Mama war schuld: Deutsch aus Trotz

Erstmals in Eutin: Stephanie Wille (links) und Andrea Meyertholen beim Empfang der US-Gäste im Rathaus mit Bürgervorsteher Dieter Holst beim Eintrag ist Goldene Buch der Stadt.
Erstmals in Eutin: Stephanie Wille (links) und Andrea Meyertholen beim Empfang der US-Gäste im Rathaus mit Bürgervorsteher Dieter Holst beim Eintrag ist Goldene Buch der Stadt.

Andrea Meyertholen hat zum ersten Mal die Summer School in Eutin geleitet

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06. Juli 2015, 18:38 Uhr

Ihre Mutter ist schuld. Eigentlich wollte Andrea Meyertholen dem Beispiel ihrer Mutter folgend Spanisch lernen. Doch dann hat sie sich sehr darüber geärgert, dass die Familie aus dem US-Staat Indiana nach Austin in Texas umziehen musste, weil ihre Mutter einen neuen Job bekommen hatte. Aus Trotz hat sich der Teenager Andrea Meyertholen für Deutsch als Fremdsprache entschieden.

Ganz offensichtlich war das eine gute Entscheidung. Denn Andrea Meyertholen entwickelte eine Leidenschaft für diese Sprache, die zur Berufung werden sollte. Nachdem sie 2014 an der Indiana-Universität promoviert hatte, erhielt sie eine Professur am Institut für deutsche Sprache und Literatur in Lawrence. Die Kansas-University (KU) in der Kleinstadt ist die größte Hochschule des Staates Kansas.

Ihre Deutsch-Studien verbindet Andrea Meyertholen mit ihrem Interesse für Kunst, vor allem europäische Kunst. Vor diesem Hintergrund erschließt sich auch das außergewöhnliche Thema ihrer Doktorarbeit: Abstrakte Kunst in der Literatur des 19. Jahrhunderts.

Meyertholen wurde dazu bei Gottfried Keller fündig, dem Schweizer Schriftsteller, der mit dem Roman „Der grüne Heinrich“ bekannt wurde und der schon im 19. Jahrhundert abstrakte Malerei zum literarischen Thema gemacht habe, während die Kunstgeschichte die Geburt dieser Malform in den Jahren nach 1910 verortet.

Ihrer Neigung zur deutschen Sprache, Literatur und Kunst frönte die 34-Jährige Germanistin bei mehreren längeren Aufenthalten in Deutschland: Sie studierte in Berlin und Würzburg, und sie arbeitete in München.

Bei den meisten US-Amerikanern, die sich für Deutsch als Fremdsprache entscheiden, spielt keine Rolle, dass sie deutsche Vorfahren hatten: „Ganz viele haben Vorfahren, die aus Deutschland kamen“, erklärt Meyertholen.

Das gilt auch für sie, aber mit der Suche nach Verwandten in Deutschland begann sie erst einige Jahre, nachdem sie mit dem Deutsch-Lernen begonnen hatte. Dank Internet fand sie Vorfahren ihres Vaters: Zwei Brüder aus Niedersachsen seien 1848 in die Staaten ausgewandert, weil der elterliche Bauernhof von ihrem ältesten Bruder übernommen worden war. Den Hof gebe es heute noch, und er sei weiter im Besitz der Familie. Außerdem pflegt sie regelmäßigen Kontakt mit einem in Köln lebenden Zweig der Familie.

Bis Mitte Juli sind Andrea Meyertholen und ihre Kollegin Stephanie Wille noch gemeinsam mit den 17 Studenten aus Lawrence, die dieses Jahr in Eutin an der Summer Language School teilgenommen haben, im Süden Deutschlands unterwegs. Es sei eine sehr gute Gruppe, sagte Meyertholen dem OHA, sehr ambitionierte Studenten, mit denen die Arbeit in Eutin sehr viel Spaß gebracht habe. Und nicht nur wegen dieser Erfahrung will sie nächstes Jahr wiederkommen mit Studenten aus der Eutiner Partnerstadt Lawrence.

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