Malente tritt aus, will aber reden

Einstimmig votierte die Gemeindevertretung gestern für einen Austritt aus der Tourismuszentrale Holsteinische Schweiz

shz.de von
19. Juni 2014, 16:33 Uhr

Malente setzt seinen Zick-Zack-Kurs beim überregionalen touristischen Marketing fort. Zunächst wollte die Gemeinde Mitglied der Tourismuszentrale Holsteinische Schweiz werden, blieb bei der Gründung 2010 aber fern, dann trat sie dem Zweckverband zum Jahresbeginn 2013 doch bei, nur um jetzt den Austritt zum Ende des Jahres 2015 zu beschließen. Einstimmig votierte die Gemeindevertretung, deren Sitzung gestern aufgrund der Arbeiten im Kursaal erneut im Sport- und Bildungszentrum stattfand, für den Austritt, bei drei Enthaltungen.

Mit dem Beschluss ist das letzte Wort aber noch nicht gesprochen. Die anderthalb Jahre, in denen Malente noch dabei ist, sollen genutzt werden, um Chancen einer gemeinsamen Zukunft mit der Tourismuszentrale auszuloten. „Wenn wir eine erheblich bessere Leistung bekommen, dann sind wir gesprächsbereit“, erklärte CDU-Gemeindevertreter Uwe Potz. Und auch Grünen-Fraktionschefin Dagmar Nöh-Schüren wertete den Beschluss als Auftrag an die Verwaltung, zu prüfen, „wie wir langfristig mit dem Zweckverband weitermachen“.

Derzeit stimme das Verhältnis zwischen Entgelt und Leistung nicht, bemängelt Potz. „Wir werden als größter Beitragszahler am schlechtesten vermarktet.“ Jährlich überweist Malente rund 82 000 Euro zuzüglich Mehrwertsteuer an die Tourismuszentrale. Einer Beitragssenkung hatte Verbandsvorsteher Jens Paustian im Vorfeld eine Absage erteilt.

Doch letztlich hängt alles am Geld, wie Bürgermeister Michael Koch klar machte: Es sei „deutlich, dass dieser Beschluss im Wesentlichen auf eine prekäre Finanzsituation der Gemeinde zurückzuführen ist“. Schließlich handele es sich bei der Tourismusförderung um eine freiwillige Leistung. Der Verwaltungschef warf aber die Frage auf, wie Malente sich künftig überregional vermarkten wolle. Dass dies am Besten im Verbund mit anderen geschieht, wollte auch Potz nicht bestreiten: „Der Einzelkämpfer von heute ist sicherlich der Verlierer von morgen.“ Allerdings gebe es auch andere Möglichkeiten, eine überregionale Vermarktung zu organisieren.

Dagmar Nöh-Schüren sieht den Austrittsbeschluss auch als Hebel, um die Verhandlungsposition Malentes zu stärken. „Wir kündigen, um langfristig Druck aufbauen zu können.“ Das bewertete Koch anders: „Der Austritt ist keine Drohgebärde, das empfindet auch niemand als Drohgebärde“, erklärte er mit Blick auf die übrigen sechs Mitglieder der Tourismuszentrale.

Völlig still blieben in der Debatte weiterhin Dehoga und Wirtschaftsvereinigung, deren Vertreter sich einst massiv für den Beitritt zur Tourismuszentrale stark gemacht hatten. Gestern meldete sich lediglich Kleinvermieter Eckhart Roth zu Wort. Er warf der Gemeinde eine „Abstauber-Mentalität“ vor. Denn auch Malente profitiere durch die Kurabgabe von Gästen, die durch Vermittlung der Tourismuszentrale nach Malente kämen.

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