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Ostholsteiner Anzeiger

24. September 2017 | 12:37 Uhr

Hundesport : Leistungssportler auf vier Pfoten

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

Vater Wolfgang Schmidt und Tochter Tina Edling sammeln bei Wettbewerben Erfolge mit ihren Hunden Akito und Fram.

shz.de von
erstellt am 22.Apr.2014 | 12:00 Uhr

Mitten im Wald in der Nähe des Großen Eutiner Sees hört man auf dem Übungsgelände des Polizei- und Gebrauchshundevereins Ostholstein (PGHV) lautes Hundegebell. Hier trainieren Wolfgang Schmidt (63) und seine Tochter Tina Edling (35) mit ihren Schäferhunden Akito von den Halunken und Fram van de Scheepsjager. Akito ist ein Fährtenhund, Fram ist mehr der Leichtathlet.

Kurz vor dem Wettkampf braucht ein Hund seine Ruhe. Akito soll in Bestform sein, wenn er den Kampfrichtern sein Können zeigt. Die Fährte ist ungefähr 2000 Schritt lang. Sie wird so gelegt, dass sieben Gegenstände untergebracht sind, auf die der Hund durch stehen bleiben verweisen soll. Bei Prüfungen wird die Strecke drei Stunden vorher gelegt und enthält spitze und rechte Winkel und Bögen. Eine halbe Stunde, bevor es für Akito ernst wird, geht ein Mensch quer über die Spur. Der Hund darf der neuen Fährte nicht folgen, sondern muss der älteren Spur komplett mit der Nase am Boden folgen. Der Hundeführer kann keinen Einfluss nehmen, da er die Strecke nicht kennt. „Da muss man seinem Hund schon vertrauen“, stellt Schmidt fest.

Er beschäftigt sich seit 30 Jahren mit der Fährtensuche. Mensch und Hund trainieren zwei bis drei Mal in der Woche. 2013 hat ein Stein Akito die Teilnahme an der Bundessiegerprüfung vermasselt. Der Hund musste an der Nase operiert werden. Das soll in diesem Jahr nicht passieren, Akito ist topfit, soll im Herbst bei Landesmeisterschaften und Bundessiegerprüfung bestehen.

Tina Edling hat ihre Leidenschaft für den Hundesport von ihrem Vater geerbt. Schon als kleines Mädchen verbrachte sie viel Zeit auf dem Übungsplatz. Zunächst hat sie sich aber den Pferden zugewandt.

Der Ehemann und dessen Labrador haben sie vor 14 Jahren in den Hundesport zurückgebracht. Mit ihrem sechsjährigen Fram trainiert Tina Edling seit 2010, beide sind im Turnierhundesport zu Hause. Die Schönwalderin hat mit Fram bereits dreimal den Landesmeistertitel und letztes Jahr den ersten Platz bei der Bundessiegerprüfung erkämpft. Tunierhundesport ist Saisonarbeit: „Dabei muss man schnell laufen können, ohne sich zu verletzen, das geht bei Matsch und Schnee nicht“, sagt Tina Edling. Sie trainiert zweigleisig, drei Mal die Woche für sich selbst, Kraftsport, Sprint, Laufen und die Technik – und dann noch zweimal mit ihrem Hund Fram.

Dabei achtet sie besonders darauf, dass Fram neben ihr läuft und er die Saison über im Rhythmus bleibt. Turnierhunde sind Mehrkämpfer: Vierkampf, Geländelauf mit einem, zwei oder fünf Kilometern und Mannschaftsdisziplinen gehören hier zum Programm. Tina Edling tritt im Vierkampf an. Dabei muss sie einen 75 Meter langen Slalom, einen 80 Meter Hürden-Parcours, eine 75 Meter lange Hindernisbahn und die Prüfung in der Unterordnung bestehen. „Das wird oft unterschätzt. Der Turnierhundesport ist Leichtathletik mit dem Hund“, sagt Tina Edling, sie muss Slalom und Hürdenbahn gemeinsam mit Fram absolvieren, beim Hindernislauf rennt sie nebenher.

Für die Hindernisse, die nicht genommen oder herunter gerissen werden, gibt es Strafzeit. Die Zeiten werden addiert, so wird der Sieger errechnet. „Es gewinnt nicht immer der schnellste, sondern meistens der sicherste. Auf hohem Niveau, wie bei der Bundessiegerprüfung machen Menschen und Hunde kaum noch Fehler.“

Neben dem Tunierhundesport und der Fährtensuche gebe es noch weitere Hundesportarten: Agility, Obedience (Unterordnung) und weitere Wettbewerbe. Tina Edling hat klare Vorlieben: „Ich bevorzuge die Action und das schnelle Laufen.“

Im Polizei- und Gebrauchshundeverein arbeitet sie im dritten Jahren ehrenamtlich als Ausbildungswartin. Tina Edling trägt die Verantwortung für die Wettkämpfe im Verein, weist neue Leute ein und kümmert sich um die Koordinierung der Ausbilder mit den Neulingen. Wie lange sie dem Tunierhundesport mit ihrem holländischen Schäferhund noch treu bleibt, kann sie nicht genau sagen. Das Ziel, das sie erreichen wollte, war die Bundessiegerprüfung. „Ich habe nicht damit gerechnet, so schnell Bundessiegerin zu werden. Gerade weil ich einen Sportpartner habe, der das manchmal alles etwas hündischer sieht.“

Dieses Jahr will sie auf jeden Fall noch einmal mit ihrem Hund Fram bei den Landesmeisterschaften und mit ein bisschen Glück auch bei der Bundessiegerprüfung antreten. „Spätestens wenn Fram neun Jahre ist, ist Schluss“, sagt sie. Sie will ihren Hund auf dem Höhepunkt seiner Leistung aufhören lassen, alles andere wäre nur frustrierend für das Zweierteam.

In einem sind sich Wolfgang Schmidt und Tina Edling trotz der unterschiedlichen Disziplinen einig: „Es bringt unheimlich viel Spaß mit dem Hund Erfolgserlebnisse zu haben, auch wenn es manchmal nur die kleinen Dinge sind. Man muss mit seinem Hund ein Team werden, im Team lernen und im Team weiterkommen.“

Dass Vater und Tochter dieses Ziel erreicht haben, zeigen nicht nur ihre Siege; man sieht es auch ganz deutlich daran, wie konzentriert Akito seiner Spur folgt oder am Spaß von Fram, wenn er durch Reifen hüpft und traumwandlerisch sicher über Balken balanciert.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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