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DRK-Fahrdienst : „Kündigungen sind Ausnahmen“

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

Rechtsanwalt Clausen sagt: Der DRK-Behindertenfahrdienst könnte auch ehrenamtlich organisiert werden. Die Bedingungen für die Fahrer sollen trotzdem in Zusammenarbeit mit dem Landesverband verbessert werden.

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erstellt am 07.Sep.2013 | 04:00 Uhr

Beim DRK sind Kündigungen eher die Ausnahme. Mit diesen Worten reagierte Geschäftsführer Martin Broziat auf die Vorwürfe der ehemaligen DRK-Fahrer Lutz Schernikau (Neustadt) und Volker Evers (Eutin) im OHA. Er – Broziat – sei seit zwei Jahren beim DRK-Kreisverband Ostholstein als Chef von 400 Mitarbeitern tätig und habe bisher „überwiegend Einstellungen vorgenommen“.

Zum Pressegespräch hatte Broziat gestern die DRK-Fahrer Susanne Metzeder, Harry Lohrke und Reinhard Meeß mit ihrer Fahrdienstleiterin Kerstin Siebrecht sowie den in DRK-Fragen zuständigen Rechtsanwalt Hans-Jürgen Clausen mitgebracht. Zu konkreten Fällen wollten sie zunächst keine Angaben machen. Broziat: „So etwas trägt man nicht rufschädigend über die Presse aus.“

Der DRK-Fahrdienst gGmbh gehörten derzeit 54 Mitarbeiter an, die mit 41 Fahrzeugen täglich auch 41 Touren machten. In einer Mitarbeiterversammlung am Mittwoch hatte Broziat „keinen großen Handlungsbedarf“ festgestellt. Um jedoch „dieses und jenes“ zu verbessern, komme der DRK-Landesverband ins Spiel. „Wir werden gemeinsam Lösungen finden und die Bedingungen verbessern“, zeigte sich Clausen zuversichtlich.

Die beiden entlassenen DRK-Fahrer hatten berichtet, dass sie zu den gegen sie schriftlich erhobenen Vorwürfen überhaupt nicht gehört worden seien. Broziat betonte, er erwarte von seinen Mitarbeitern Loyalität. Hier werde Menschen geholfen. Das erfordere besonderen Anspruch, Menschlichkeit und Respekt. Die beiden Mitarbeiter hätten jede Menge Gelegenheit zu Gesprächen gehabt, sagte Clausen. Doch: wenn die Beweislage erdrückend sei, dann werde auch die sofortige Kündigung ausgesprochen.

Die Vereinigte Dienstleistungsgewerkschaft (verdi) hatte in einer Pressemitteilung kritisiert, dass die Löhne des DRK-Fahrdienstes nicht angemessen und sogar „sittenwidrig“ seien. Zwischen 11 und 12 Euro Stundenlohn seien in der Transportbranche üblich, so Gewerkschaftssekretärin Michelle Hardege, und sie forderte einen Mindestlohn von 8,50 Euro. „Wenn es zu einer solchen gesetzlichen Neuregelung kommen sollte, dann müssen wir neu verhandeln“, stellte Clausen gestern im Pressegespräch fest.

Kaum ein gutes Haar an der Gewerkschaft ließ Kerstin Siebrecht, von 2000 bis 2010 DRK-Betriebsratsvorsitzende. Kontakt zu verdi habe es in dieser Zeit kaum gegeben. „Wir haben auch keine Unterstützung von verdi bekommen“, kritisierte sie. Und dass sich die Gewerkschaft jetzt melde, könne sie überhaupt nicht nachvollziehen. Nach OHA-Informationen hatte sich Lutz Schernikau rechtlichen Beistand bei verdi in Lübeck geholt.

„Nicht den Ansatz von Sittenwidrigkeit“ sieht Clausen und wundert sich über „starke Worte“ von verdi. Der Fahrdienst habe nichts von den geringen Löhnen, es würden keine wesentlichen Gewinne erwirtschaftet. „Das DRK steckt sich kein Geld auf Kosten der Fahrer in die Tasche.“ Beschäftigt seien fast ausschließlich Fahrer, die die Tätigkeit als Zuverdienst sähen. Clausen: „Es wäre auch eine ehrenamtliche Verrichtung der Fahrten möglich.“

Lutz Schernikau hatte im OHA beklagt, dass er als Fahrer bei epileptischen Anfällen, Unterzuckerungen oder anderen Problemen wie Streitereien unter seinen Fahrgästen sofort eingreifen müsse. Es gebe auch manche soziale Probleme, die während der Fahrt unter Tränen besprochen würden.

„Dafür werden unsere Fahrer alle zwei Jahre in erster Hilfe ausgebildet“, wiegelte Kerstin Siebrecht ab und fügte hinzu: „Fahrer müssen bei uns auch keine Putzmittel oder Bürsten zur Reinigung der DRK-Busse kaufen.“ Wenn sie das Geld auslegten, dann werde es erstattet. Allerdings widersprach sie nicht, dass die Fahrer außerhalb ihrer Arbeitszeit die Wagenpflege und Werkstattbesuche vornehmen müssen.

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