Lübecker Flughafen wird 100 Jahre alt

Bescheidener Anfang: 1916 entstand an der Bahnstrecke Lübeck-Büchen der heutige Flughafen Lübeck-Blankensee. Das Foto zeigt die Fliegerstation um 1917/18.
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Bescheidener Anfang: 1916 entstand an der Bahnstrecke Lübeck-Büchen der heutige Flughafen Lübeck-Blankensee. Das Foto zeigt die Fliegerstation um 1917/18.

Blankensee ist einer der ältesten Flugplätze in Deutschland / Großer Flugtag und neues Buch zum Jubiläum

shz.de von
11. November 2016, 13:48 Uhr

Ausbildungsstätte, Einsatzbasis, Regionalflughafen und mehrfach vom Aus bedroht: Der Lübecker Flughafen blickt auf eine bewegte Geschichte zurück und feiert am ersten September-Wochenende sein 100-jähriges Bestehen.

Blankensee ist einer der ältesten Flugplätze in Deutschland. Erste Bauten entstanden 1916, bis Ende der 1940er Jahre diente der heutige Airport rein militärischen Zwecken. Erst nach dem Fall des Eisernen Vorhangs kam die zivile Nutzung wirklich zum Tragen, wurde jedoch kontrovers diskutiert – wie auch das Kommen und Gehen privater Investoren mit Beginn des neuen Jahrtausends.

„Der Flughafen Lübeck-Blankensee war eigentlich zweite Wahl“, sagt Alexander Steenbeck (Foto). In seinem neuen Buch zeigt der Lübecker Historiker anlässlich des 100-jährigen Bestehens des Airports auf, dass die Stadtväter zunächst dem preußischem Militär ein Gelände nahe des heutigen Luv-Shopping-Centers schmackhaft machen wollten. Doch es war zu uneben und das Hochofenwerk hätte den Flugbetrieb gestört. Die Wahl fiel schließlich 1916 auf ein rund 130 Hektar großen Areal an der Bahnstrecke Lübeck-Büchen. Das Militär stimmte zu, der Bau begann angesichts des tobenden Ersten Weltkriegs sofort.

Hauptsächlichste Nutzer waren Militärs: bis 1918 eine „königlich-preußische Fliegerschule“, von 1935 bis 1945 die Wehrmacht, bis 1950 die britische Luftwaffe, bis 1992 die Bundeswehr – letztere allerdings nutzte nur die Kasernen.

Seit den 1950ern gab es immer wieder Versuche, den Flughafen in das Netz von Airlines einzuspannen. Das gelang erst nach der Wiedervereinigung in den 1990er Jahren. Gleichzeitig mehrten sich Proteste und Klagen von Anwohnern und Verbänden gegen den zunehmenden Flugbetrieb und Ausbaupläne. Bis heute wechselte der Airport vier Mal den Besitzer.

Die Höhen und Tiefen des Lübecker Airports schildert Steenbeck in seinem neuen Buch, zeigt die Entwicklungsgeschichte Blankensees auf und fasst in seinem nunmehr vierten Buch seine jahrelangen akribischen Recherchen zur Lübecker Luftfahrtgeschichte zusammen. „Die Geschichte von kaum einem anderen Flughafen in Deutschland, wenn nicht sogar weltweit, ist bisher so gut dokumentiert worden wie die von Blankensee“, sagt Steenbeck.

Die Geschichte des größten Regionalflughafens Schleswig-Holsteins geht jedoch noch über Jahr 1916 hinaus zurück. Bereits 1909 starteten in Lübeck erste Enthusiasten mit Ballons, 1910 hob erstmals in Lübeck ein Motorflugzeug ab – am Steuer: Hans Steinbeck aus Ratzeburg. Auch an diesen Wegbereiter der Fliegerei erinnert fast nichts mehr in der Hansestadt.

Ein wenig an die Tradition der großen Flugtage – allein in den 1970er und 80er Jahren lockte Flugzeug-Spektakel bis zu 60  000 Menschen nach Blankensee – möchte der Flughafen am 2. und 3. September erinnern. Dann feiert der Airport seinen 100. Geburtstag wieder mit einem Flugtag – seit 1988 die erste größere Veranstaltung dieser Art am Platz.

„Fly-in“ ist bereits am Freitag, 1. September. Erwartet werden rund 100 Flugzeuge – angefangen von histrosichen Modellen wie der DC-3, besser bekannt als „Rosinenbomber“, bis hin zu modernen Jets. Der Flughafen möchte „einen bunten Bogen aus den vergangenen Jahrzehnten der Luftfahrt“ präsentieren. Das Programm sieht Rundflüge und Flugzeugschauen vor, dazu Unterhaltung und Infotainment.

Komplettiert wird der Flugtag von einer Fach- und Jobmesse von Unternehmen aus der Region und der Luftfahrt. Auch die Bundeswehr, die Nato, Flugschulen und Vereine präsentieren sich an beiden Tagen. Dazu gibt es außerdem ein gastronomisches Angebot, Kinderaktionen und vieles mehr.

Der Flugtag kostet Eintritt: Erwachsene zahlen acht, Kinder (unter sieben Jahren frei) vier Euro. Karten sind im Vorverkauf erhältlich beim Anbieter Lübeck Ticket, der Lübeck-Travemünde Marketing GmbH und direkt beim Airport-Service.

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