zur Navigation springen

Lütjenburg: Parkplatz-Streit um 275 Quadratmeter Fläche

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

1,5 Meter breiter Durchgang vom Lütjenburger Teichtor-Parkplatz zur Neuwerkstraße nach 30 Jahren vom Eigentürmer gesperrt

von
erstellt am 20.Nov.2015 | 00:36 Uhr

Es ist „nur“ ein kleines Stückchen Zaun, wenige Meter lang – und doch sorgen diese fünf Meter derzeit für reichlich Gesprächsstoff in Lütjenburg. Mehr als 30 Jahre gelangten die Besucher des Teichtor-Parkplatzes hier über einen 1,5 Meter breiten Durchgang zur Neuwerkstraße. Sie wählten damit den kurzen direkten Weg zum Markt.

Doch nun ist Schluss damit, ein Zaun versperrt den schmalen Durchgang. Ein Schild weist darauf hin, dass der Weg gesperrt ist. Verstehen tut das niemand. Kopfschüttelnd stehen viele Parker davor und müssen kehrt machen. Ein „Schildbügerstreich“ der Stadt, mutmaßen viele.

Ganz so ist es denn doch nicht, auch wenn Bürgermeister Dirk Sohn die Sperrung bestätigt. „Es gab Kaufverhandlungen zwischen dem Eigentümer und der Stadt zum Grundstück in der Neuwerkstraße. Diese haben aber zu keinem Ergebnis geführt, so dass der Eigentümer, was sein Recht ist, den Durchgang durch einen Zaun geschlossen hat“, kommentiert der Bürgermeister den Vorgang.

Hintergrund ist, dass der Durchgang zu einem Privatgrundstück gehört – wie einst der gesamte Parkplatz. Den hatte die damalige Besitzerin der Stadt seinerzeit per Erbpacht hinterlassen – ausgenommen eben jene 275 Quadratmeter. Allerdings durfte die Stadt auch auf diesem Stück Parkplätze einrichten. Und Strafmandate ausstellen für die, die sich nicht an die Park-Auflagen halten.

Vor drei Jahren starb die ehemalige Besitzerin, seitdem gehört der Teichtorparkplatz der Stadt – bis auf die 275 Quadratmeter. Das Angebot der Erben, der Stadt dieses Areal gut 30 Prozent unter dem Verkehrswert zu verkaufen, schlug die Stadt bisher aus. Die Erben wurden allerdings weiter mit Anliegergebühren und Erbschaftssteuer zur Kasse gebeten. Das Angebot eines Geschäftsmannes, das Areal im Interesse des städtischen Einzelhandels zu kaufen und die Parkplätze zu belassen, scheiterte an einem Veto des Kreis-Bauamtes – die 275 Quadratmeter seien eben „nur“ als Bauland ausgewiesen, nicht als Parkplätze. Und müssten deshalb als Bauland genutzt werden. Wobei niemand fragt, was man auf diesen wenigen Quadratmetern bauen soll.

Den Durchgang und die Parkplätze der Stadt kostenlos überlassen und dafür noch zahlen, wollen die heutigen Eigentümer allerdings auch wieder nicht. Deshalb nun der Zaun. Und ein Verkaufsschild für diese Quadratmeter Bauland. Letztlich könnte es darauf hinauslaufen, dass dem Parkplatz weitere Parkplätze verloren gehen – und nicht nur der Durchgang. An den hatten sich die Lütjenburger allerdings mehr als 30 Jahre lang gewöhnt. Also doch ein „Schildbürgerstreich“?

 

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen