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Ostholsteiner Anzeiger

20. Oktober 2017 | 00:15 Uhr

„MDK vom Gesetzgeber gewollt“

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

MDK-Abteilungsleiter für Pflegeversicherung, Dr. Martin Schünemann, spricht über Entbürokratisierung und reagiert auf FDP-Kritik

von
erstellt am 15.Apr.2015 | 17:06 Uhr

„Der Gesetzgeber hat gewollt, dass die Pflegekassen bei den Krankenkassen angesiedelt sind. Es ist eine politische Entscheidung, dass der Medizinische Dienst der Krankenversicherung (MDK) als unabhängiger gutachterlicher Dienst von den Pflegekassen beauftragt wird.“ Mit diesen Worten reagierte Dr. Martin Schünemann, Leiter der Abteilung Pflegeversicherung beim MDK Nord, auf die Gedanken der FDP, den MDK abzuschaffen.

Bei einem Besuch im Plöner Dana-Pflegeheim Fünf-Seen-Allee hatten Schleswig-Holsteins ehemaliger Sozialminister Dr. Heiner Garg (FDP) und der Plöner FDP-Kreisvorsitzende Martin Wolf Kritik am MDK und sogar die Abschaffung der Körperschaft des öffentlichen Rechts gefordert. Garg kritisierte doppelte Überprüfungen von MDK und Heimaufsichten der Kreise in den Pflegeeinrichtungen. Wolf klagte über widersprüchliche Berufsinteressen beim MDK.

„Der ehemalige Sozialminister sollte Aufgaben und Ressourcen der Heimaufsichten besser kennen“, sagte Schünemann im OHA-Gespräch. Die Heimaufsicht überprüfe in Schleswig-Holstein die stationären Pflegeeinrichtungen, nicht aber die ambulanten Pflegedienste. Der MDK überprüfe beide. Die Heimaufsicht prüfe vor allem die Strukturen und Prozesse in den Pflegeeinrichtungen, der MDK die Versorgung der Bewohner. Keinesfalls lege der MDK die Pflegesätze fest, wie es der FDP-Kreisvorsitzende Martin Wolf behauptet hatte.

Und zu den von der FDP kritisierten Überschneidungen komme es bei höchstens zehn Prozent der Prüfinhalte. Der MDK könne ambulante Pflegedienste und stationäre Pflegeeinrichtungen auch nicht direkt sanktionieren. Schünemann: „Gutachten des MDK dienen den Pflegekassen als Grundlage, um bei Mängeln Maßnahmen zu veranlassen und bei gravierenden Mängeln sogar den Versorgungsvertrag mit der Pflegeeinrichtung zu kündigen.“ Das diene am Ende dem Schutz der Bewohner.

Die von den Einrichtungen oft als zeitraubend empfundene Dokumentation steht vor einer Entbürokratisierung. „Eine Verschlankung ist gut und notwendig; sie ist vom MDK gewünscht und wird auch unterstützt“, bekräftigte Dr. Martin Schünemann. Teilweise werde die neue Dokumentation in Schleswig-Holstein bereits umgesetzt.

Und auch die viel gescholtene Benotung der Pflegeheime und Pflegedienste will der Pflegebeauftragte der Bundesregierung, Karl-Josef Laumann, zum 1. Januar 2016 aussetzen. Sein Ziel ist, eine bessere Transparenz für die Verbraucher durch aussagekräftige, kurze Zusammenfassungen der Prüfergebnisse zu erreichen. Für Dr. Schünemann steht auch aus Sicht des MDK Nord fest: „Wir brauchen danach eine vernünftige Verbraucherinformation.“  

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