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14. Januar 2015, 15:57 Uhr

Leider ist es keine Seltenheit, dass Kinder oder Jugendliche in der Schule von ihren Mitschülern gemobbt werden. Studien zeigen, dass schätzungsweise jeder dritte Schüler schon einmal von Mitschülern schikaniert wurde. Jeder zehnte wurde Opfer körperlicher Gewalt. Im Folgenden berichtet eine Betroffene, die unerkannt bleiben möchte, von solchen Erfahrungen.

Wie ist es zum Mobbing gekommen?
Wegen eines Streites zwischen mir und zwei Freundinnen kam es anfangs zu Ausgrenzungen. Mit der Zeit folgten gemeine Äußerungen über mein Aussehen, wie „fette Kuh“ sowie unmögliche Lästereien. Die Attacken hörten über lange Zeit hinweg nicht auf.

Wie hast Du Dich dabei gefühlt?
Zu Beginn zog ich mich immer mehr zurück und ich fühlte mich in meiner eigenen Klasse nicht mehr wohl. Ich bekam jeden Morgen Bauchschmerzen und fühlte mich krank. Zur Schule wollte ich auch nicht mehr und mein Selbstbewusstsein wurde immer kleiner. Zudem kam es dazu, dass ich sogar überlegt habe, mich selbst zu verletzen, ich bekam Depressionen sowie Essstörungen.

Kannst Du uns erläutern, wie Du mit dieser Situation umgegangen bist?
Zuerst habe ich meine ganzen Sorgen und den Schmerz in mich hinein gefressen, weil ich mich nicht getraut habe, darüber zu reden. Erst nach einem Jahr habe ich mich meiner Mutter anvertraut, was eine gute Entscheidung war, denn nun war ich mit der Sache endlich nicht mehr allein.

Hast Du Dir weitere Hilfe gesucht?
Ja, zusammen mit meiner Mutter habe ich das Gespräch zu einem Lehrer und den Tätern gesucht. Dies zeigte zwar anfangs Erfolg, dieser war aber nicht von langer Dauer. Professionelle Hilfe wollte ich keine, in der Hoffnung, es würde irgendwann von alleine aufhören. Nach zwei Jahren des Mobbings habe ich schließlich den Entschluss gefasst, die Klasse zu wechseln. Erst dann hatte ich endlich wieder meine Ruhe.

Möchtest Du anderen Menschen einen Rat geben?
Ja! Zunächst sollte sich jeder darüber klar werden, dass man einen Menschen mit seinen Äußerungen manchmal viel stärker verletzt als einem vielleicht klar ist. Und wenn euch so etwas passiert, sucht euch auf jeden Fall Hilfe, sei es von euren Eltern, Lehrern oder sogar professionelle Hilfe – auch wenn ihr euch schämt oder es euch peinlich ist. So eine Situation könnt ihr wahrscheinlich nicht alleine durchstehen. Aber mit der Hilfe anderer wird letztendlich alles wieder gut.

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