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Ostholsteiner Anzeiger

13. Dezember 2017 | 03:13 Uhr

Künstler plant Flüchtlingsprojekt

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

Jörg Kaminski will Menschen unterbewusst erreichen / Umsetzung stößt auf Schwierigkeiten / Wirtschaft und Stadt sind grundsätzlich offen

shz.de von
erstellt am 11.Nov.2015 | 16:46 Uhr

Als Künstler betrachtet er Alltägliches aus einer anderen Perspektive – er reizt gern, er fordert gern heraus und er baut auf seine Kunst, die unterbewusst wirken soll – wie Werbung: Als Jörg Kaminski (62, Foto) zum ersten Mal die Augen der Eritreer sah, um die er sich seit Sommer als Pate kümmert, war er beeindruckt. „Ich dachte, ich kann hier nicht weg, ohne kreativ zu werden.“

Nach zig Gesprächen und Treffen fragte er die jungen Männer, ob er sie fotografieren könne für ein Kunstprojekt – einige willigten ein, andere hatten Angst. Es entstanden Porträts und Bilder mit denen Kaminski begann „zu spielen“, wie er selbst sagt. „Die Flüchtlinge sind Teil unserer Gesellschaft. Früher kannten wir die Bilder nur aus dem Fernsehen, jetzt erleben wir sie vor unserer Haustür. Dafür müssen wir Gesellschaft sensibilisieren, sonst droht die Stimmung vielerorts zu kippen, zu eskalieren.“ Kaminski will durch großformatige Porträts mit deutschen und arabischen Schriftzeichen die Betrachter der Bilder zum Nachdenken anregen, mit der Situation, die nicht geändert werden könne, konfrontieren. Eine Bilderausstellung der entstandenen Werke wäre Kaminski zu wenig. „Kunst muss aus den Räumen heraus, um Konfrontation zu erzeugen.“ Seine Idealvorstellung: Die entstanden Porträts in Schaufenstern und auf Fassaden mit Folien kleben, „die Strukturen nutzen, die es gibt, um beides miteinander verschmelzen zu lassen.“ Kaminski baut dabei langfristig auf funktionierende Werbestrategien. „An Naomi Campbell im Großformat oder anderen Modells gehen wir auch vorbei und nehmen es unterbewusst war. Naomi steht für Chanel. Und genauso normal sollten die Flüchtlinge für uns werden. Ich möchte gern Ängste abbauen, die entstehen, weil Menschen Kontakte meiden“, sagt Kaminski. Sie in die Mitte der Gesellschaft, in die Innenstadt Eutins zu holen, wäre sein Ziel.

Bleibt die Finanzierungsfrage. Investitionsbanken seien angefragt, die WVE habe grundsätzliches Interesse signalisiert. Jetzt stellte Kaminski sein Projekt im jüngsten Sozialausschuss vor, um Unterstützung der Stadt zu bekommen. Der Konsens im Ausschuss war positiv, aber Zahlen müssen her, wenn über Summen entschieden werden soll. Kaminski aber brauche Flächen, um Zahlen angeben zu können. Spezielle Folien kosten zwischen 30 und 80 Euro pro Quadratmeter. Stadtmanagerin Kerstin Stein-Schmidt bezeichnet das Projekt als „spannend und ambitioniert“. Ausschussvorsitzender Hanjo Iwanowitsch: „Ich würde mich freuen, wenn wir das umsetzen könnten.“

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