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Marodes ZOB-Parkhaus: Jeder dritte Platz fällt weg

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

Sperrung soll Sicherheit erhöhen / In zwei Wochen werden etwa 110 der 354 Flächen geschlossen

von
erstellt am 19.Sep.2013 | 00:34 Uhr

Es bröckelt und rostet vor sich hin, bis es im kommenden Frühjahr abgerissen und später neu gebaut werden soll – das marode städtische Parkhaus am Zentralen Omnibusbahnhof (ZOB) in Kiel (wir berichteten). Nun liegt der Stadt ein neues Gutachten zum Fortschritt der Schäden vor – und das hat es offenbar in sich. Konsequenz: Das Parkhaus muss entlastet werden. Die Stadt zieht die Reißleine. „In den nächsten zwei Wochen wird gut ein Drittel der 354 Parkflächen nach und nach geschlossen“, sagte Udo Weißel vom städtischen Tiefbauamt auf Nachfrage. Die Sperrvorrichtungen aus Kunststoff würden jetzt bestellt, so Weißel. Ihm sei bewusst, dass dies Einschränkungen für die Kunden in der Innenstadt und in Bahnhofsnähe bedeute: „Das ist bedauerlich, aber zwingend notwendig. Wir sind froh, dass wir das Parkhaus noch so lange nutzen konnten.“ Falls nötig, müsse es auch ganz gesperrt werden.

Grund für die Sofortmaßnahme: Das Sicherheitsniveau ist eingeschränkt, wie es in Behördendeutsch heißt. Das heißt nicht, dass das Gebäude zusammenbricht. Aber die Pufferzone ist dünner geworden, wie Weißel berichtete. Die Stahlträger des 1972 als Provisorium für die Olympischen Spiele gebauten Komplexes sind beispielsweise verrostet. Tausalze haben das Gebäude über all die Jahre angegriffen. Es habe zudem schon während der Bauphase Geburtsfehler bei der Tragfähigkeit gegeben, erklärte Udo Weißel: „Das war niedrigster Standard damals.“ Dazu komme, dass die Autos von damals viel leichter waren als heute. Kurz: „Der Zustand wird schlechter, die Belastung immer größer“, so Weißel, „da muss man einen Schlussstrich ziehen.“

Regelmäßig wird der Fortschritt des Zerfalls kontrolliert – bisher punktuell alle drei Monate, sagte Udo Weißel. Im kommenden Winter könnten die Intervalle kürzer werden. Anhand von Messmarken prüfen Statiker beispielsweise, ob sich der Rost ausbreitet oder die Durchbiegung stärker wird. Nach derzeitigem Plan soll das Gebäude ab dem kommenden Frühjahr zurückgebaut werden. Die Ausschreibung für den Auftrag wird derzeit vorbereitet. Weißel erwartet, dass der Abriss zwei bis drei Monate dauern wird. Derweil steht bereits der Entwurf für den sechsstöckigen Neubau des Parkhauses mit 520 Parkplätzen. Er soll in einer der kommenden Sitzungen des städtischen Bauausschusses vorgestellt werden. Auf der Fläche unter und neben dem Parkhaus entsteht auch der neue, lichtdurchflutete ZOB. Das Gesamtbudget für den Komplex inklusive Planung liegt Weißels Angaben zufolge bei 11,5 Millionen Euro. Aufgrund komplexer Tiefbauarbeiten, die auch einen Bunker betreffen, rechnet er mit einer längeren Bauphase: „Das wird nach heutigem Stand 2017 werden.“ Ein Investor will
indes einen weiteren Teil der ursprünglichen ZOB-Fläche kaufen und bebauen, verhandelt derzeit aber noch mit der Stadt.

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