Plön : Leyk will heute Kreispräsident werden

Während der 43-jährige Stefan Leyk (rechts) neuer Kreispräsident werden soll, steht Thomas Hansen (Mitte) wieder als CDU-Fraktionschef im Kreistag zur Verfügung. Werner Kalinka (links) geht in den Hauptausschuss.
Während der 43-jährige Stefan Leyk (rechts) neuer Kreispräsident werden soll, steht Thomas Hansen (Mitte) wieder als CDU-Fraktionschef im Kreistag zur Verfügung. Werner Kalinka (links) geht in den Hauptausschuss.

SPD und Grüne begrüßen Einlenken der CDU in der Kreispräsidenten-Frage, für die KWG „ist nichts Neues entstanden“.

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19. Juni 2018, 13:53 Uhr

Die mehrfache Verweigerung von SPD, Grünen, KWG und Linken, Werner Kalinka (CDU) zum neuen Kreispräsidenten zu wählen, hat bei der CDU offenbar zu einem Umdenken geführt. Werner Kalinka kündigte gestern an, dass er für die Wahl zum Kreispräsidenten am heutigen Mittwoch ab 17 Uhr im Kreistag nicht mehr zur Verfügung steht.

In einem landesweit beispiellosen Vorgang war es dem 66-jährigen Kalinka als Kandidat der stärksten Kreistagsfraktion in vier Wahlgängen deutlich nicht gelungen, die Mehrheit als Kreispräsident auf sich zu vereinigen. Die Widersacher waren enttäuscht darüber, dass die CDU ohne Rücksprache mit ihnen Kalinka als Kreispräsidenten nominiert hatte und kündigten öffentlich ihre Verweigerung an. Sie erwarteten, dass ein Kreispräsident seine Hauptaufgaben in neutraler, parteiübergreifender und ausgleichender Weise wahrnehme. „Diese Voraussetzung erfüllt Kalinka nicht in erforderlichem Maße“, teilten die Kritiker des Wahlvorschlages barsch mit.

Die CDU hat als stärkste Fraktion das Vorschlagsrecht und wird es auch am heutigen Mittwoch ausüben. Wie die CDU gestern in einer Pressenotiz mitteilte, soll der 43-jährige Stefan Leyk, Stadtreferent in Lütjenburg, heute nun zur Wahl des Kreispräsidenten vorgeschlagen und damit Nachfolger von Peter Sönnichsen werden. Stefan Leyk war bei der konstituierenden Sitzung des Plöner Kreistages bereits als CDU-Fraktionschef als Nachfolger von Werner Kalinka aktiv. Thomas Hansen aus Lütjenburg bestätigte dem OHA gestern, dass er als neuer CDU-Fraktionschef zur Verfügung steht. Hansen war schon einmal CDU-Fraktionschef. Er trat allerdings 2015 zurück, weil er eigentlich mehr Zeit für die Familie haben wollte.

Werner Kalinka selbst kündigte gestern im OHA-Gespräch an, dass er künftig ein „ganz normaler“ Kreistagsabgeordneter sei. „Wir haben mit den jungen Verantwortungsträgern auch eine Verjüngung der CDU-Spitze im Kreistag eingeleitet“, zeigte sich Werner Kalinka am Ende zufrieden.

„Die gezeigte Blockadehaltung von SPD, Grünen, KWG und Linke sowie das Ignorieren des gesetzlichen Vorschlagsrechts der stärksten Fraktion ist ein höchst unfairer Stil“, ist Werner Kalinka enttäuscht über die Fortsetzung der Politik der Kooperation im Kreistag der vergangenen fünf Jahre. Er sehe nicht, dass diese derzeit bei seiner erneuten Kandidatur durchbrochen werden könne.

Der Kreistag, so Kalinka weiter, sei gewählt worden, um sich um der Themen und Sorgen der Bürger anzunehmen. Er wolle mit seinem Verzicht verhindern, dass der Eindruck entstehe, es gehe mehr um Personen. Für seine politische Arbeit sei das Amt des Kreispräsidenten nicht nötig.

2017 gewann er das Landtagsmandat in Plön-Nord mit einem überragenden Ergebnis, bei der Kommunalwahl gewann die CDU im Kreis 20 von 23 Direktmandaten und lag mit 12,3 Prozent entfernt an der Spitze vor der SPD. Kalinka: „Was SPD und Grüne machen, entspricht nicht dem Wählerwillen.“

Der neue CDU-Kandidat um das Amt des Kreispräsidenten, der 43-jährige Stefan Leyk, ist seit 1998 einst landesweit jüngster Abgeordneter im Kreistag, seit 2003 war der Stadtreferent von Lütjenburg Vorsitzender des Hauptausschusses. „Wenn man in Schleswig-Holstein mit 45 Jahren Ministerpräsident wird, dann kann man auch mit 43 Jahren Kreispräsident werden“, sagte Leyk gestern dem OHA.

Leyks Nominierung soll nach OHA-Informationen allerdings ein internes Tauziehen hinter den Kulissen voraus gegangen sein. So sollen sieben dem OHA bekannte CDU-Abgeordnete eine Sondersitzung der Fraktion für erforderlich angesehen haben, um die Kreispräsidenten-Frage zu diskutieren. Werner Kalinka soll heute offensichtlich in den wichtigen Hauptausschuss des Kreistages gewählt werden. Offen ist aber, was mit dem Amt des stellvertretenden Landrats wird, das Werner Kalinka offiziell noch inne hat.

„Die SPD-Kreistagsfraktion begrüßt das Einlenken der CDU in der Kreispräsidentenfrage“, sagte Fraktionschef Kai Bellstedt dem OHA. Die SPD-Abgeordneten würden in der heutigen Abstimmung ihr demokratisches Recht in Anspruch nehmen und frei abstimmen. Bellstedt betonte aber auch, dass die vorab angekündigten Gespräche zwischen den Fraktionen erneut nicht stattgefunden hätten.

Axel Hilker (Grüne): „Werner Kalinka und die CDU haben spät, aber gerade noch rechtzeitig erkannt, dass sie mit dem Kopf nicht durch die Wand kommen.“ Gespräche mit den Grünen oder anderen Fraktionen habe die CDU wieder nicht geführt. Für diesen Fall habe man in der Fraktion besprochen, die Wahl freizugeben und sei auf die Mehrheitsverhältnisse gespannt.

Zurückhaltung bei Klaus Blöcker von der Kreiswählergemeinschaft. Für ihn sei „nichts Neues entstanden“. Lediglich das Personal-Karussell habe sich gedreht. Mit Erneuerung habe das wenig zu tun, so der ehemalige CDU-Vertreter. „Es ist nur eine neue Haltestelle angefahren worden.“


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