KZ-Gedenkstätte braucht aktive Unterstützung vom Kreis

„Das Land kann über die Bürgerstiftung Anschub leisten, keine Dauerfinanzierung“: Dr. Oliver Grundei, Staatssekretär im Kulturministerium und Vorsitzende des Trägervereins Dr. Ingaburgh Klatt sprachen über die Finanzierung einer hauptamtlichen Stelle.
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„Das Land kann über die Bürgerstiftung Anschub leisten, keine Dauerfinanzierung“: Dr. Oliver Grundei, Staatssekretär im Kulturministerium und Vorsitzende des Trägervereins Dr. Ingaburgh Klatt sprachen über die Finanzierung einer hauptamtlichen Stelle.

shz.de von
15. Januar 2018, 00:14 Uhr

. Zeitzeugen versterben, junge Menschen haben andere Lebensentwürfe: Wie lässt sich die Zukunft der KZ-Gedenkstätte Ahrensbök, die bisher ehrenamtlich betreut wird, nachhaltig sichern? Mit dieser Frage und Lösungsansätzen befasste sich eine Regionalkonferenz mit Vertretern von Kommune, Kreis, Land und Trägervereinen in dreistündiger Diskussion. Fazit: Mittels einer halben hauptamtlichen Stelle ließe sich die pädagogische Arbeit als außerschulischer Lernort professionalisieren. Dr. Ingaburgh Klatt, Vorsitzende des Trägervereins, hat dafür einen Antrag zur Finanzierung bei der Bürgerstiftung Schleswig-Holsteinische Gedenkstätten gestellt.

Zur Einführung erläuterte Dr. Thomas Lutz von der Stiftung „Topographie des Terrors“ (Berlin) die Bedeutung regionaler Gedenkstätten als außerschulischer Lernort. Problem seien der immer größer werdende zeitliche Abstand zum Ende des NS-Terrors, verbunden mit abnehmender Zahl von Zeitzeugen und zunehmender Differenzierung von Besuchergruppen. Eine halbe Stelle zu schaffen sei großartig. Man müsse kreative Formen finden, um das Engagement nachfolgender Generationen zu nutzen.

„Ich gehe ganz beglückt aus dieser Veranstaltung“, resümierte Klatt nach einem Podiumsgespräch mit Harald Werner (CDU), Vorsitzender des Kuratoriums der Kulturstiftung des Kreises Ostholstein, den Landtagsabgeordneten Marlies Fritzen (Grüne) und Sandra Redmann (SPD) sowie Moderatorin Uta Körby, Vorsitzende der Landesarbeitsgemeinschaft (LAG) Gedenkstätten und Erinnerungsorte in Schleswig-Holstein. Professor Gerhard Fouquet, Vorsitzender der Bürgerstiftung (BG) Schleswig-Holsteinische Gedenkstätten, Dr. Oliver Grundei, Staatssekretär im Kulturministerium und Ahrensböks Bürgermeister Andreas Zimmermann gaben Einblicke in Strukturen, den rechtlichen Rahmen und Personalbedarf, wolle man langfristig das Material bewahren und die ehrenamtliche Arbeit unterstützen. Man begrüße Bestrebungen, Gedenkstätten besser abzusichern, das Land könne über die BG einen Anschub leisten, aber keine Dauerfinanzierung, verdeutlichten Grundei und sein Referatsleiter Gert Haack. Sie möchten auch Kreis und Kommune in der Pflicht sehen. Laut Fouquet habe die BG, die seit 2005 auf Antrag Projekte fördert, damit begonnen, für die Professionalisierung die Förderpolitik umzustellen. Ein Kontraktmodell soll eine jährliche Summe für Personal garantieren.

Bisher finanziert sich der Verein aus Spenden und Mitgliedsbeiträgen und bekommt vom Kreis 600 Euro jährlich. „Die Vorträge heute haben mir bewusst gemacht, wie wichtig die Institution ist. Ich nehme als Auftrag mit, im Kreis zu besprechen, wie wir Sie weiter unterstützen können“, erklärte Harald Werner sichtlich beeindruckt und nahm von Klatt einen Brief entgegen. Darin formuliert die Vorsitzende ihre Bitte um einen Zuschuss seitens des Kreises von 5000 Euro für 2018. 25 000 Euro habe sie für dieses Jahr von der BG zugesagt bekommen. Die Stiftung sei auf Antrag bereit, weitere 16 000 Euro zu geben, wenn der Kreis Ostholstein sich mit 5000 Euro beteiligt. „Damit könnten wir zumindest für dieses Jahr eine halbe Stelle finanzieren“, machte Klatt keinen Hehl daraus, dass sie sich eine langfristige hauptamtliche Unterstützung im pädagogischen Bereich wünscht. „Es geht darum, dass wir auf Dauer entlastet werden, wir sind alle über 70.“ Dann ließen sich auch Öffnungszeiten und Öffentlichkeitsarbeit erweitern.


www.gedenkstaetteahrensboek.de

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