Eutin : Kulturbund fürchtet leere Ränge

Die Kulturbund-Vorstandsmitglieder Erika Hofmann und Matthias Schiffer befürchten, dass sie bei Aufführungen bald allein im Binchen-Kino sitzen.  Foto: Käfer
Die Kulturbund-Vorstandsmitglieder Erika Hofmann und Matthias Schiffer befürchten, dass sie bei Aufführungen bald allein im Binchen-Kino sitzen. Foto: Käfer

Verein will Stadt bitten, einen multifunktionalen Veranstaltungsraum als Ersatz für die Schlossterrassen zu schaffen

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11. Mai 2013, 09:03 Uhr

Eutin | Auch wenn der Kulturbund Eutin den Saal der Schlossterrassen nach über 50 Jahren nicht mehr für seine Stücke nutzen kann, will der Verein den Kopf nicht in den Sand stecken. "Wir wollen an die Stadt herantreten, denn Eutin braucht unbedingt einen multifunktionalen Veranstaltungsraum, wie es ihn in den Schlossterrassen gab", sagte Kulturbund-Vorsitzender Matthias Schiffer. Diese Entscheidung ist das Ergebnis einer Diskussionsrunde, die der Kulturbund mit rund 40 Freunden, Förderern, Mitgliedern und Abonnenten am Dienstagabend im Binchen-Kino führte.

"Wir haben mit den Teilnehmern die Frage erörtert, ob Eutin einen solchen Veranstaltungsraum überhaupt benötigt", berichtete Schiffer. Zu seiner Erleichterung sei diese Frage einmütig mit einem "Ja" beantwortet worden. Zudem beschloss der Kulturbund, verstärkt Öffentlichkeitsarbeit zu betreiben, um mehr Abonnenten für seine Veranstaltungen zu gewinnen. "Aktuell haben wir 64 Abonnenten, aber als wir noch in den Schlossterrassen aufführen konnten, waren es zwischen 100 und 150", erläuterte Schiffer. Ausschlaggebend für diesen massiven Rückgang ist in seinen Augen der Wegfall des Saals in den Schlossterrassen. Nach der Klärung von baurechtlichen Fragen, wie dem Brandschutz, soll das Binchen ab Herbst als Übergangslösung für Aufführungen dienen.

Trotzdem besteht die Befürchtung, dass vielen traditionellen Theaterliebhabern diese Notlösung nicht reicht. Vorstands-Mitglied Erika Hofmann betont: "Sollten dem Kulturbund weiterhin die Besucher davonlaufen, kann dies existenzgefährdend werden." Um die derzeitige Situation zu überstehen, benötige der Kulturbund finanzielle Mittel und viele Besucher, um zu zeigen, dass der Verein seine Daseinsberechtigung nicht eingebüßt hat.

Um das Binchen als Kleinkunstbühne tauglich zu machen, seien Ausgaben von 10 000 Euro nötig, bestätigt Schiffer. "Entsprechende Beleuchtung und Tontechnik muss angeschafft werden, Brandschutzmaßnahmen müssen umgesetzt werden und eine Künstlergarderobe muss gebaut werden." Daher hält Schiffer eine Benefizveranstaltung für denkbar, um so einen Teil der Summe aufbringen zu können.

Gleichzeitig hob er hervor, dass der grundsätzliche Bedarf für einen Veranstaltungsraum in Eutin definitiv gegeben sei. "Allein im vergangenen Jahr gab es über 60 Veranstaltungen im Schlossterrassen-Saal, die von Musik- und Jugendveranstaltungen über Versammlungen von Unternehmen, Organisationen und Parteien bis zu Aufführungen im Rahmen des Bluesfestes reichten", zählte Schiffer auf. Unterstützung erhielt er von den Teilnehmern der Diskussionsrunde. "Ich halte nichts davon, dass in dem geplanten Hotel ein Veranstaltungsraum entsteht, der dann statt des Schlossterrassen-Saals gemietet werden kann", sagte Karla Knauer-Eberhardt und erntete zustimmendes Nicken. Alexander Grau, Vorsitzender des Theatervereins Mischpoke, fand es gar "unglaublich", dass eine Stadt von der Größe Eutins keinen Veranstaltungsraum besitze.

Bei aller Kritik hatte Schiffer doch noch eine gute Nachricht zu verkünden - und dafür waren ausgerechnet die Stadtvertreter verantwortlich. "Auf der Sitzung des Bauausschusses wurde beschlossen, dass die Stadt auf die fiktive Miete für die Nutzung der Schlossterrassen für 2012 verzichtet." Diese sollte ursprünglich mit den Gewinnen verrechnet werden, die der Kulturbund als Bewirtschafter der Schlossterrassen erzielen wollte. Da der Verein rund 7 500 Euro Verluste machte, sahen die Kommunalpolitiker von der Zahlung in Höhe von 15 000 bis 20 000 Euro ab. "Zudem übernimmt die Stadt die 7500 Euro", ergänzte Schiffer.

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