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Ostholsteiner Anzeiger

23. November 2017 | 01:13 Uhr

Liensfeld feiert den 800. Geburtstag

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

Der Zehnkämpfer und Teilnehmer der Olympischen Spiele 1936, Dr. Hans-Heinrich Sievert, zählt zu den großen Söhnen des Dorfes

von
erstellt am 03.Jun.2015 | 17:26 Uhr

Keine einzige Ampel, kein Zebrastreifen, kein Kabelanschluss, lahmes Internet, Klärgruben und nur wenig Straßenverkehr. Aber: 200 glückliche Menschen, ein paar Tiere auf den Koppeln, ein Bolzplatz statt ein Stadion, fünf Kilometer Spargelfelder, eine überwiegend funktionierende Straßenbeleuchtung, eine aktive Feuerwehr, einen Sportschützenverein, Sparclub, Seniorentreff und auch gleich zwei Lottoclubs.

So könnte man Fremden Liensfeld beschreiben. Doch Liensfeld ist mehr, viel mehr: liebenswert und lebenswert. Die knapp 200 Liensfelder feiern am Wochenende 27./28. Juni den 800. Geburtstag ihrer Dorfschaft in der Gemeinde Bosau. Der Dorfvorstand um Dorfvorsteherin Sarah Runge und ihren Mitstreitern Jan-Henning Wülfken und Olga Bussmann ist mit vielen Helfern in Arbeitsgruppen dabei, ein ordentliches Fest auf die Beine zu stellen.

Liensfeld hat mehr zu bieten als ein ordentliches Dorfgemeinschafts- und Feuerwehrhaus, eine aktive Feuerwehr mit Kiekbusch zusammen, einen 1978 gegründeten Schützenverein, einen Seniorentreff, einen Sparclub und zwei Lottoclubs. Liensfeld hat eine intakte Dorfgemeinschaft aus der Größen wie der Zehnkämpfer Dr. Hans-Heinrich Sievert, der Karikaturist Hans Kühl oder die Gemeindewehrführer Peter Kühl und Karl-Heinz Mielke oder Alt-Dorfvorsteher Volker Fritz Martin, jetzt Militärattachee in Rio de Janairo (Brasilien), hervor gegangen sind.

Die Festivität wird am Sonnabend (27. Juni) um 10 Uhr mit einem eigenen Kinderfest für die fast 30 Mädchen und Jungen aus dem Dorf eröffnet. Um 13 Uhr schließt sich ein Umzug an. Bevor er sich mit der Blaskapelle aus Roydorf in Gang setzt, wird am Bolzplatz ein Gedenkstein enthüllt, der auf den 800. Geburtstag Liensfelds aufmerksam machen soll. Teilnehmer des Umzugs sind alle Vereine aus Liensfeld aber auch die Menschen aus dem Dorf.

Nach dem Umzug geht es auf den Hof von Jan-Henning Wülfken, wo Bürgervorsteher Alfred Jeske und Bürgermeister Mario Schmidt ab 15 Uhr ihre Ansprachen zum Jubiläum halten werden. Eingeladen dazu sind alle Dorfvorsteher und Wehrführer aus der Gemeinde Bosau aber auch die Vorsitzenden der Vereine und Verbände in der Gemeinde, sagte Dorfvorsteherin Sarah Runge. Stets ist für Essen und Trinken gesorgt. Kuchenspenden für das Kuchenbüfett nimmt Edith Wolter (Tel. 04527/ 618) entgegen. Der Erlös des Festes kommt der Dorfkasse zugute.

Im Mittelpunkt der nachmittaglichen Veranstaltung steht ein Vortrag des Dorfchronisten Peter Radtke, der erst seit 2001 in Liensfeld wohnt. Die Geschichte hat er auf 112 Folien gebannt, die er mit moderner Computer-Stimme vortragen lässt. Es gibt dazu Kaffee und Kuchen und ab 20 Uhr „Danz op de Deel“ mit einem Discjokey. Sonntag (28. Juni) geht es um 10 Uhr mit einem Gottesdienst mit Pastor Klaus Grottke und einem zünftigen Frühschoppen mit der Roydorfer Blasmusik weiter. Die Liensfelder und ihre Gäste dürfen sich auf eine Jubiläumserinnerung freuen: einen Jutebeutel mit Aufdruck sowie von Susanne Kroll gesammelte Rezepte mit alten und neuen Gerichten.

Vom Landesarchiv in Schleswig ist der Dorfschaft bestätigt worden, dass Liensfeld erstmals 1215 als „Mellinesfelde“ und später „Linsvelt“ erwähnt wurde. Einen unverbindlichen Hinweis gibt es in der Kirchenchronik auf bereits 1150. Dorfchronist Peter Radtke schöpft aus bisher drei Chroniken: einer Dorfchronik, die 1882 beginnt, einer Feuerwehrchronik, die 1910 beginnt und eine Homepage, die er unter der Adresse www.dorfgemeinschaft-liensfeld.de pflegt und die so ziemlich alles festhält, was in Liensfeld tagein, tagaus passiert. Und das ist eine ganze Menge.

Man glaubt aus heutiger Sicht kaum, wie Liensfeld einst blühte. Im Dorf gab es eine Meierei, eine Schlachterei, einen Kaufmann, einen Tanzsaal, eine Schule mit zwei Klassen, Fremdenzimmer, eine Post, eine Polizeistation, eine Schmiede, eine Stellmacherei und einen Frisör. Heute leben in Liensfeld nur noch etwa 200 Menschen, es gibt 16 Gewerbebetriebe. Die wohl größte Einwohnerzahl hatte Liensfeld nach Ende des Zweiten Weltkriegs mit rund 700 Bewohnern. Davon sind in Liensfeld einige sesshaft geworden – unter anderem auch Karl-Heinz Mielke. Das Leben in dem beschaulichen Dorf hat sich heute gewandelt. Lediglich noch vier Bauernhöfe in Liensfeld und einer in Windberg werden selbst bewirtschaftet.

Noch heute gibt es eine alte und wieder funktionierende Schul- und Feuerwehrglocke auf dem Dachboden der alten Schule in Liensfeld. „Doch sie ist draußen kaum zu hören, weil das Dach so gut isoliert ist“, verrät Karl-Heinz Mielke. Der wohl berühmteste Sohn des Dorfes ist der Zehnkämpfer Dr. Hans-Heinrich Sievert, Namensgeber der Eutiner Sievert-Halle. Er stellte 1934 in Hamburg einen Weltrekord auf und nahm in seiner Disziplin am Olympischen Zehnkampf 1936 in Berlin teil.

www.dorfgemeinschaft-

liensfeld.de
 

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