„Landespolizei wird weiblicher“

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Landesfrauenkonferenz der Gewerkschaft der Polizei tagt in Eutin zum Thema Gleichstellung / Innenminister Studt als Gastredner

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08. März 2017, 11:19 Uhr

Seit 1986 die ersten Frauen ihren Dienst in der Landespolizei antraten sind über 30 Jahre vergangen. Zurzeit stehen rund 2400 Polizistinnen im Landesdienst, die Frauenquote liegt bei den insgesamt etwa 8000 Beamten somit bei 27,63 Prozent. Vereinfacht gesagt: Mehr als jeder vierte Polizist in Schleswig-Holstein ist eine Frau.

Und damit nicht genug: „Die Landespolizei wird nach und nach weiblicher“, sagte Schleswig-Holsteins Innenminister Stefan Studt (SPD, Foto) angesichts der Bewerberzahlen: Im vergangenen Jahr gab es bei den Einstellungen einen Höchststand seit 2008 – 37 Prozent der eingestellten Nachwuchskräfte, genau 168, sind junge Frauen. Damit ist 2016 der Jahrgang mit der höchsten Einstellungsquote von Frauen. Vor zehn Jahren waren es noch gerade 32 Frauen, die mit der Ausbildung begannen. „Doch es stellt sich die Gretchen-Frage: Wie halten wir es als Landespolizei, als Organisation, mit der Gleichstellung?“, sagte Studt gestern bei der 6. Landesfrauenkonferenz der Gewerkschaft der Polizei im Hotel „Seeschloss am Kellersee“. Die klassische Rollenverteilung halte sich gerade in der Polizei beharrlich. Eine Frau, die eine Polizeibehörde übernimmt, sei eine absolute Ausnahme. „Das ist an sich etwas, was ich schade finde“, sagte der Minister. Als Positiv-Beispiel aus der direkten Eutiner Umgebung nannte Studt wiederum Maren Freyher, die 2016 stellvertretende Leiterin der PD AFB wurde.

Lisanne Stracka, Abteilungsleiterin für Frauen- und Gleichstellungspolitik im DGB Nord, warnte hingegen die Delegierten der GdP in ihrem Hauptreferat: „Gleichstellung ist nicht mehr selbstverständlich.“ Parteien wie die AfD würden das Thema Gleichstellung in die 50er Jahre zurückdrehen, so Stracka. „Diese Tendenz ist sehr gefährlich.“

Anette Langner (SPD), Staatssekretärin des Ministeriums für Soziales, Gesundheit, Familie und Gleichstellung, zeigte anhand der TV-Serie „Tatort“ auf, dass das dort gezeigte Frauenbild „nicht die Realität abbildet“. Es bestehe ein „riesiger Nachholbedarf bei der Gleichstellung“ – insbesondere auf politischer Ebene, sagte Langner. Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf sei jedoch kein polizeitypisches Anliegen; „das teilen Sie auch mit anderen Berufsgruppen“, sagte Langner. Dennoch sei „viel erreicht worden in der einstigen Männerdomäne Polizei, aber es ist noch viel zu tun“, sagte Langner. Innenminister Studt ergänzte: „Für mich persönlich gibt es da nichts zu deuten: Die Gleichstellung von Frauen in allen Berufen ist absolut notwendig.“ Gleichstellung bedeute aber auch, Möglichkeiten für berufstätige Mütter zu schaffen und die Verbindung von Beruf und Familie zu verbessern. Aber eben auch Beruf und Familie für Väter, so Studt.

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