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Ostholsteiner Anzeiger

17. Oktober 2017 | 12:28 Uhr

Lotsendienst für Flüchtlingshelfer

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

Eutin bot die erste Weiterbildung für Ehrenamtler an / Fortsetzung ist möglich

shz.de von
erstellt am 16.Jan.2016 | 12:55 Uhr

Die Stadt Eutin bot das erste Seminar für Flüchtlingslotsen an. 16 Ehrenamtler aus Eutin, Bosau und Neustadt nahmen daran teil. Fachleute aus der Praxis halfen ihnen, Licht in den Dschungel von Zuständigkeiten und Möglichkeiten in der Flüchtlingsarbeit zu bringen. Das einwöchige Seminar in der Volkshochschule war als Bildungsurlaub anerkannt worden und ging gestern zu Ende.

„Ich bin froh, dass ich den Kurs mitmache“, sagte Ursula von Schierstedt. Die vielen Informationen aus den unterschiedlichen Bereichen helfen, mehr Überblick im Feld der professionellen Aufgaben und Hilfen zu bekommen. „Ich behalte sicherlich nicht alles. Aber ich kann mich orientieren“, sagt die Eutinerin, die seit April im Ruhestand ist.

Von Schierstedt engagiert sich beim Forum für Lebensenergie in Eutin im Rahmen der wöchentlichen Spracharbeit mit Kinderbetreuung und beim monatlichen Kulturabend. Sie wolle ihren Ruhestand sinnvoll nutzen, sagte die Eutinerin. Sie sei als Achtjährige selbst innerdeutsches Flüchtlingskind gewesen. „Es ist etwas, was mich persönlich berührt.“

Horst Ewerlin, Initiator der Fahrradwerkstatt für Flüchtlinge und Hartz-IV-Empfänger, ist dankbar für die Orientierungshilfe. Auch Verhaltenstipps habe es von den Referenten gegeben. Bloß nicht ins Blaue hinein den Menschen Ratschläge geben. Das Wissen haben die Fachleute. Die Lotsen idealerweise die Kenntnisse, die Flüchtlinge richtig zu vermitteln. „Wir geben Hilfe zur Selbsthilfe. Wir reichen die Angel, nicht den Fisch“, greift Ewerlin das Beispiel eines Referenten auf.

Die Teilnehmer haben Adressen von Organisationen und Fachstellen und Informationsmaterial erhalten. Es ist nach Aussage Ewerlins, der Flüchtlingen seit Ende 2014 zehn bis 15 Stunden wöchentlich hilft, ebenso deutlich geworden: „Auf offizieller Seite herrscht noch ein ganz schönes Wirrwarr.“ Die Flüchtlinge werden in den Bundesländern auf unterschiedliche Weise registriert, sagt Frithjof Ahlbory, Leiter des Seminars. Einen zeitnahen Austausch gibt es da nicht.

Eutins Flüchtlingskoordinatorin Sophia Schutte hatte auf einen Hinweis des Kreises hin zu dem Seminar angeregt und das Lernzentrum Lübeck dafür gewinnen können. Je Teilnehmer zahlte die Stadt Eutin 250 Euro, finanziert aus dem Topf der Integrationspauschale des Landes. Die Flüchtlingskoordinatorin denkt über einen weiteren Kursus im Herbst nach.

Das Lernzentrum Lübeck hat das selbe Angebot in der Hansestadt mit einem Reflektionsmodul erweitert. Ein nächstes Thema: „minderjährige unbegleitet Ausländer“.

Zusätzlich dazu hat das gemeinnützige Lernzentrum die berufliche Weiterbildung „Top Migrationsfachkraft“ entwickelt und zertifizieren lassen. Das zehnwöchige Vollzeit-Angebot ist für diejenigen gedacht, die beruflich mit Flüchtlingen arbeiten wollen. Künftige Arbeitgeber könnten die Wohlfahrtsverbände sein.

Das Seminar in Eutin gab Ursula von Schierstedt mehr Sicherheit bei der Flüchtlingsbetreuung, wie sie sagte. „Es ist wünschenswert, dass solch ein Seminare in qualifizierter Form weiter angeboten wird.“

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