Eutin : Margret Möller: „Grundgesetz ist unantastbar“

Die Stadtvertreterin Margret Möller zieht sich nach dieser Wahlperiode aus der Kommunalpolitik zurück.
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Die Stadtvertreterin Margret Möller zieht sich nach dieser Wahlperiode aus der Kommunalpolitik zurück.

Seit 46 Jahren ist Margret Möller politisch aktiv. Nach dieser Legislatur ist Schluss

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17. April 2018, 19:07 Uhr

Ohne Menschen geht es für Margret Möller nicht. Die FDP-Stadtvertreterin, Kreistagsabgeordnete und zweite stellvertretende Bürgervorsteherin Eutins sieht dem Ende ihrer aktiven politischen Zeit entgegen. „Nach dieser Legislatur ist Schluss“, sagt die Diplom-Verwaltungswirtin. Sie habe sich noch einmal aufstellen lassen, aber eher zur Unterstützung ihrer Partei, erklärt die 72-Jährige.

Margret Möller trat 1972 in die FDP ein. „Die war damals ziemlich am Ende.“ Zwei große Parteien in der Politik habe sie als unzureichend empfunden. Und mit den Aussagen der Freien Demokraten habe sich die größte Schnittmenge ergeben, erinnert sich die Eutinerin. Zu der Zeit war Möller nach ihrer Verwaltungslehre und Inspektorenausbildung bei der Stadt Eutin in Kiel in der Datenzentrale angestellt. Nach fünf Jahren zog es sie zurück nach Eutin. Der Arbeitgeber war von da an der Kreis Plön. Dort arbeitete Möller in Schulamt, Rechnungs- und Gemeindeprüfungsamt, Jugendamt und leitete das Amt für Zentrale Dienste. In den 1990er-Jahren beteiligte sich die Eutinerin am Aufbau des Bildungsministeriums für Mecklenburg-Vorpommern.

Aus der Region waren Möllers Eltern Ende des Zweiten Weltkriegs geflüchtet und in einem Lager in Putlos untergekommen. „Wir waren arm wie die Kirchenmäuse. Aber es mangelte uns nie an der Liebe unserer Eltern“, sagte Möller, die mit sieben Geschwistern aufwuchs.

Die Eutinerin ist seit zehn Jahren im Ruhestand. Nun läutet die 72-Jährige das Ende ihrer politisch aktiven Zeit ein. Die letzten Sitzungen der Gremien sind in diesen Wochen. Bis einen Tag vor der konstituierenden Sitzung der neuen Stadtvertretung amtiert Möller als zweite stellvertretende Bürgervorsteherin. Andere Ämter hat die Politikerin bis Ende Mai inne. Die Wahl für Stadtvertretung und Kreistag ist am 6. Mai.

Es sei ganz wichtig, sich mit Kommunalpolitik zu beschäftigen, betont Möller. Das Allerwichtigste aber sei, bei allen Parteien wachsam zu sein. Man könne sehr wohl erkennen, dass die AFD nicht so ganz auf dem Boden des Grundgesetzes stehe. „Und für mich ist das Grundgesetz unantastbar“, sagt Möller. Demokratie kann sie sich ohne freie und geheime Wahlen nicht vorstellen. Wer sich für keine Partei entscheiden könne, der solle zumindest eine demokratische wählen.

Möller rückte Ende der 70er-Jahre zum ersten Mal in die Eutiner Stadtvertretung nach. 1990 schaffte sie es als Spitzenkandidatin der Liberalen und wurde von der CDU gleich mit dem Amt der stellvertretenden Bürgervorsteherin beauftragt. Diese Anerkennung erfuhr sie mehrmals, in dieser Legislatur durch die Grünen. Die Repräsentation habe ihr besonders viel Spaß bereitet. Die städtische Leistung zu vermitteln, sei ihr wichtig. 1994 gingen Möller und die FDP leer aus. „Das war der bitterste Tag. Ich habe geheult.“ Erst 2008 zieht die FDP wieder in das Stadtparlament ein.

Seit 2003 gehört Möller dem Kreistag an, erst als bürgerliches Mitglied, ab 2008 als Abgeordnete. 2013 erhielt sie für ihre Leistung die Freiherr-vom-Stein-Verdienstnadel. „Ohne die politische Arbeit wird mir alles fehlen, insbesondere die Menschen“, befürchtet sie. Sie habe immer gerne Menschen um sich.

Vor zehn Jahren heiratete Möller ihren langjährigen Lebensgefährten Eberhard Schlecht, einen Berliner. Das Pendeln zwischen den Orten will das Paar beibehalten. Mit einem gemeinsamen Urlaub wird Möller die gewonnene Freizeit einläuten.

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