zur Navigation springen
Ostholsteiner Anzeiger

21. August 2017 | 14:23 Uhr

Langer Weg zum Lärmschutz

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

Schienenhinterlandanbindung: Projektleiter Bernd Homfeldt gibt Einblick ins weitere Vorgehen der Bahn / Pläne werden zwei Mal ausgelegt

Der Lärmschutz für die Schienenanbindung des geplanten Fehmarnbelt-Tunnels wird teuer. Die Bahn kalkuliert mit 87 Millionen Euro. Das Interesse an den Planungen ist groß; das zeigten insbesondere die Infoveranstaltungen in der vergangenen Woche in Scharbeutz und Neustadt (wir berichteten).

Zum Lärmschutz entlang der Schienenanbindung der geplanten Fehmarnbeltquerung lieferte gestern Bahn-Projektleiter Bernd Homfeldt in Lübeck weitere Details und informierte über den Stand der Planungen.

Die Bahn hat eine dreidimensionale Berechnung der Schallausbreitung entlang der Trasse in Auftrag gegeben, so Homfeldt. Auf dieser Basis seien in Ostholstein rund 3400 so genannte Schutzfälle festgestellt worden. Ein Schutzfall ergibt sich, wenn ein Grenzwert überschritten wird. So kann eine Wohnung tags und nachts gleich zwei Schutzfälle generieren; ein Mehrfamilienhaus somit gleich ein ganzes Bündel derartiger Überschreitungen. Die durch die aufwändigen Simulationen ermittelten 3400 Schutzfälle des Lärmkonzepts relativieren sich somit im Grunde. Mit 2254 Schutzfällen steht der Abschnitt zwischen Bad Schwartau und Haffkrug an der Spitze – in Bad Schwartau sind es allein 1116. Dieser Bereich ist aber auch am dichtesten besiedelt. Zum Vergleich: Der Trassenabschnitt auf Fehmarn weist 98 Schutzfälle auf, der Bereich bei Göhl 420.

Die Kosten für Lärmschutz verteilen sich somit entsprechend: 45,8 Millionen Euro für den südlichen Bereich, 13 Millionen Euro sind bisher für
den gesetzlich vorgeschrieben Lärmschutz um Neustadt herum geplant und 1,2 Millionen auf Fehmarn. „Das Verhältnis Kosten pro Schutzfall sagt dabei nicht unmittelbar etwas über den Umfang der aktiven Lärmschutzmaßnahmen aus“, sagt Homfeldt. Während beispielsweise die Kosten in Bad Schwartau pro Schutzfall bei 17  000 bis 23  000 Euro liegen, sind es in Alt-Ruppersdorf 119  000 Euro pro Schutzfall. Hintergrund: Die Baukosten einer Lärmschutzwand verteilen sich eben in dichtbesiedelten Gegenden auf mehr Fälle als auf dem flachen Land.

Die Bahn unterscheidet indes zwischen aktivem und passivem Lärmschutz. Während letzterer der an den Gebäuden umfasst (Mehrfachverglasung, zusätzlich Dämmung), sind die aktiven Maßnahmen in erster Linie die Schallschutzwände, die unmittelbar am Gleis gebaut werden sollen – teilweise bis
zu sechs Meter hoch. Wie
alle Lärmschutzmaßnahmen kommen sie nur dort zum Einsatz, wo Grenzwerte überschritten werden. Und noch gibt es keine Feinplanung für jedes Gebäude. Die erfolge erst in der Planfeststellung.

Generell möchte die Bahn Betroffenen die Angst nehmen, dass bereits alle Planungen in Sachen Lärmschutz und Co. abgeschlossen seien, so Homfeldt. Der Weg der Planungen sei zurzeit folgender: Die Planfeststellungsunterlagen – beginnend mit dem Abschnitt Fehmarn – sollen nach der Bundestagswahl im Herbst eingereicht werden. Die Pläne würden im 1. Quartal 2018 ausgelegt. Parallel dazu bekommt der Bundestag die Unterlagen auf den Tisch. Wenn alles klappt, so Homfeldt, bekommt die Bahn dann gleichzeitig Klarheit über die vom Bund bewilligten Kostenbeteiligungen zum gesetzlichen Kostenrahmen und eventuell darüber hinaus sowie die Daten aus den Einwendungen. Alles zusammen werde in eine überarbeitete Fassung der Planfeststellungsunterlagen einfließen, die wahrscheinlich im 1. Quartal 2019 ausgelegt werde. Dann sei erneut Raum und Zeit für weitere Einwendungen, sagt Homfeldt, der betonte, dass es die zweifache Chance für Einwendungen bundesweit nur bei diesem Bauprojekt der Bahn gibt.

Seit 2008 wird bereits geplant, die Bauzeit mit vier bis fünf Jahren veranschlagt. Wann die Hinterlandtrasse fertiggestellt sein soll, steht zunehmend in den Sternen – zumal nicht klar ist, wie lange auf Bundesebene über den Kostenrahmen beraten wird. „Alle weiteren Termine für die Planungen sind somit vages Raten“, sagte der Projektleiter.

zur Startseite

von
erstellt am 13.Jul.2017 | 17:43 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen