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Ostholsteiner Anzeiger

21. Oktober 2017 | 03:27 Uhr

Landesgartenschau soll barrierefrei sein

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Als „Leuchtturmprojekt mit Strahlkraft“ kündigte Bernd Rubelt gestern einige Vorhaben an / Workshop beschäftigt sich mit bestehenden Hürden in Eutin

shz.de von
erstellt am 19.Feb.2015 | 16:31 Uhr

Eine Treppe vorm Geschäft, Gastronomiebetriebe ohne behindertengerechte Toiletten, schlechte Beschilderungen für Menschen mit Mobilitätseinschränkungen – Eutin hat in Sachen Barrierefreiheit noch viel nachzuholen. Davon zeugt laut Stadtmanagerin Kerstin Stein-Schmidt auch das „rote Licht“ als schlechtes Ergebnis bei der kürzlich vorgestellten Umfrage zur vitalen Innenstadt (wir berichteten).

Mit der Innenstadtsanierung habe die Stadt die Chance, neue Barrieren zu verhindern und Missstände zu verbessern, sagte Bernd Rubelt gestern bei einem Workshop, in dem es hauptsächlich um eine barrierefreie Landesgartenschau ging. Das Wichtige dabei sei, die Experten – die Betroffenen selbst – mit ins Boot zu holen, wie Lena Middendorf von der Lebenshilfe Ostholstein betont: „Behindert ist man nicht, behindert wird man und zwar durch
Barrieren, die Teilhabe be- oder verhindern. Barrieren hinzunehmen oder einzubauen, bedeutet mitverantwortlich zu sein, für die aktive Ausgrenzung von Menschen.“

Damit genau das nicht bei der bevorstehenden LGS geschieht, werde Barrierefreiheit „von Anbeginn“ bei den Planungen mitgedacht, wie LGS-Geschäftsführer Bernd Rubelt bekräftigte. Die LGS könne in Sachen Barrierefreiheit laut Rubelt ein „Leuchtturmprojekt mit Strahlkraft“ sein. Es sei ein interessantes Areal, was hierfür zu überplanen ist, doch auch ein schwieriges, „denn wir müssen mit der Bestandssituation umgehen“. Barrierefreiheit fange für Rubelt bei den Eingängen an. Wie kommen die Menschen zur LGS? Nutzen sie den Shuttleservice oder gibt es behindertengerechte Parkplätze vor Ort? Rubelt: „Baulich können wir nicht zu hundert Prozent für alles eine Lösung haben. Das Wichtige ist, dass wir das Personal entsprechend schulen, die im besonderen Fall eine Lösung möglich machen.“ Alle Wege der LGS seien barrierefrei. Deshalb auch die verbreiterten und befestigten Achsen im Seepark, denn „jedem soll der Seeblick ermöglicht werden“. Doch mit dem LGS-Ticket kommen Besucher auch ins Schloss. Rubelt: „Also machen wir uns auch Gedanken, wie man mit dem Rollator oder Rollstuhl über den historisch gepflasterten Innenhof kommt.“

Außerdem ist ein Wegeleitsystem geplant, dass einheitlich durch die Innenstadt und LGS führt. Rubelt: „Wir erwarten 600  000 Besucher, dies soll auch eine Wirkung auf die Stadt haben, und genau dort brauchen wir Menschen, die bereit sind mitzumachen, Konzepte anzubieten.“ Es ginge nicht darum, die Treppe vorm Geschäft platt zu machen, sondern sensibel zu sein und sichtbar offen für Besucher mit Mobilitätseinschränkungen. Denn letztlich gehe es nicht nur darum, barrierefrei für die LGS zu werden, sondern sich als Stadt für die Zukunft zu wappnen. Touristik-Chef Per Köster: „Wir haben als erstes immer den Rollstuhlfahrer vor Augen, aber bei der immer älter werdenden Gesellschaft können Menschen mit Krücken, Rollatoren oder Sehbehinderungen plötzlich eingeschränkt sein. Auch mit Kinderwagen sind Treppen schwer zu meistern.“

Nicht nur das LGS-Gelände, sondern auch alle rund 1000 geplanten Veranstaltungen sollen laut Rubelt für alle zugänglich und erlebbar sein. Dem Thema sollen spezielle Aktionstage gewidmet werden, Gebärdendolmetscher soll es zum Auftakt und Ende geben; Rollstühle, Rollatoren und Bollerwagen an jedem Eingang ausleihbar sein. Auch der ÖPNV stelle die Planer vor enorme Herausforderungen. Rubelt: „Da brauchen wir die Expertise der Betroffenen und dafür gibt es tolle Ansprechpartner hier im Kreis.“

Aus touristischer Sicht ist Schleswig-Holstein derzeit noch ein weißer Fleck auf Landkarten, die barrierefreie Urlaubsgebiete anpreisen. Ziel des Projektes „Barrierefreier Tourismus“ sei es gewesen, Impulse zu geben, für das Thema zu sensibilisieren, sagte Projektmanagerin Fenja Gengelazky. Doch jetzt liege es an den Menschen, die sich der Herausforderung annehmen müssen und umdenken wollen, bekräftigt Lena Middendorf.



Mehr Infos zum Thema sollen künftig unter www.eutin-2016.de zu finden sein

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