„Man sollte mit den Migranten reden, nicht über sie“

Die Vizepräsidentin des Landtags, Marlies Fritzen (Grüne), tauschte sich mit Migrationsberaterin Susanne Voss (re.) vom DRK-Kreisverband über die Flüchtlingspolitik aus.
Die Vizepräsidentin des Landtags, Marlies Fritzen (Grüne), tauschte sich mit Migrationsberaterin Susanne Voss (re.) vom DRK-Kreisverband über die Flüchtlingspolitik aus.

„Ausschwärmtag“: Vizepräsidentin des Landtags informiert sich beim DRK

shz.de von
03. November 2014, 14:45 Uhr

Im Kieler Landeshaus heißt es liebevoll „Ausschwärmtag“: Die Vizepräsidentin des Landtags, Marlies Fritzen (Grüne), informierte sich gestern beim Deutschen Roten Kreuz (DRK) in Eutin über die Sorgen und Nöte der Migrationssozialberatung. Denn vor dem Hintergrund der höchsten Flüchtlingsraten im Land seit 20 Jahren wollte sich Fritzen ein Bild von der Situation vor Ort in Ostholstein machen.

„Man muss Flüchtlings- und Migrationspolitik zusammendenken“, sagte Migrationsberaterin Susanne Voss vom DRK-Kreisverband gestern beim Besuch der Landespolitikern. Das DRK rechnet mit etwa 500 Migranten in diesem Jahr, die nach Ostholstein kommen. Das wären etwa doppelt so viele wie 2013.

Schwierig sei der bürokratische Aufwand in der Beratung der Menschen aus Syrien und Co. „Wir müssen über alles Buch führen“, sagte Voss. Es sei ein hoher Arbeitsaufwand, der niemandem diene. Fritzen entgegnete, dass man über die Art des Controllings reden könne. „Es gibt immer noch zu lange Bearbeitungszeiten“, sagte Fritzen. Das Ziel müsse es sein, jedem Migranten weiterzuhelfen. „Guter Wille ist nicht alles, es müssen auch die entsprechenden Strukturen vorhanden sein“, sagte Fritzen. Es werde bereits an einer neuen Willkommenskultur gearbeitet.

„Sprache als Schlüssel“ sei wichtig, um die Flüchtlinge an das hiesige Leben heranzuführen, betonte DRK-Geschäftsführer Martin Broziat. Und brachte den Fachkräftemangel ins Spiel – unter den Migranten seien viele kluge Köpfe. „Wir sollten diesen Menschen eine Chance geben“, so Broziat.

Voss gab Fritzen mit auf den Weg, dass die Adressaten – die Migranten – befragt werden müssten, wie die Beratung und die Hilfsangebote verbessert werden könnten. „Man sollte mit den Migranten reden, nicht über sie“, sagte Voss, die Fritzens Besuch begrüßte – und sich wünschte, dass ihm „auch Taten folgen werden“.


Wer die Willkommenskurse des DRK in Ostholstein unterstützen möchte, kann auf das Konto des DRK-Ortsverbands Ostholstein (Iban: DE52 2135 2240 0000 0047 47, Sparkasse Holstein, Stichwort: Spende Willkommenskurs) spenden.

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen