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Klimawandel : Latif: „Es ist noch nicht zu spät“

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

Bekannter Klimaforscher plädiert vor großem Publikum in der Eutiner Kirche für einen konsequenten Kurswechsel in Alltag und Politik

Zu einem Kurswechsel in Politik und Alltagsgestaltung hat der Klima-Experte Professor Dr. Mojib Latif am Mittwoch in Eutin aufgerufen: „Es lässt sich nicht mehr übersehen: Es gibt einen Klimawandel!“

In der mit rund 370 Zuhörern überfüllten St.-Michaelis-Kirche kritisierte der Kieler Meteorologe und Ozeanograph in seinem Vortrag und während der anschließenden Diskussion zum Thema „Klimawandel – Fakt oder Fiktion?“ die UN-Klimakonferenzen, die bisher nur unverbindliche Erklärungen hervorgebracht hätten.

„Es lohnt sich, etwas zu tun, es ist noch nicht zu spät.“ Diese Botschaft des Klima-Experten weckte Hoffnung und löste zugleich Fragen nach Chancen für eine Klima-Wende aus. Mojib Latif zeigte auf, dass es seit der Existenz von Menschen auf der Erde noch nie so viel Kohlendioxid in der Erdatmosphäre gegeben habe wie heute. Der Grund: Energie werde weltweit fast ausschließlich durch Verbrennung erzeugt. Um 20 Zentimeter sei der Meeresspiegel seit Anfang des 20. Jahrhunderts gestiegen. In Deutschland seien künftig insgesamt trockenere Sommer, zugleich aber auch ein verstärktes Auftreten von Starkniederschlägen zu erwarten.

Latif entwarf mehrere Szenarien für die kommenden Jahrzehnte. Deutlich wurde: Das Ausmaß der Klimaveränderung hängt davon ab, wann die Menschheit beginnt, ihren rasant wachsenden Energiebedarf aus erneuerbaren Ressourcen zu decken. „Wir haben auf der Erde kein Energieproblem“, erklärte Mojib Latif, „sondern Energie im Überfluss.“ Sonne, Wind, Wasser und Gezeiten seien gigantische Energiequellen: „Nur ein Bruchteil davon wäre nötig, damit die Menschheit komplett auf konventionelle Energieträger verzichten könnte.“

Das Problem sei das Geld, das in die Energiewende investiert werden müsste. Dazu aber seien Politik und Wirtschaft noch nicht in ausreichendem Maße bereit: „Wenn das Klima eine Bank wäre, hätte man es schon längst gerettet.“ Dabei würde zum Beispiel die deutsche Volkswirtschaft in den kommenden Jahrzehnten von einer Energiewende enorm profitieren, „allein schon, weil die Preise für konventionelle Energieträger drastisch steigen werden.“

Seit dem Jahr 2000 sei der weltweite CO2-Ausstoß um 40 Prozent gestiegen. Gegenwärtig puste China das meiste Kohlendioxid in die Atmosphäre: „Die westlichen Industrienationen haben einen Großteil ihrer Produktion nach Asien verlegt – damit liegt die Verantwortung auch bei uns.“ Stattdessen seien in der gegenwärtigen Gesellschaft materielle Güter „wie zum Beispiel klimaschädliche Geländewagen“ zu einem Inbegriff des Glücks geworden, während Familie, Freunde und Gemeinschaft zu wenig Wertschätzung erführen. Latifs Appell: „Wir müssen unser Koordinatensystem ändern.“

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erstellt am 27.Sep.2013 | 00:31 Uhr

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