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Ostholsteiner Anzeiger

13. Dezember 2017 | 08:42 Uhr

Eutin : Kunst in Folie und Pappkarton

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

Ausstellungswechsel im Ostholstein-Museum. Der Ostholsteiner Anzeiger zeigt, wie die Kunst von und nach Eutin auf Reisen geht.

shz.de von
erstellt am 18.Aug.2015 | 13:27 Uhr

„Dürfte ich mir mal Ihr Bild ausleihen?“ – Während diese Frage im privaten Umfeld eher auf Unverständnis oder gar Irritation stößt, ist sie in Kunstkreisen nicht ungewöhnlich. Im Gegenteil. Nur so kommen beispielsweise Sonderausstellungen zustande. Wie im Ostholstein-Museum.

„Marlene, Grace & Marilyn“ – Fotografien von Milton H. Greene und die 50 grafische Arbeiten des Worpsweder Malers Johann Heinrich Vogeler wären nicht in Eutin zu sehen gewesen, hätte nicht Museumsleiterin Dr. Julia Hümme kurzerhand gefragt, ob die Werke hier ausgestellt werden können.

„Ich sehe das als Gemeinschaftsprojekt“, sagt Hümme, die gemeinsam mit den Künstlern, deren Familie oder einem Verantwortlichen für die Sammlung die Auswahl unter einem bestimmten Gesichtspunkt trifft. Und nicht selten kommt es vor, dass Hümme die Werke persönlich abholt.

Spezialspeditionen kommen nur bei größeren Entfernungen zum Einsatz, so Hümme. Denn der Transport könne – je nach Distanz – einen vierstelligen Betrag kosten.

So oder so: Die Kunst wird gut verpackt. Und gut versichert. „Von Nagel zu Nagel“, sagt Hümme.

Trotz der Absicherung: Wie rohe Eier behandelt das Museums-Team die Leihgaben. Gestern wurde das Obergeschoss des Ostholstein-Museums zur Packstation. Silke Kaven-Sankewitz wickelte die Vogeler-Grafiken in Luftpolsterfolien, während Kollegin Alice Maas einige Werke aus den Museumseigenen Rahmen nahm und in Transport-Boxen legte. Denn nicht alle Bilder kommen gerahmt ins Museum. Verpackt wird lieber etwas mehr als zu wenig, sagt Kaven-Sankewitz. Doch die Mühen scheinen sich zu lohnen, denn das Ostholstein-Museum habe sich den guten Ruf in der Kunst-Szene erarbeitet, dass Exponate hier gut aufgehoben seien.

Manche Stücke reisen
sogar exklusiver und nicht in schnöder Knisterfolie oder Karton, sondern in klimatisierten Kisten, weiß Maas zu berichten. Denn Papier, Leinwand und Co. reagieren oftmals allergisch gegen Temperatur- und Feuchtigkeitsschwankungen.

Der Abbau ist aber mehr als nur einfach Bilder abhängen: Haken müssen aus der Wand entfernt, die Löcher wieder geschlossen werden. Stellwände wandern wieder ins Depot, Vitrinen ebenfalls.

Mit einem lachenden und einem weinenden Auge sieht Julia Hümme den Ausstellungswechsel. Zum einen seien die Ausstellungsstücke ihr ans Herz gewachsen, zum anderen aber herrsche auch Vorfreude vor. Wenn heute eine Spedition das Verpackte abholt, bringt der Lkw gleich neue Exponate mit. Denn am 30. August startet „Nur wer die Form beherrscht, kann mit ihr spielen“. Die Themen-Jahresausstellung des Berufsverbandes Angewandte Kunst kommt aber auch auf anderen Wegen nach Eutin – klassisch im Paket per Post. In einem Nebenraum lagern bereits seit einigen Tagen Exponate aus ganz Europa. „Das Auspacken wird wie Weihnachten“, sagt Julia Hümme. Viele Werke haben in natura eine andere Wirkung als auf einem Foto in einem Katalog oder als Anhang einer E-Mail. Aber nicht immer stimmt der erste Eindruck fröhlich. „Manchmal bin ich beim Auspacken skeptisch, ob die Bilder wirklich schön sind“, sagt Alice Maas und ergänzt: „Doch meist mit Beleuchtung und neben anderen Bildern sehen sie nachher im Gesamtzusammenhang toll aus“, sagt die Museumsmitarbeiterin.

„Das Stellen macht am meisten Spaß“, sagt Julia Hümme und meint das Zurechtlegen der Kunstwerke an ihren späteren Ausstellungsorten im Museum. Vielfach seien die Künstler selbst vor Ort und man könne sehen, dass diese oftmals ganz anders mit ihren Werken umgehen als das vorsichtige Museums-Team – nämlich weitaus ruppiger, sagt Hümme.

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