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Ostholsteiner Anzeiger

11. Dezember 2017 | 22:45 Uhr

Mai ist, wenn der Kuckuck ruft

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

Heute Teil II: Der junge Kuckuck räumt das Nest seiner Stief-Eltern leer / Die Winterquartiere liegen in Afrika

von
erstellt am 05.Mai.2014 | 15:10 Uhr

Die unauslöschliche Wirtsprägung des Kuckucksweibchens führt dazu, dass es
auch zeitlebens gleichfarbige Eier legen muss, damit diese nicht erkannt werden. Man hat festgestellt, dass im Rahmen der weltweiten Kuckucksvögel unsere Art die vielfältigste Färbung der Eier aufweist.

Die täuschende Ähnlichkeit zum Gelege des Wirtsvogels, Eimimikry genannt, entstand in langer Zeit der genetischen Fixierung von Toleranz und Intoleranz durch diesen. Im „Handbuch der Vögel Mitteleuropas“, unter Vogelkundlern „der Glutz“ genannt, wird in diesem Zusammenhang „von einem ungewöhnlichen Vererbungsmechanismus kombiniert mit der Prägung im frühesten Nestlingsalter“ gesprochen. Auch die weitgehend gleichartige Nahrung von Wirts- zum Kuckucksvogel spielt eine große Rolle.

Dass der Kuckucksjungvogel innerhalb der ersten drei bis zehn Stunden nach seinem Schlupf die Eier und Nestlinge seiner Zieheltern aus dem Nest wirft, ist bekannt. Dies wird mit Hilfe einer Grube in der „Sakralgegend“ (Kreuzbeingegend) des Jungvogels ermöglicht, die sich später wieder zurückbildet.

Sobald der kleine, genetisch gesteuerte Kleinvogel die ersten Daunen erhält, erlischt sein „frevelhaftes“ Tun, da die fehlende Berührung mit seiner nackten Haut dies nicht mehr auslösen kann.

Ein Kuckucksweibchen hat eine Legekapazität in der Saison über acht Wochen von neun bis 22 Eiern. Bei einem erwarteten Bruterfolg von 25 bis 30 Prozent und den vielen Unabwägbarkeiten im Ablauf der Brut, der Aufzucht und der Ereignisse in der Natur rechnet man mit einer Nachwuchsrate von nur zwei bis drei neuen Kuckucken pro Jahr und Weibchen.

Das schnelle Wachstum eines jungen Kuckucks – zwei Wirtsvögel füttern ihn immerhin ohne eigene Jungen versorgen zu müssen – wird mit folgenden Zahlen („Glutz“) dokumentiert: Das Schlüpfgewicht beträgt ungefähr 2,5 Gramm, in zwei Wochen wiegt der Jungvogel bereits 75 Gramm, das Ausfliegewicht beträgt nach drei Wochen 80 bis 90 Gramm, und sein Gewicht vor dem Beginn des Wegzuges liegt deutlich über 100 Gramm.

Ab Juli, August sind die Regenwälder Westafrikas und die Hauptüberwinterungsgebiete Südost-Afrikas Ziel unserer Kuckucke, die teilweise 3000 Kilometer im Nonstopflug überwinden können. 2013 mit Sendern ausgestattete Kuckucke aus Bayern steuerten Angola an und querten wegen der hohen Temperaturen nachts die Sahara (2000 Kilometer ohne Pause) in sicheren 3000 Metern Höhe. Die lebensnotwendige Mauser erfolgt verhältnismäßig langsam im Winter, führt daher zu keiner Zeit zu einer Einschränkung der Flugfähigkeit.

Auch umgangssprachlich und in Redewendungen wird unser Kuckuck verwendet, wenn zum Beispiel jemand davon spricht, dass ihm ein Kuckucksei ins Nest gelegt worden sei. Beim ersten Kuckucksruf im Jahr hat man sich auf das Portemonnaie zu klopfen, auf dass es immer gefüllt bleibe. In der Wappenkunde spielt unser Kuckuck als Gegenpart zum Adler eine Rolle, und so wird die Siegelmarke des Gerichtsvollziehers bei einer Pfändung auch Kuckuck genannt.

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