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Kasseedorf : Markttreff in Kasseedorf vor ungewisser Zukunft

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

Betreiber des Ladengeschäftes hat aufgegeben. Gemeinde wieder vor der Frage, ob sie weiter Geld gibt.

Der Geschäftsbetrieb in dem kräftig mit Steuergeldern geförderten Markttreff Kasseedorf steht wieder einmal vor dem Aus. Offiziell ruhte der Verkauf von Lebensmitteln und Getränken bis vorigen Sonntag wegen Betriebsferien, doch nun öffnet der Laden gar nicht mehr. „Wenn die Dorfbewohner nicht hinter dem Angebot stehen, hat hier keiner eine Chance“, hat Inhaber Klaus Schröder resigniert.

Gut zwei Jahre hat der frühere Betriebsleiter eines Getränkemarktes in Eutin sein Glück mit dem Markttreff versucht. Doch trotz der massiven Subventionierung durch die Gemeinde Kasseedorf, die ihn nach seinen Angaben gänzlich von der Miete und den üblichen Nebenkosten frei hielt, sei er mit dem Umsatz nie auf einen grünen Zweig gekommen. „Ich muss jetzt von Hartz IV leben“, zog Schröder ein bitteres Resümee seiner Markttreff-Tätigkeit.

Kasseedorf war 2001 einer der ersten von jetzt 29 Orten in Schleswig-Holstein, in denen mit öffentlichen Mitteln eine Kombination aus Kaufmannsladen und Begegnungsstätte eingerichtet wurde. Diese Markttreffs sollen weniger mobilen Bürgern ein wohnortnahes Angebot erhalten. Ergänzend wurde von der Gemeinde am Dorfplatz ein Imbiss erbaut; fast 1,5 Millionen DM hat die Gesamtmaßnahme damals gekostet.

Seit der Eröffnung ist aber in Kasseedorf eine Handvoll von Ladenbetreibern daran gescheitert, auskömmliche Umsätze mit dem Verkauf von Lebensmitteln zu erzielen. Weder die teure Investition, mit Frischfleisch Kunden zu locken, noch das Konzept, nur ein Grundsortiment vorzuhalten, füllten die Kassen. Dass die Gemeinde, die zuletzt rund 20 000 Euro im Jahr zuschoss, dennoch am Markttreff festhielt, lag mit an der Drohung des Landes, die in sechsstelliger Höhe für den Markttreff gezahlten Fördermittel zurückzufordern.

Diese zwölfjährige Zweckbindungsfrist ist mittlerweile abgelaufen. Doch unverdrossen hegt Bürgermeisterin Regina Voß (SPD) noch Hoffnung für den Markttreff. Sie verhandele über dessen Fortführung mit einer Interessentin, die bald auch den jahrelang geschlossenen Imbiss auf dem Dorfplatz neu eröffnen wolle. „Wir stehen weiter zu dem Markttreff-Konzept. Aber wenn es nicht weiter gehen sollte, müssen wir uns schon fragen, was dann zu tun ist“, sieht Voß die Gemeinde jedoch nicht unbegrenzt in der Rolle des Geldgebers für ein Konzept, dessen Grundlagen sich seit 2001 durch gesellschaftliche Entwicklungen im Kaufangebot und Familienverhalten erheblich geändert hätten, so Voß.

CDU-Fraktionschef Martin Boesmann sieht die Gemeinde in Zugzwang, einst gut gemeinte Beschlüsse zu korrigieren, die sich längst als teure Fehlentscheidungen erwiesen hätten. „Wir sollten alle dazu stehen und die Dinge jetzt glatt ziehen“, sagt er.

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erstellt am 13.Sep.2013 | 00:31 Uhr

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