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Ostholsteiner Anzeiger

22. Oktober 2017 | 18:05 Uhr

Eutin : „Kultur kommt ja von ackern“

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

Der Verein Kulturbund erhielt gestern den Kulturpreis der Stadt Eutin. Die Laudatio hielt der Journalist Hartmut Buhmann.

von
erstellt am 08.Dez.2016 | 11:05 Uhr

„Das Wort Kultur stammt ja von colere aus dem Lateinischen und heißt ,den Boden bearbeiten‘, also ackern. Und geackert haben zu allen Zeiten alle, die beim Kulturbund Veranstaltungen geplant und organisiert haben.“ Teilweise aus eigener Erfahrung schilderte gestern Hartmut Buhmann, was Kultur auch hinter den Kulissen und für die Organisatoren bedeutet: Arbeit.

Der Journalist, der bis zum Eintritt in den Ruhestand vor einem Jahr Redaktionsleiter des Ostholsteiner Anzeigers war, trat gestern überraschend als Laudator für den Kulturbund auf – dem er als Mitglied angehört, zu dessen Vorstand seine Frau Heidi Behrens in den 1990er Jahren gehörte.

Für ihn seien mit dem Kulturbund Erinnerungen an neue Veranstaltungsformen wie eine Filmkunstreihe im Kino, A cappella on tour oder Silvesterfeier im Kino verbunden, „und ein besonderes Erlebnis war, wie Eutins High Society wunderbar irritiert auf den ,Black Rider‘ reagierte“. Er erinnere sich aber auch an unendliches Stühleschleppen in den Schlossterrassen.

Vor rund 50 Teilnehmern der Feierstunde im Rathaus zeichete Buhmann die Anfänge des Vereines von 1946 nach. An dessen Spitze stand zunächst Christian Jenssen, der vor 1945 Wortführer im nazifreundlichen Eutiner Dichterkreis war. Vor allem Konzerte wurden anfangs organisiert, 1962 kamen Theatervorstellungen dazu.

1967 wurde Jenssen in einer Kampfabstimmung vom Buchhändler Frank Hoffmann abgelöst, der gemeinsam mit dem Lehrer Jochen Neumeister neuen Schwung in den Kulturbund brachte. 1976 wurde der Kreisangestellte Peter Hein Vorsitzender. Sein Vorschlag, in den Schlossterrassen die hinteren Sitzreihen durch Podeste zu erhöhen, wurde im Kulturausschuss befürwortet – und ist 40 Jahre später noch nicht verwirklicht.

1991 wurde Markus Föhrweißer Vorsitzender, 1995 Karin Leider, seit 2002 stehen Matthias Schiffer, Dr. Wolfgang Griep und Erika Hofmann an der Spitze, relativ ist Kassenwartin Bärbel Heise.

Die Schlossterrassen seien für den Kulturbund von zentraler Bedeutung gewesen, für einige Jahre habe der Verein sogar die Bewirtschaftung des Gebäudes übernommen, fuhr Buhmann fort. Anschließend habe er mit der Eröffnung des kommunalen Kinos Binchen erneut Bewundernswerts auf die Beine gestellt.

Weil es den Kulturbund gebe, der bis 1982 auch die Volkshochschule organisierte, habe die Stadt kein Kulturamt. Buhmann: „Das ist ein Stück Entbürokratisierung und zugleich ein gutes Beispiel für die bürgerliche Beteiligungskultur“ – und für einen sinnvollen und effektiver Einsatz von öffentlichen Mitteln. Bürgervorsteher Dieter Holst hatte, bevor er gemeinsam mit Bürgermeister Carsten Behnk den Kulturpreis überreichte, daran erinnert, dass der im zweijährigen Rhythmus verliehene Ehrenpreis auf eine Anregung des damaligen Bürgervorstehers Ernst-Joachim Meseck zurückgehe. Das Symbol des Preises ist ein Schmuckstück, gefertigt aus Silber und Gold, eine Miniatur des Eutiner Stadtbuches mit der stilisierten Lilie aus dem Stadtwappen.

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