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Urteil : Mann schlägt Freundin blutig – Bewährung

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

Angeklagter behauptet erfolglos, kein Deutsch zu verstehen.

Ob diese Taktik sinnvoll war? Vor dem Eutiner Amtsgericht behauptete ein 54-jähriger, englisch-sprachiger Angeklagter, kein Wort Deutsch zu verstehen. Doch Amtsrichterin Katrin Leinen nahm ihm das nicht ab. Sie verurteilte den Mann am Dienstag wegen gefährlicher und einfacher Körperverletzung sowie Beleidigung zu einer Haftstrafe von neun Monaten auf Bewährung – auch ohne den geforderten Dolmetscher.

Der Verurteilte war im Oktober 2013 gleich drei Mal auf seine Lebensgefährtin losgegangen – in deren Malenter Wohnung. An einem Tag zog er ihr laut Anklage im Abstand von knapp 15 Stunden gleich zwei Mal eine Flasche über den Kopf, so dass jedes Mal eine blutende Platzwunde die Folge war. Nur drei Tage später brachte er seiner Freundin Platzwunden über der Augenbraue und an der Schläfe bei, worauf die Frau auf ein Gerüst vor dem Haus flüchtete. Einen Nachbarn, der ihr helfen wollte, bedrohte der Tobende mit einem Messer. Das blieb indessen ungeahndet, weil sich nicht nachweisen ließ, dass der Angeklagte den Mann wirklich verletzen wollte.

Bemerkenswert: Der Angeklagte und seine misshandelte Lebensgefährtin sind immer noch ein Paar – mittlerweile seit sechs Jahren, wie der Pflichtverteidiger erklärte. Die 45-Jährige versuchte, sich mit einem ärztlichen Attest vor einer Aussage zu drücken, was ihr ein Ordnungsgeld von 150 Euro einbrachte. Da gefährliche Körperverletzung von der Staatsanwaltschaft auch ohne Vorliegen einer Anzeige verfolgt wird, wäre die Zeugin zur Aussage vor Gericht verpflichtet gewesen.

Letzte Zweifel an den Deutschkenntnissen des Angeklagten räumte ein Malenter Polizeibeamter aus. Der berichtete: „Er hat uns auf Deutsch dermaßen derbe beleidigt, dass wir ihn in Gewahrsam genommen haben.“ Der kräftig gebaute Angeklagte blieb dennoch eisern dabei, er verstehe kein Deutsch, auch wenn er zwischenzeitlich nicht an sich halten konnte und einen Zeugen als „Lügner“ beschimpfte. Die Gelegenheit, die Dinge aus seiner Sicht zu schildern, ließ der Mann verstreichen. Er könne sich nicht erinnern, da er übermäßig viel Alkohol getrunken habe, ließ er stattdessen seinen Anwalt erklären.

Um so besser konnte sich der Polizeibeamte an den Tag erinnern, als er und ein Kollege den Angeklagten Anfang Januar 2014 in Gewahrsam nahmen. Zuvor hatten sie dem Mann aus dem Haus seiner Lebensgefährtin gewiesen. Der dachte jedoch gar nicht daran, zu gehen, sondern wartete nur darauf, dass die Polizei abzog. Als die Beamten schließlich einen Platzverweis aussprachen, zeigte er ihnen den ausgestreckten Mittelfinger. Dazu stieß er Beleidigungen wie „Scheiß deutsche Nazis“, „Motherfucker“ und „weiße Nigger“ aus – womit er auch nicht aufhörte, als er in Handschellen nach Eutin in die Arrestzelle gefahren wurde. „In so einer Intensität habe ich das noch nicht erlebt. Das ging in einem durch“, erinnerte sich der 54-jährige Polizist. Über 2,2 Promille Alkohol hatte der Angeklagte dabei im Blut.

Acht Monate Haft auf Bewährung und 500 Euro Geldstrafe forderte die Vertreterin der Staatsanwaltschaft. Verteidiger Nicolai Preuß hielt die Anklagepunkte mit Ausnahme der Beleidigung für unbewiesen und forderte lediglich eine Geldstrafe. Dem folgte Amtsrichterin Leinen nicht. Sie begründete die neunmonatige Haftstrafe auch mit der Intensität der Taten. Gegen das Urteil sind Rechtsmittel möglich.

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erstellt am 04.Feb.2015 | 06:30 Uhr

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