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Ostholsteiner Anzeiger

23. Oktober 2017 | 10:10 Uhr

Plön : Leben am Rand der Gesellschaft

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

Gefängnispastor Petrus Ceelen hielt Sonnabend einen Vortrag zum 13. Plöner Hospiztag im Kulturforum Schwimmhalle Schloss Plön.

von
erstellt am 09.Nov.2015 | 12:00 Uhr

Petrus Ceelen, der Gastredner des 13. Hospiztags im Kreis Plön im Kulturforum Alte Schwimmhalle, änderte am Sonnabend mit seinem Vortrag „Der soziale Tod in unserer Gesellschaft“ bei den rund 70 Gästen den Blickwinkel auf das Leben und Sterben – ein ebenso verbreitetes wie kaum bewusst wahrgenommenes Thema.

„Unter uns leben Menschen, die schon länger gestorben sind“, machte er bewusst. In seiner rund 30-jährigen Tätigkeit in Deutschland als Seelsorger im Gefängnis, für Aids- und HIV-Erkrankte und als Hospizler habe er gelernt, was es bedeute, an den Rand der Gesellschaft gestellt zu werden. „Wer verachtet wird, verliert auch die Selbstachtung“, führte der 72-jährige Belgier aus. Als Beispiel nannte er die allgemein für Drogenabhängige Bezeichnung „Junkie“, die aus dem Englischen übersetzt „Müll“ oder „Abfall“ bedeute.

Keiner habe sich ausgesucht, wo er geboren, ob er hetero- oder homosexuell, an Aids oder Krebs erkrankt ist oder ein anderes Schicksal wie Altersarmut erleben müsse, so Ceelen. Die Betroffenen trauen sich häufig nicht offen zu sagen, was mit ihnen sei.

Auch heute sei Aids mit einem Makel belegt, der zu Ausgrenzung, Isolierung und Stigmatisierung führe. „Vereinsamung kann genauso tödlich sein wie Erkrankungen und Abhängigkeiten selbst“, kommentierte Petrus Ceelen und übersetzte die vier Buchstaben mit „Angst in der Seele“.

Vorverurteilungen seien für Angehörige ebenso schwer, und sie würden oftmals „mit sterben“. Der Satz „Für mich bist Du gestorben“ erhalte durch Schicksale eine andere Wertigkeit. „Der soziale Tod ist oft schlimmer als der Tod selbst“, so Ceelen. Umso wichtiger sei es für den Theologen, dass es Menschen gebe, die keine Berührungsängste haben, um den Betroffenen mit Einfühlungsvermögen zur Seite zu stehen.

„Der Vortrag berührt und geht unter die Haut“, sagte Silke Eckeberg, Vorsitzende der Plöner Hospizler. Daher sei es wichtig, an Menschen wie Obdachlose und Aidskranke zu denken, die am Rande der Gesellschaft leben. Die ehrenamtlichen Hospizmitarbeiter seien mit Herzblut dabei, um Menschen auf ihrem letzten Weg zu begleiten. „Die Arbeit hat uns reicher gemacht. Jede Begleitung ist individuell und enorm schön, weil wir so viel Dankbarkeit und Wertschätzung erhalten“, gab Eckeberg zu verstehen. Pastor Jörn Kress war erfreut über die Entscheidung, Hospizinitiativen zu stärken. Hospizarbeit sei vor 30 Jahren, als er als Krankenpfleger arbeitete, kein Thema gewesen. Er selbst habe Menschen zum Sterben noch in ein Badezimmer schieben müssen. „Das hat sich zum Glück geändert“, sagte Kress und nannte als Beispiel ein persönliches Schicksal in seiner Familie, bei dem vom Arzt empfohlen worden sei, seinen zehnjährigen Neffe zum Sterben und Abschiednehmen nach Hause zu holen.

Kreispräsident Peter Sönnichsen sagte, dass neben der enormen Flüchtlingshilfe nicht vergessen werden dürfe, dass Ehrenamtliche sich in vielen Bereichen der Gesellschaft seit Jahrzehnten einbringen, um zu helfen. Mit Blick auf den Bundestagsbeschluss zur Sterbehilfe, die geschäftsmäßig untersagt werden soll, würden Hospizvereine- und Einrichtungen zukünftig einen Aufschwung erleben. „Das Wichtigste ist es, Menschen beim Sterben zu begleiten“, betonte Sönnichsen. Text: Kerstin Ahrens


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