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Deutsche Schüler in China : Lebende Scampis zum Abendessen

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

„Kulturschock“ für 21 Schüler mit ihren drei Lehrern des Beruflichen Gymnasiums Eutin in der chinesischen Stadt Xinchang. Sie wurden herzlich in den Gastfamilien aufgenommen.

Es war wie die Landung in einer anderen Welt. Dennoch überstanden die 21 Schüler mit ihren drei Lehrern aus dem Beruflichen Gymnasium Eutin zum Beginn des Schüleraustausches mit Cina den „Kulturschock“ der ersten Tage. Die Schüler berichten im OHA über ihre Erlebnisse und Einsichten in der Fremde. Im Folgenden gibt Reiseteilnehmer Malte Kuhr eine Zusammenfassung seiner ersten Eindrücke.

Nach der Landung in Shanghai merkte man sofort, dass es hier eine ganz andere Welt ist. Sehr viele Menschen wuseln umher und es ist sehr laut. Die chinesischen Schüler empfingen die Eutiner Gruppe schon am Flughafen in Shanghai in ihren Schuluniformen und mit Lunchpaketen. Die Deutschen merkten schnell: Höflichkeit hat in China einen sehr hohen Stellenwert.

Nach dreistündiger Busfahrt erreichten wir die Stadt Xinchang. Im Bus merkte man schon am Geräuschpegel, dass die Kommunikation auf englisch gut klappte. Wir unterhielten uns über China und Deutschland. Partnerbeziehungen haben die jungen Chinesen nicht. Die Lehrer verbieten es ihnen, hieß es. Das ist für die deutschen Schüler ebenso unvorstellbar wie das Verbot der Mitnahme von Handys in die Schule.

In der Woche schlafen die chinesischen Schüler in der Schule. Nur während des Wochenendes dürfen sie mit ihren Austauschgästen zu ihren Eltern nach Hause fahren.

In Xinchang warteten die chinesischen Gasteltern bereits, um mit ihren Gästen gleich weiter zum Essen in verschiedene Restaurants zufahren. Xinchang ist eine für chinesische Verhältnisse kleine Stadt mit 400 000 Einwohnern. Der chinesische Straßenverkehr ist aus deutscher Sicht eine wahre Katastrophe. Es gibt hier keine Regeln. Man fährt nach dem Prinzip: Der Stärkere hat Vorfahrt! Als Fußgänger darf man niemals auf der Straße stehen bleiben, wenn man nicht angefahren werden möchte. Die Polizei scheint mit der Situation völlig überfordert. Die Verkehrsteilnehmer hupen nur in China. Sie signalisieren so, dass man mit seinem Auto kommt und Platz will. Daraus folgt natürlich, dass es in der Stadt bis in die Nacht noch sehr laut ist.

Das Restaurant sah wie ein mit Blattgold verzierter Palast aus. Der ganze Stolz der Chinesen kommt dabei zum Ausdruck. Meine Gastfamilie hatte im Restaurant ein eigenes Esszimmer mit eigener Bedienung, die mir zeigte, wie man in China isst. Trotz wochenlanger Übung wurde ich schnell an die Grenzen des Essens mit Stäbchen herangeführt. Die Kellnerin reichte mir mit einem freundlichen Lächeln im Gesicht Messer und Gabel und gab immer mehr Fisch und Fleisch in einen Kochtopf direkt am Tisch. Ich sollte unbedingt alles probieren. Es war lecker und gesund zugleich. Es wurden lebende Scampis, Seeaugen, Salatblätter, Beef und Kartoffeln serviert. Ich bekam einen gehöreigen Schrecken, als ich auf dem Tisch die lebenden Tiere sah, die ich gleich essen sollte. Als Getränk wurde Bier gereicht.

In China gelten ganz andere Tischmanieren. Man darf rülpsen, mit Händen essen, das Essen auf den Teller ausspucken, während des Essens rauchen oder mit dem Smartphone spielen. Man darf erst anfangen zu essen, wenn der Vater begonnen hat. Auf den Tellern lassen die Chinesen einfach viel liegen. Ein Ausdruck für das leckere Essen. Ich hatte gar nicht alles essen können.

Ich darf nun für eine Woche bei meiner Gastfamilie in einer großen Wohnung über zwei Etagen leben – gewiss kein chinesischer Standard. Es ist alles sehr modern eingerichtet. Die Försorge der Gastfamilie ist groß: sogar Hausschuhe stehen parat. Außerdem wäscht meine Gastmütter sogar meine getragene Kleidung. Das Badezimmer ist sehr klein. Toilette und Dusche sind fast eins und einen Duschvorhang gibt es auch nicht. Man darf wegen der hohen Keimbelastung kein Wasser aus der Leitung trinken. Dafür gibt es Kai Shui – abgekochtes Wasser.

Im Wohnzimmer sah ich mit Hu, seinem Gastbruder, und seinem Vater die Zusammenfassungen der Fußball-WM-Qualifikationen – mit einem chinesischen Kommentator. Die Chinesen bewundern die europäischen Fußballer und besonders die deutsche Mannschaft. In Xinchang gibt es keinen Fußballverein, da es keinen Platz für einen Fußballplatz gibt, sagten sie mir. Die Chinesen „fürchten“ die deutschen Tischtennis-Asse Timo Boll und Dimitri Ovtcharov sehr.

Am Abend wird brauner Tee getrunken. Danach soll man eigentlich gut schlafen können. „Dank“ Jetleg und extrem harter Betten habe ich in der ersten Nacht nur zwei Stunden geschlafen.


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erstellt am 18.Okt.2013 | 20:05 Uhr

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