Malente : „Kulinarische Heimatliteratur“

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Timmdorfer Küchenchef stellt „Das Kochbuch Ostholstein“ vor. Es enthält mehr als 100 Rezepte aus der Region auf 128 Seiten.

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12. Juni 2015, 15:45 Uhr

Rauchig, salzig und süß – die ostholsteinische Küche kitzelt den Gaumen in vielerlei Hinsicht. Kai Schmidt kann ein Lied davon singen – oder besser: Hat ein Buch darüber geschrieben. „Das Kochbuch Ostholstein“ heißt sein Erstlingswerk, das der Koch des „Landgasthofs Kasch“ gestern der Öffentlichkeit präsentierte.

Mehr als 100 Rezepte hat Schmidt aus seinem Fundus für das Buch zusammengestellt. Garniert wird das Ganze mit unterhaltsamen Geschichten und Anekdoten über Land und Leute sowie Kulturelles und Sehenswürdigkeiten aus der Region. Die Texte zu diesem Part steuerte Mit-Autor Justus Strack, die Fotos dessen Frau Isabell bei.

Das Autoren-Trio sei bestrebt gewesen, mit dem Buch eine Lücke zwischen Amateur-Küche und der Profi-Kochkunst zu schließen, so Schmidt. Das Buch gliedert sich in elf Kapitel – von Vorspeisen über Hauptgerichten bis hin zu Süßspeisen und Kuchen. Kostprobe gefällig? Wie wäre es mit Zanderfilet auf Apfellinsen? Oder mit Kaltem Hund?

„Die ostholsteinische Küche hat durch die Flüchtlinge, die im Zuge des Zweiten Weltkriegs in die Region kamen, viele neue Einflüsse erfahren“, sagt Schmidt. Ob Pommern, Ostpreußen und Co. – jeder habe seine Spuren hinterlassen, so Schmidt.

Zum Buch verholfen hat dem Koch der Verlag „Edition Limosa“. Drei Jahre feilte das Autoren-Trio zusammen mit der Buch-Schmiede aus dem Wendland (Niedersachsen) an dem Kochbuch-Projekt. Die Region Ostholstein sei Neuland, sagte Limosa-Geschäftsführer Axel Wittmer-Eigenbrodt, der bereits 140 regionale Kochbücher verlegt hat.

Auf Kai Schmidt ist der Verlag auf der Grünen Woche in Berlin aufmerksam geworden. Mit der Erzeugergemeinschaft „Genussregion Holsteinische Schweiz“ war Schmidt dort zu Gast. Bis der Timmdorfer Koch jedoch dem Buchprojekt zustimmte, seien mehrere Anläufe nötig gewesen. Schließlich war es das erste Buch, an dem Schmidt gearbeitet hat. „Das war ein Lernprozess“, sagt der Küchenchef, der alle Rezepte nochmals ausgiebig testete. Wie das, mit dem man schnell einen Blätterteig zaubern kann. „Ich hatte gar nicht geglaubt, dass das wirklich so schnell geht“, sagt Schmidt, dessen Mutter und Schwiegermutter ebenfalls mit Anregungen und Tipps zur Seite stand. Insofern verwundert es nicht, dass sich Familienrezepte – wie der „Hechtkopfsalat von Oma Lotti“ und der Schmidt’sche Butterkuchen – in dem Buch wiederfinden.

Aber nicht nur Gaumenkitzler stehen auf den 128 Seiten: Ein Kapitel widmet sich den Hausmitteln – gegen Grippe, Schlaflosigkeit oder auch Hustenreiz. So erfährt der Leser dann beispielsweise, wie sich eigene Hustenbonbons herstellen lassen. Doch das Buch will mehr sein als eine Sammlung von Rezepten: „Das Buch ist kulinarische Heimatliteratur“, sagt Verleger Wittmer-Eigenbrodt. Es stelle Land, Leute und Gebräuche dar. Es sei somit mehr ein Heimat- als ein Kochbuch.

Auch Malentes Bürgermeister Michael Koch ließ es sich nicht nehmen, gestern einen ersten Blick in das neue Buch zu werfen. „In der Tat ist das mehr als ein Allerweltskochbuch. Ich würde fast sagen, das ist ein Kulturkochbuch“, lobte Koch gestern das Werk der drei Autoren. Es sei ein Beitrag, die Region nach außen hin zu präsentieren.

Was jetzt noch fehlt, sei ein Kochkursus auf Basis des Buches, sagte Koch. Schmidt war von Kochs Idee angetan – „ab Sommer nächsten Jahres hätte ich viel Zeit“, ergänzte der scheidende Bürgermeister augenzwinkernd.


„Das Kochbuch Ostholstein“ von Kai Schmidt, Justus Strack, Isabell Strack. 128 Seiten, Hardcover, ISBN 978-3-86037-585-3, Preis: 14,90 Euro.

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