„Lokal handeln, global vernetzt sein“

Sie haben sich dem Frieden verschrieben: (v.li.) Karen Genn – die neue Vorsitzende des Friedenskreises –, Dr. Peter Bethke, Wolfgang Schiller, Sylvia Zanella und Pastor em. Lutz Tamchina.
Sie haben sich dem Frieden verschrieben: (v.li.) Karen Genn – die neue Vorsitzende des Friedenskreises –, Dr. Peter Bethke, Wolfgang Schiller, Sylvia Zanella und Pastor em. Lutz Tamchina.

Der Friedenskreis Eutin stellt sich neu auf – mit einer neuen Vorsitzenden, einer Infokampagne und vielen Veranstaltungen / Mitgliederzahl soll wachsen

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12. Februar 2018, 10:54 Uhr

Der Friedenskreis Eutin startet mit einer neuen Vereinsspitze in das 36. Jahr seines Bestehens. Karen Genn ist die neue Vorsitzende und möchte, dass die Arbeit für den Frieden größere Kreise zieht. „Lokal handeln, global vernetzt sein“ heißt ihr Motto, das nunmehr auch ökologische Themen miteinbezieht. „Die heutige Kriegsführung lässt der Umwelt keinen Raum mehr für Regenerierung“, sagte Genn gestern. Und von der durch militärische Gewalt zerstörten Natur sei es nur ein kurzer Weg zur Flüchtlingsfrage. Denn zerstörte Infrastrukturen und Perspektivlosigkeit zwinge viele zur Flucht, so Genn. „Die Zusammenhänge und die Verzahnung muss erkannt werden“, sagte die Eutinerin mit einem US-amerikanischen Pass.

Genn, die den Vereins-Vorsitz von Lutz Tamchina übernommen hat, lebt seit Mitte der 1970er in Deutschland. Aus dem Süden der Republik zog es die Sozialarbeiterin 2015 nach Eutin. Hier kam sie bei einer Veranstaltung zur NS-Zeit mit dem Friedenskreis in Kontakt. „Mich treibt die Frage nach der Gerechtigkeit um“, sagte die 63-Jährige, die noch zu Zeiten der Rassentrennung in den USA aufwuchs. „Ich weiß, was es heißt, ausgegrenzt zu werden“, so Genn.

Der Grundschullehrerin ist es ein Anliegen, den Friedenserziehungsgedanken wieder in den Fokus zu rücken und über das Leid, das Kriege weltweit hervorrufen, zu informieren. „Es gibt Alternativen – dafür stehen wir“, sagte Genn.

Aber nicht nur die Vereinsspitze ist neu beim Friedenskreis: „Nach 35 Jahren ohne Flyer beginnen jetzt die 35 Jahre mit Flyer“, sagte Wolfgang Schiller gestern bei der Vorstellung des ersten Infofalt-blatts der Vereinsgeschichte. „In weißer Schrift auf blauem Grund können alle Eutiner, die sich für unsere Arbeit interessieren, nachlesen, warum wir machen was wir machen“, sagte Schiller. Denn die Mitgliederzahl von aktuell 20 soll stetig wachsen, so das Ziel.

Alles umkrempeln will der Friedenskreis jedoch nicht – die Veranstaltungen in der Kreisbibliothek werden weiterhin stattfinden. „Wir verstehen uns als Aufklärer“, sagte Schiller mit Seitenblick auf die gleichnamigen Eutiner Bundeswehrsoldaten. Diese möchte der Verein mit den Veranstaltungen auch gezielt ansprechen, ebenso wie Behördenvertreter, Flüchtlinge und andere – kein Wunder, zeigen doch allein am 18. April die Hamburger Filmemacher Ronja von Wurmb-Seibel und Niklas Schenk im Kommunalen Kino „Binchen“ ihren Dokumentarfilm „True Warriors“. Darin wird eine Künstlergruppe in Kabul porträtiert, deren Theaterstück über Selbstmordanschläge selbst zum Ziel eines Selbstmordanschlags wird.

Generell zufrieden zeigte sich der Vorstand von der Resonanz der Veranstaltungen im Januar zu den Themen Nato und den deutsch-russischen Beziehungen. Diese seien von im Schnitt fast 100 Besuchern besucht worden, so Schiller. Auf reges Interesse hoffen die Friedenskreis-Mitglieder somit auch am 3. Juli, wenn eine Friedensnobelpreisträgerin in die Kreisbibliothek kommt – die Internationale Kampagne zur Abschaffung von Atomwaffen. Die mit Ican abgekürzte Organisation setzt sich für die Abschaffung aller Atomwaffen durch einen bindenden völkerrechtlichen Vertrag ein und wird ihre Arbeit bei einem Diskussionsabend vorstellen.

Zu den Veranstaltungen in diesem Jahr gehört auch wieder der Ostermarsch. 2018 steht er in Eutin und anderen Orten unter dem Motto: „Abrüsten statt Aufrüsten – Brot statt Tod!“ Der Friedenskreis hofft auf eine Verdoppelung der Teilnehmer. In den beiden vergangenen Jahren waren jeweils rund 50 Menschen unter der Pace-Flagge für Frieden und Abrüstung marschiert.

Auf dem Referentenwunschzettel des Friedenskreises stehen noch für dieses Jahr der Autor Fabian Scheidler mit einer Lesung aus dem Buch „Das Ende der Megamaschine – Geschichte einer scheiternden Zivilisation“, die ostdeutsche Bürgerrechtlerin und Publizistin Daniela Dahn und Professor Dr. Rainer Mausfeld aus Kiel. Hierzu stehen allerdings noch keine Termine fest.

Die Veranstaltung mit Arved Fuchs über die dramatischen Veränderungen in der Arktis als Folge des Klimawandels soll erst 2019 stattfinden.


Der Friedenskreis trifft sich jeden zweiten und vierten Dienstag um 19.30 Uhr im Haus der Brücke (Bahnhofstraße 18) in Eutin. Weitere Infos unter www.friedenskreis-eutin.de

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