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„Malen ist Spontanität, Gefühl, Fantasie“

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

Viele Stile sind ihr Stil: Gabriele Reher aus Scharbeutz verarbeitet neben Privatem auch Zeitgeschehen in ihren Werken

Die Acrylfarbe auf der Leinwand trocknet binnen 15 Minuten. Nicht einmal eine Viertelstunde Zeit für spontane Ideen. Gabriele Reher greift zu einer Plastikflasche mit verdünntem Spülmittel. Etwas davon lässt sie auf ihre Hand laufen, von den Fingern dann auf die Leinwand in die frische Farbe tropfen. Sie legt den Kopf schief und schaut erwartungsvoll zu, wie das Spülmittel die feuchte Farbe verdrängt und rundliche Formen hinterlässt.

„Malen ist nicht fotografieren“, sagt die Scharbeutzerin. Malen sei Spontanität, Gefühl, Fantasie. Malen bedeutet „ganz viel gucken und neugierig sein. Wer nicht neugierig ist, braucht erst gar nicht anzufangen zu malen.“

Neugierig sein, Neues ausprobieren. Daraus schöpft Reher seit ihrer Kindheit Kraft. Daraus entstehen ihre Bilder. Viele in Aquarell, zurzeit viele auch mit Acryl-Farben – mal grell, mal dezent, meist aber so, dass sich selbst bei ihren abstrakten Werken noch Gegenständliches entdecken lässt. „Modernes mögen viele Menschen nicht“, sagt Reher halblaut. Nur wenn ein Teil noch erkennbar bleibt, sei der Zugang zu den Bildern einfacher. Doch wenn jemand eines ihrer Bilder nicht mag, ist Reher nicht enttäuscht. Im Gegenteil. „Wenn meine Kunst nicht gefällt, ist das gewünscht. Die Menschen haben unterschiedliche Gefühle, entdecken Kunst auf unterschiedliche Weise. “

Reher spricht aus Erfahrung. Seit den 1970er Jahren stellt sie ihre Bilder öffentlich aus. Zunächst noch in Seevetal bei Hamburg. Dort wohnte Reher bis vor zehn Jahren. Dann erfüllte sie sich einen Traum und zog mit ihrem Mann an die Ostsee, ist hier in verschiedenen Kunst-Gruppen aktiv.

Ein Traum von ihr sei es auch gewesen, bei der Frauenzeitschrift „Für Sie“ zu arbeiten. Die gelernte Erzieherin schaffte den Einstieg, entwarf lange Jahre lang Bastel-Ausgaben und gab in den Heften Tipps für kreatives Kunsthandwerk. Für manche Themen musste Reher Zeichnungen anfertigen – schnell entdeckte sie die Liebe zur Malerei.

In ihren Werken verarbeitet die zweifache Mutter neben Privatem auch Zeitgeschehen. „Was essen wir bei Tisch? Designerfisch“ heißt eines ihrer Werke. Ein anderes setzt sich mit der zunehmend vernetzten Welt auseinander, zeigt Häuser, die anstelle von Fenstern QR-Codes haben.

Thematisch offen ist die 71-Jährige auch, was die Kunst angeht. „Viele Stile, das ist mein Stil“, sagt Reher. Aber nicht
nur mit Farben ist die Scharbeutzerin kreativ – ihre Patchwork-Kunst ist über die Grenzen von Ostholstein ein Begriff.
Stoff und Dreidimensionalität sind aber auch Thema ihrer
Bilder. Die malt sie zwar hauptsächlich für sich, jedoch
„möchte ich anderen den Mut geben, den Weg der Malerei
zu gehen“, sagt Reher. „Das
Wollen steht dabei an erster
Stelle – nicht das Können.“

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erstellt am 20.Aug.2015 | 20:57 Uhr

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