Strafgericht : Liebesbeziehung endete vor Gericht

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65-Jähriger soll seine frühere Lebensgefährtin um 20 000 Euro betrogen haben

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20. April 2013, 09:13 Uhr

Eutin | Ist der Angeklagte ein skrupelloser Betrüger, der die Gefühle einer vermögenden Witwe ausgenutzt hat? Oder hat die 67-Jährige einfach die Trennung nicht verwunden und versucht nun, sich mit falschen Anschuldigungen zu rächen? Mit diesen Fragen musste sich nun das Eutiner Strafgericht beschäftigen. Klären konnte es sie allerdings noch nicht.

Im Herbst 2007 soll sich der Angeklagte 20 000 Euro von seiner Lebensgefährtin geliehen haben. Zurückgezahlt aber habe er das Geld nie, habe es auch nie vorgehabt, so die Vorwürfe der Frau, die auf einer Hofanlage bei Malente lebt. Als sich das Paar im Herbst 2008 trennte, habe der 65-Jährige nicht nur die ihr als Sicherheit genannten Büromöbel mitgenommen. Auch der von beiden unterschriebene Darlehensvertrag sei plötzlich nicht mehr auffindbar gewesen, schilderte die Zeugin vor

Gericht. Wie zerrüttet das Verhältnis des früheren Paares noch immer ist, wurde auch vor Gericht deutlich. Während die Zeugin den

Angeklagten mit "Du" ansprach, siezte er seine frühere Lebensgefährtin konsequent.

Obwohl der Angeklagte der Zeugin den Originalvertrag gestohlen haben soll, befindet sich in den Prozessakten ein unterschriebener Vertrag. "Diesen Vertrag kenne ich nicht und die Unterschrift ist auch nicht meine", kommentierte der Angeklagte das Schriftstück. Stimmt, gab dann auch die Zeugin zu. Da sie ja das Original nicht mehr habe, habe sie sich die Vorlage noch einmal ausgedruckt und mit zur Polizei genommen. Um zu verdeutlichen, wo die Unterschrift des Angeklagten war, habe sie selbst noch einmal symbolisch an dieser Stelle unterschrieben. Allerdings nicht mit seinem, sondern mit ihrem Namen. Das sei Urkundenfälschung, wies sie daraufhin Verteidiger Erhard Schlichting zurecht.

Auch wenn es keine schriftlichen Beweise für dieses Darlehen gibt, bestand die vom Angeklagten als "extrem streitsüchtig" bezeichnete Zeugin auf ihrer Darstellung. Sie sei sehr verliebt gewesen und habe gedacht, in ihm den Partner fürs Leben gefunden zu haben, erklärte sie ihre damaliges Verhalten. An seiner Aufrichtigkeit habe sie zuerst gar nicht gezweifelt. "Er sagte mir, er habe Millionen in der Schweiz liegen, die 2011 frei werden sollten." Doch als die ersten Raten der Rückzahlung ausblieben, sei sie stutzig geworden. "Ich hatte irgendwann den Eindruck, er suchte eine Frau, die ihm sein Leben finanziert", fasste sie zusammen.

Diese Darstellung wurde von einem weiteren Zeugen gestützt. In einem gemeinsamen Gespräch mit der Zeugin habe der Angeklagte zugegeben, ein Darlehen über 20 000 Euro erhalten zu haben. Später, unter vier Augen, habe der 65-Jährige dann sinngemäß gesagt: "Die hat genug Geld, das bekommt sie nicht wieder." Warum aber der Angeklagte soetwas zu einem flüchtigen Bekannten hätte sagen sollen, wusste der Zarnekauer auch nicht. "Das hat sich eben so ergeben."

Der Angeklagte hingegen bestritt diese Aussagen. Im Gegenteil: Er fühle sich in den vergangenen Jahren von der Zeugin regelrecht durch Stalking verfolgt. Denn seiner Aussage nach habe es dieses Darlehen gar nicht gegeben. "Ich habe das Geld gar nicht benötigt", erklärte der Rentner vor Gericht.

Ohne schriftliche Belege steht es Aussage gegen Aussage. Aus diesem Grund möchte das Gericht noch weitere Zeugenaussagen hören. Diese aber müssen von der Staatsanwaltschaft in Köln eingeholt werden, weshalb der Prozess für rund sechs bis acht Wochen ausgesetzt wurde.

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