„Man bekommt mehr zurück als man gibt“

Hajo Weißschnur  wird, wie die beiden Kirchenkreis-Mitarbeiter Pastorin Ruth Gänßler-Rehse und Werner Guderjan, am Dienstag, 13. Februar, um 19 Uhr in einem Gottesdienst in der St.-Michaelis-Kirche in den Ruhestand verabschiedet.
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Hajo Weißschnur wird, wie die beiden Kirchenkreis-Mitarbeiter Pastorin Ruth Gänßler-Rehse und Werner Guderjan, am Dienstag, 13. Februar, um 19 Uhr in einem Gottesdienst in der St.-Michaelis-Kirche in den Ruhestand verabschiedet.

Pastor Hajo Weißschnur geht nach 25 Jahren in der Klinikseelsorge in den Ruhestand / Verabschiedung am Dienstag bei einem Gottesdienstes in St. Michaelis

shz.de von
09. Februar 2018, 12:44 Uhr

Wenn Pastor Hans-Joachim Weißschnur in Kürze nach 25 Jahren Tätigkeit als Klinikseelsorger aus dem Amt scheidet, dann ist es vorbei mit der täglichen Fahrerei. Sechs Tage pro Woche nach Neustadt und zurück in ein Dorf bei Oldenburg zu pendeln, das ist nicht ohne. Aber dieser Abstand zur Arbeit, der war ihm immer auch wichtig, sagt er.

Der 65-Jährige ist einer, der immer da war, wenn man ihn brauchte – nicht nur in der Klinik, sondern auch als es galt, mit einigen anderen eine kreisweite Psychosoziale Notfallversorgung für Angehörige und Opfer von Unglücken und die beteiligten Einsatzkräfte aufzubauen. Und auch an der eher trockenen Materie, der Vorbereitung der 2009 erfolgten Fusion der Kirchenkreise Oldenburg und Eutin, war Weißschnur nicht nur als Synodaler, sondern als stellvertretender Propst des Oldenburger Kirchenkreises beteiligt.

Geboren im mecklenburgischen Ribnitz-Damgarten, verbrachte er seine Kindheit und Jugend in einem Vorort von Kiel und ein Jahr als Austauschschüler in den USA. Seine ersten Studienjahre absolvierte Hajo, wie er noch heute von Freunden genannt wird, ebenfalls in der Landeshauptstadt, wo er neben Theologie ein Semester Psychologie studierte. Eine Erfahrung, die sich später als wertvoll herausstellen sollte, weil der Studienplan die Teilnahme an einer Selbsterfahrungsgruppe vorsah. An der Universität Hamburg machte Weißschnur 1978 sein erstes Staatsexamen, bevor er zwei Jahre später zum Pastor in der damaligen Nordelbischen Kirche ordiniert wurde.

Die Vikariatsjahre verbrachte der junge Geistliche in Hamburger Gemeinden. Dort heiratete er eine Musikerzieherin, mit der er vier Kinder großziehen sollte.

Weißschnurs erste Bewerbung als Pastor führte die noch junge Familie 1983 nach Neukirchen bei Oldenburg, „eine von uns beiden sehr geliebte Landgemeinde“, wie Weißschnur sagt. Ab 1989 folgte ein dreijähriges Intermezzo in der Gemeinde Hohn bei Rendsburg bis er sich schließlich auf die Krankenhauspfarrstelle für die Kreiskrankenhäuser von Neustadt und Oldenburg bewarb. Hinzu kam die für diesen Bereich obligatorische Klinische-Seelsorge-Ausbildung in Hamburg. Es waren besonders „die vielen wunderbaren Begegnungen und sehr ehrlichen Gespräche“, die den Krankenhausseelsorger in den gesamten 35 Dienstjahren immer wieder stark beeindruckt haben. Es waren Gespräche, in denen Menschen reinen Tisch machten und ihr Leben bilanzierten; Gespräche, in denen Sterbenskranke von ihren Nahtoderfahrungen berichteten und voller Vertrauen in Ihren Seelsorger waren.

Doch nicht nur für Patienten war Weißschnur ein Ansprechpartner. Er war außerdem am Aufbau einer speziell auf die Bedürfnisse der Patienten zugeschnittenen Arbeitsgemeinschaft für Psychosozialseelsorge beteiligt. „Besonders der Kontakt mit den Mitarbeitern war mir immer sehr wichtig“, sagt er. Seelsorger sind jedoch nicht nur im Krankenhaus gefragt. Zwei Unglücke gaben im Landkreis Ende der 1990er-Jahre den Ausschlag zum Aufbau der Notfallseelsorge und Krisenintervention für Angehörige und Einsatzkräfte: ein schwerer Verkehrsunfall mit elf Toten auf der B 76 bei Süsel und der Tod zweier spielender Kinder, die in einer Düne verschüttet worden waren. Es waren Unfälle, deren Bilder Angehörige und Einsatzkräfte auch nach Jahren noch vor Augen haben und die den Verantwortlichen deutlich machten, dass Hilfe auch dann noch dringend benötigt wird, wenn die unmittelbaren Unfallfolgen längst erledigt sind.

„Mir war es wichtig, dort tätig zu sein, wo Theologie, Psychologie und Medizin zusammenfließen, um das Beste für den Menschen erreichen zu können“, bilanziert Pastor Weißschnur. Und der Seelsorger nimmt eine ganz persönliche Erkenntnis mit in den Ruhestand: „Man bekommt immer mehr zurück als man gibt.“

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