwilligen Feuerwehr des Kreises Plön ist mit Begeisterung bei der Sache.
 

So dröhnen am Samstag unzählige Motorsägen durch den Schlosswald. Bäume fallen um – dazu gehören auch einige Berg-Ulmen, die mit dem Ulmen-Splintkäfer eine offenbar unheilvolle Bekanntschaft machten. Für die 8. Bereitschaft der Freiwilligen Feuerwehr des Kreises Plön ist das eine willkommene Möglichkeit der sonst hektischen Arbeit an der Unfallstelle diesmal ohne Stress ausgesetzt zu sein. „Meistens müssen wir Bäume im Einsatz ganz schnell entfernen“, sagte Zugführer Peter Daniel. Hier haben er und seine Leute genügend Zeit, ihr Können zu optimieren – ohne Stress. Zum Einsatz kamen Motor- und Seilwinden sowie Kettensägen – halt alles, was der Rüstwagen so hergibt.

Geübter Blick: Förster Peter Hundrieser schaut hoch in die Kronen der Bäume und weiß so um ihren Zustand.
Michael Kuhr
Geübter Blick: Förster Peter Hundrieser schaut hoch in die Kronen der Bäume und weiß so um ihren Zustand.
 

Etwa 40 Feuerwehrleute waren am Samstag an der Aktion im Plöner Schlosswald beteiligt. „Wer nicht übt, der kommt eben nicht weiter“, gab Peter Daniel die Parole für den Tag aus. Und die Buchen im Schlosswald mit schon mal ein Meter Durchmesser im Stamm stellen auch für Geübte eine besondere Herausforderung dar. Daniel und Hundrieser sprechen von einem Win-Win-Effekt für Försterei und Feuerwehr. Sie machen das schon seit vielen Jahren so. Das Holz wird verwertet und neue Buchen sät die Natur selbst aus, freut sich Hundrieser. Er verwaltet in der Försterei Dodau der Landesforsten Schleswig-Holstein insgesamt 1200 Hektar Waldfläche – auf 20 Forstorte verteilt. Davon sind 15 Prozent Naturwald und bleiben unberührt.

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