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Ostholsteiner Anzeiger

20. August 2017 | 06:23 Uhr

Mai ist, wenn der Kuckuck ruft (Teil I)

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

Ein Vogel, den Experten Brutparasit nennen und der wissenschaftlich sehr gründlich untersucht ist / Manchmal imitieren Kuckucksweibchen einen Greifvogelanflug

Weltweit leben ungefähr 130 Arten „Kuckucksvögel“, von denen sich nahezu 50 als Brutparasiten wie unser Kuckuck betätigen – sie legen bekanntlich ihr jeweiliges Ei in ein fremdes Nest und lassen es von einer anderen Vogelart ausbrüten und aufziehen.

Mit dem am Mittelmeergebiet vorkommenden Häherkuckuck gibt es in Europa zwei brutparasitierende Vögel mit diesem Verhalten. Unser Brutparasit ist ein wissenschaftlich besonders gut untersuchter Vogel, der unter Kleinvögeln einer der bestgehassten gefiederten „Kollegen“ ist – wohl auch, weil ihm eine Ähnlichkeit und ein Erscheinungsbild mit einem Sperber in Farbe und Form nicht abzusprechen ist.

Das menschliche Auge erkennt jedoch sehr schnell seinen andersartigen Flug mit spitzen Flügeln gegenüber den abgerundeten des kleinen Greifen. Kuckucksmännchen weisen einen auffallend schiefergrauen Rücken auf, während die Weibchen zwei Morphen (Färbungsvarianten) unterliegen, nämlich annähernd der des Männchens sowie der bisher selteneren rotbraunen Morphe, die nach den Beobachtungen vieler Freilandornithologen zahlenmäßig in der letzten Zeit zugenommen hat.

Kuckucke sind Insektenjäger und fressen auch die mit langen Schutzhaaren versehenen Schmetterlingsraupen wie zum Beispiel von den Spinnern und Bärenspinnern, die sonst von anderen Vögeln als unbekömmlich verschmäht werden. Anlässlich unserer vogelkundlichen Kurse auf Sylt haben wir
Kuckucke beobachtet, die ihre gefangene behaarte Raupe am Kopfende packten und diese hin und her schleuderten oder auf den Erdboden schlugen, und das so lange, bis ihr Darminhalt herausspritzte und der Vogel seine derart „gesäuberte“ Beute verschlang.

Immer wieder stellt sich der Interessierte die Frage, wie kommt es, dass ein Kuckucksweibchen Eier in der gleichen Größe, Form und Färbung ihres zukünftigen Wirtsvogels legen kann und während der unabsehbaren Wartezeit bis zur endgültigen Legemöglichkeit des Eis nicht in Legenot gerät? Unsere Kuckucke kommen
in der Regel im Mai aus ihrem Winteraufenthalt nach Eintreffen ihrer prospektiven Wirtsvögel in ihre norddeutsche Heimat zurück – also relativ spät. Sie leben in einer Ehelosigkeit, was das Männchen natürlich nicht davon abhält, mit seinem zweisilbigen Ruf sein Revier abzustecken und um ein Weibchen zu werben, manchmal auch nachts, und in einem erhöhten Erregungsgrad überschlägt es sich dabei sogar dreisilbig.

Das Kuckuck-Weibchen ist mit einem Trillern zu hören und kann stundenlang ansitzen, wenn es ein fertiges Nest eines möglichen Wirtsvogels entdeckt hat. Es ist entweder auf die Bachstelze, den Wiesenpieper, die Heckenbraunelle, unterschiedliche Grasmückenarten oder eine andere Vogelart geprägt – ein Wechsel im Verlaufe des Lebens eines Kuckucksweibchens hinsichtlich der Wirtsprägung kommt nicht vor. Durch die unterschiedliche Nestlingsnahrung, die Probleme bei der Eiablage oder die Größe der Eier scheiden Vogelarten wie Ammern, Finken, Schwalben und Drosseln als Wirtsvögel von vornherein aus.

Der Legevorgang kann natürlich erst in Abwesenheit des Wirtes von seinem Nest erfolgen. Manchmal hilft das Kuckucksweibchen nach,
indem es das Auffliegen
vom Nest durch seinen Greifvogelanflug provoziert. Der eigentliche Legevorgang des Eis erfolgt in Sekundenschnelle, wobei eine Störung des Wirtes auf ein Minimum begrenzt wird.

Ermöglicht wird diese Eile durch eine relativ dicke, druckfeste Eischale sowie vor allen Dingen durch eine ungewöhnlich dehnbare Kloake des Weibchens, obwohl Kuckuckseier im Vergleich zur Körpergröße des erwachsenen Vogels sehr klein sind, aber der Legevorgang dadurch beschleunigt werden kann. Das Weibchen entnimmt entweder ein Ei des Wirtsvogels oder räumt das ganze Nest aus.

In der Regel wird dieser Raub verschluckt und dient damit der Versorgung des weiblichen Kuckucks mit den für die weitere Eibildung
des Räubers notwendigen Nährstoffen, ohne Spuren zu hinterlassen.

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von
erstellt am 05.Mai.2014 | 15:09 Uhr

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