Konversion in ehemaliger Kaserne: : Lütjenburg will selbst erschließen

Der ehemalige Sportplatz ist von „Pusteblumen“ übersät.
Der ehemalige Sportplatz ist von „Pusteblumen“ übersät.

Potentielle Investoren warten vor der verlassenen Schill-Kaserne auf das Startzeichen. Der städtischer Bauausschuss sieht es positiv

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15. Juni 2014, 06:00 Uhr

Seit über einem Jahr steht die Schill-Kaserne leer. Längst haben ungestört Diesteln die Fugen der Panzerstraße und Löwenzahn den Sportplatz fest im Griff. Einige Fensterscheiben leer stehender Wohnblocks sind eingeworfen. Jetzt sollen die Rasenmäher der Stadt zu „Pflegemaßnahmen“ anrücken, sagt Bürgermeister Dirk Sohn – ein vorsichtiges Zeichen eines Neubeginns, des Aufbruchs in eine neue Zukunft. Gestern Abend war die Kaserne Thema im städtischen Bauausschuss. Es wurde ein Rahmenplan für eine Erschließung vorgestellt. Potentielle Investoren stehen bereit.

Nach dem städtischen Bauausschuss werden sich nächste Woche auch die Fachbereiche des Kreises mit den immer konkreter werdenden Plänen für die Kaserne beschäftigen. Auch das Land wird in die Pläne eingebunden. Sohn: „Wenn alles gut geht, könnten in einem Jahr schon die Bagger anrollen.“

Ideen für das gut 23 Hektar große Gelände gibt es viele – von einer Gartenschau bis zur Solarfarm, vom Museum bis zum Gewerbepark. Allein die Investoren fehlten. Für einen sind die Umbaupläne allerdings mehr als konkret: Albert Otto Busch vom Landmaschinenhändler Busch und Poggensee aus Albersdorf möchte ein großes Stück der Kaserne entlang des alten Hauptzugangs in der Kieler Straße erwerben. Um seine Absicht zu unterstreichen, hat der Unternehmer bereits im nahen Gewerbegebiet eine leer stehende Halle als Übergangslösung bezogen.

Der zweite Interessent ist ein holzverarbeitendes Unternehmen. Es interessiert sich nach OHA-Informationen für ein Areal an der Kieler Straße, direkt neben Busch-Poggensee. Dritter im Bunde ist der private Pflegeheimbetreiber Vitanas. Er plant einen Komplex von 30 betreuten Wohnungen auf 20 000 Quadratmeter entlang der Schönberger Straße. Zusätzlich sollen 115 Plätze für eine stationäre Pflege, zehn bis zwölf Plätze für eine Tagespflege und optional ein ambulanter Pflegedienst entstehen. Das Investitionsvolumen beträgt laut Vitanas 13 Millionen Euro.

Darüber hinaus sind auf dem Kasernengelände mehrere Einrichtungen und Praxen zu „Gesundheit und Rehabilitation“ geplant. Sollten die Pläne umgesetzt werden, hätte dies weit reichende Konsequenzen. Denn entgegen der bisherigen Planung will Vitanas zur Realisierung des Wohnkomplexes damit auch die Mehrzweckhalle der Bundeswehr mit den angrenzenden Gebäuden übernehmen und diese abreißen.

Bisher wollte die Stadt Lütjenburg selbst diese Halle zusammen mit dem Sportplatz und dem dazwischen liegenden Areal übernehmen. Das ist nun vom Tisch – zum Teil. Laut Dirk Sohn besteht bei der Stadt durchaus noch Interesse, zumindest den Sportplatz als „Freizeitfläche“ von der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben zu übernehmen. Ob als Sportplatz für den lokalen TSV oder vielleicht als Feierfläche für das Stadtfest will Sohn nicht kommentieren: „Der Sportplatz bleibt erst einmal erhalten, deshalb auch die Pflegemaßnahmen.“

Alles ist eben eine Frage der Erschließung und des Preises. So sollen die beiden Hauptwege im Kasernengelände zu Straßen ausgebaut werden. Parallel läuft eine Erschließung für Abwasser, Strom und Medienzugang. „Ohne dies geht gar nichts“, weiß Sohn. Weil dies niemand anders übernehmen will und kann, muss die Stadt selbst in Vorleistung treten und die Kosten später umlegen.

„Wir sind in enger Abstimmung mit der Stadt“, bestätigt auch Hermann Josef Huber von der zuständigen Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BIMA) in Kiel. Es bestehe bestes Einvernehmen, ein Zeichen, dass der Konversionsprozess laufe. Am Preis werde der Verkauf der Kasernengrundstücke sicherlich nicht scheitern. Unter der Hand wird ein Quadratmeterpreis von 3,50 Euro nicht für unrealistisch gehalten – plus Umlage für die Erschließungskosten kommt man auf 25 bis 35 Euro pro Quadratmeter, rechnen Insider vor.

Der Rest des Kasernengeländes ist für Themen bezogenes Wohnen oder eine touristische Nutzung reserviert. Fahrradwege sollen ins Nienthal und zum Wohngebiet Hochmode führen. Und dann wäre da noch das ehemalige Soldatenheim, das kurz vor dem Abzug der Soldaten aufwendig renoviert wurde. Es steht leer und verkommt, die Küche ist ausgebaut. Interessant für die Stadt ist der große Saal mangels Alternative im Ort. In
einem Teil des Gebäudes bestehen bereits „Fremdenzimmer“, die nur Soldaten nutzen. Im Gebäude eine Gastronomie zu betreiben, hält Dirk Sohn aufgrund der hohen Betriebskosten für illusorisch. Auch die neue Klimaanlage ist wohl hin. Laut Verkehrsgutachten hat das Gebäude noch einen Wert von rund 380 000 Euro.

Über eine mögliche Nutzung denkt auch die Polizei nach. Nach der Polizeireform für den Kreis Plön sollen die Stationen in Schönberg und Lütjenburg aufgestockt werden. Die beiden derzeit genutzten Standorte sind in jedem Fall zu klein. Anbieten würde sich dafür in Lütjenburg in jedem Fall ein Teil des Soldatenheimes.




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