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Ostholsteiner Anzeiger

22. August 2017 | 06:11 Uhr

Lieber in Arrest als zur Arbeit

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

Nach einem Fahrraddiebstahl in Malente sollten zwei junge Ostholsteiner gemeinnützige Arbeit leisten, doch daraus wurde nichts

Was tun, wenn man von Malente nach Sielbeck will, aber nicht zu Fuß? Vier junge Leute lösten das Problem auf ihre Art. Im Sommer 2014 knackten sie mit einem Bolzenschneider mehrere Fahrräder am Bahnhof und machten sich damit auf den Weg. Für diese Aktion landeten die vier, darunter ein heute 18-Jähriger und eine Jugendliche, vor dem Eutiner Amtsgericht. Die beiden kamen mit milden Strafen davon: Arbeitsauflagen von 30 und 20 Stunden.

Das war vor fast exakt einem Jahr. Gestern standen die beiden jungen Leute erneut vor Amtsrichter Otto Witt. Der Grund: Sie hatten es nicht geschafft, ihre Arbeitsauflagen zu erfüllen. Der junge Lütjenburger, der sich nach eigenen Angaben meist bei der Mutter seines Kindes in Malente aufhält, erklärte zwar, er habe einen Teil der Arbeitsstunden abgeleistet, doch einen Nachweis dafür konnte er nicht vorlegen. Er hat nichts gelernt, ist zurzeit arbeitslos.

Die junge Eutinerin hatte der Mitarbeiterin der Jugendgerichtshilfe erklärt, sie wolle lieber einen Freizeitarrest antreten. Zwar hätte sie eigentlich genügend Zeit zum Arbeiten gehabt, da sie derzeit nicht zur Schule geht und darauf wartet, ihren Hauptschulabschluss machen zu können. Doch sie sei mit den Mitarbeitern der Beschäftigungs- und Qualifizierungsgesellschaft Ostholstein (BQOH) nicht klargekommen, sagte sie auf Nachfrage Witts.

Der Amtsrichter war nun mit seiner Geduld sichtlich am Ende und erfüllte der Jugendlichen ihren „Wunsch“. Verknüpft mit einer Verwarnung verurteilte er sie wie den 18-Jährigen zu zwei Wochenenden Freizeitarrest. Auch aus Sicht des jungen Angeklagten offenbar die bessere Wahl, hat er doch schon Arrest-Erfahrungen.

Den Angeklagten sei eigentlich alles egal, stellte Witt resigniert fest. Nur zwei Dinge sorgten die junge Eutinerin dann doch. Ob sie womöglich Weihnachten einsitzen müsse, fragte sie Witt. Und ob man im Jugendarrest rauchen dürfe. Das ließ Witt offen. Die Mutter der Angeklagten, die mit im Saal war, quittierte die Frage jedoch mit einem leisen Aufstöhnen.

Witt verwies in seiner Urteilsbegründung auf die Akte zu dem Fall. Sie sei mittlerweile nur deshalb so dick, weil die beiden Angeklagten innerhalb eines Jahres nicht in der Lage gewesen seien, einige wenige Stunden gemeinnütziger Arbeit zu leisten, die andere in zwei Tagen schaffen würden. „Ich sage Ihnen ganz ehrlich, ich hab keinen Bock mehr, da hinterherzulaufen“, erklärte Witt. Beide Angeklagten nahmen das Urteil noch im Gerichtssaal an. Den Arrest werden sie übrigens erst nach Weihnachten antreten müssen.

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erstellt am 24.Nov.2015 | 00:32 Uhr

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