Sanierung in Malente : Logieren im alten Bahnhofsgebäude

Ist trotz des enormen Sanierungsaufwands für das ehemalige Malenter Bahnhofsgebäude guter Dinge: Der in Hamburg lebende neue Eigentümer der Immobilie, Amer Zamzam. Fotos: Schröder
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Ist trotz des enormen Sanierungsaufwands für das ehemalige Malenter Bahnhofsgebäude guter Dinge: Der in Hamburg lebende neue Eigentümer der Immobilie, Amer Zamzam. Fotos: Schröder

Der Hamburger Kaufmann Amer Zamzam will das sanierungsbedürftige Gemäuer in eine Pension oder ein kleines Hotel verwandeln.

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13. Dezember 2014, 07:00 Uhr

Malente | Der Mann ist offenbar ein Optimist: „Darüber habe ich graue Haare bekommen“, sagt Amer Zamzam über die laufende Sanierung des Malenter Bahnhofsgebäudes – und lacht dabei. Mitte Juni hatte der Hamburger Kaufmann das um 1885 errichtete Gemäuer bei einer Versteigerung durch ein Auktionshaus in Berlin erworben – für 88  000 Euro.

Dass es mit dem Kaufpreis allein nicht getan wäre, war dem 50-Jährigen klar, doch wie hoch der Sanierungsstau tatsächlich ist, hat ihn dann doch überrascht: „Kaum ist man mit der einen Arbeit fertig ist, tut sich eine neue auf“, staunt er. Mindestens 200  000 Euro werde er am Ende wohl für die Sanierung investieren müssen. Allein die notwendige Erneuerung des Dachs werde voraussichtlich mit 50  000 bis 70  000 Euro zu Buche schlagen.

Wer genau hinsieht, erkennt, dass sich in den vergangenen Monaten schon einiges getan hat. Die Grafitti sind verschwunden, stattdessen erstrahlt die Fassade im Erdgeschoss in frischem Weiß, auch große Teile der Dachkonstruktion der Läden und des China-Restaurants – zurzeit der einzige Mieter – hat Zamzam streichen und ausbessern lassen. Im gesamten Gebäude ließ er den Putz erneuern und Teile der Elektroinstallation, ließ lecke Rohre beseitigen und das Dachgeschoss mit fünf Zimmern entkernen. Bei den Aufräum- und Sanierungsarbeiten kamen beachtliche Mengen Bauschutt und Müll zusammen: „Wir haben zehn Container abfahren lassen.“

Wie groß der Sanierungs- und Renovierungsstau ist, verrät ein Blick in die erste Etage. In den seit Jahren leerstehenden Wohnräumen stehen immer noch Ölöfen, mit denen bis zuletzt geheizt wurde.

Das historische Bahnhofsgebäude wolle er künftig als Pension oder kleines Hotel dienen verpachten, erklärt Zamzam. In den leerstehenden Gewerbeflächen im Erdgeschoss könnte er sich ein weiteres Restaurant oder kleine Geschäfte, darunter etwa einen Kiosk, vorstellen. Er habe bereits Anfragen potenzieller Mieter gehabt.

Malente ist nicht der einzige Ort, in dem Zamzam ein altes Bahnhofsgebäude erworben hat. Er tippt auf seinem Smartphone und zeigt Bilder des Bahnhofsgebäudes im niedersächsischen Soltau. Auch da lässt der Geschäftsmann kräftig sanieren. Auf neuen Glanz noch etwas warten müssen weitere ausgediente Bahnhofsgebäude in Dessau-Roßlau (Sachsen-Anhalt) und Bad Bentheim (Niedersachsen). Das Gebäude dort ersteigerte er bei der bei der gleichen Auktion wie das Malenter.

Zamzam lebt zwar seit über 20 Jahren in Hamburg. Doch die Firma, die er gemeinsam mit seinem Bruder führt, hat ihren Hauptsitz in Dubai, der größten Stadt der Vereinigten Arabischen Emirate. Seit 1976 handele der Familienbetrieb, der etwa 100 Angestellte habe, im Mittleren Osten und der Golf-Region mit gebrauchten Lastwagen und Baumaschinen europäischer, amerikanischer und japanischer Herkunft. Auch in der Vermietung sei das Unternehmen aktiv, sagt Zamzam und zeigt auf dem Smartphone ein beeindruckendes Ensemble dreier Wolkenkratzer, in denen die Familie einige Etagen besitze.

Trotz des enormen Sanierungsaufwands: Die Bausubstanz des Malenter Bahnhofgebäudes sei gut, ist Zamzam überzeugt. „Die haben früher vernünftig gebaut.“ Deshalb geht der Kaufmann ganz optimistisch an den Fertigstellungstermin heran. Im Sommer 2015 soll es soweit sein – wenn das Wetter mitspielt und nichts Unvorhergesehenes dazwischenkommt.

Dann kann der Hamburger vielleicht auch wieder öfter in Dubai nach dem Rechten schauen: „Ich war schon seit vier Monaten nicht mehr da“, verrät er lachend. Seit er in Malente aktiv sei, habe er dafür kaum noch Zeit.

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