Eutiner Festspiele : Kritischer Nachhall des Gewitters

<p>Da halfen, wie hier bei einer Vorstellung aus den vergangenen Jahren, auch keine Regencapes: Angesichts eines Gewitters ließen die Festspiele die Bühne am Donnerstag räumen. </p>

Da halfen, wie hier bei einer Vorstellung aus den vergangenen Jahren, auch keine Regencapes: Angesichts eines Gewitters ließen die Festspiele die Bühne am Donnerstag räumen.

Haben die Eutiner Festspiele die Tribüne bei „My Fair Lady“ zu spät geräumt? Geschäftsführer Falk Herzog weist diesen Vorwurf zurück.

shz.de von
10. August 2018, 18:53 Uhr

Die Eutiner Festspiele haben den Vorwurf zurückgewiesen, die Vorstellung von „My Fair Lady“ am vergangenen Donnerstag ab 19 Uhr angesichts des heraufziehenden Gewitters zu spät abgebrochen zu haben. „Die Räumung der Tribüne erfolgte rechtzeitig“, erklärte Geschäftsführer Falk Herzog. Sie habe nach Einschätzung der Festspielleitung und auch der anwesenden Feuerwehr gut funktioniert.

Mark Andre Marquardt hat das offenbar anders wahrgenommen: „Die Veranstaltung wurde meines Erachtens viel zu spät abgebrochen“, heißt es in einem Schreiben, das der Eutiner an die Festspiele gesandt hat und dem „Ostholsteiner Anzeiger“ vorliegt. Durch Warnungen des Deutschen Wetterdienstes und durch die Berichterstattung in den Medien sei die Unwettergefahr hinlänglich bekannt gewesen. „Allerdings entschied man sich erst zum Räumen des Zuschauerbereichs, als sich das Gewitter bereits direkt über Eutin befand“, kritisiert Marquardt. Zu diesem Zeitpunkt hätten sich etwa 1800 Menschen auf der Tribüne befunden. Besucher mit körperlichen Einschränkungen seien besonders gefährdet worden.

Angesichts der Gefahr eines Blitzeinschlags sei die Gesundheit der Besucher aufs Spiel gesetzt worden, bemängelt Marquardt. Die Gefahr sei durchaus gegeben gewesen, denn die Technik habe durch einen Blitzschlag Schaden genommen, wie er durch eine Aussage der Leiterin der Pressestelle (Ulrike Horstmann, d. Red.) erfahren habe. Außerdem habe die Polizei eingegriffen, um Menschen von umstehenden Bäumen fernzuhalten. In unmittelbarer Nähe sei es zu einem Feuerwehreinsatz gekommen, „weil ein Teil eines Baumes auf den Kreisverkehr gestürzt war“.

Die Entscheidung zur Räumung der Tribüne hätten die Festspiele nach Rücksprache mit der Feuerwehr um 20.22 Uhr getroffen, hält Herzog der Kritik in seiner Antwort entgegen, die dem OHA ebenfalls vorliegt. Dabei sei die unmittelbar bevorstehende Pause genutzt worden, um eine „geordnete“ Räumung der Tribüne zu ermöglichen. Das habe Intendantin Dominique Caron per Durchsage von der Bühne aus dem Publikum mitgeteilt. Die Künstler hätten es bis dahin abgelehnt, wegen des einsetzenden Regens Capes anzulegen. Der Regen habe auch nur vereinzelt Zuschauer veranlasst, die Vorstellung zu verlassen, verdeutlichte Herzog die Situation.

Laut Feuerwehr sei in Eutin der erste unwetterbedingte Einsatz um 20.39 Uhr gemeldet worden. Der Einsatz am Kreisel der Oldenburger Landstraße sei um 20.50 Uhr gemeldet worden. „Dass das Gewitter bereits bei der Räumung der Tribüne über Eutin war, können wir auch anhand der Einsatzzeiten der Feuerwehr nicht nachvollziehen“, stellte Herzog klar. Die Tribüne sei um 20.35 Uhr geräumt gewesen.

Von einem Polizeieinsatz auf dem Festspielgelände sei den Festspielen und auf Nachfrage auch der Polizei selbst nichts bekannt, erklärte Herzog weiter. „Vor Ort war lediglich die Feuerwehr Eutin, die bei jeder Veranstaltung aus Sicherheitsgründen vor Ort ist.“ Die angebliche Aussage über einen Blitzschlag, durch den die Technik Schaden genommen habe, lasse sich ebenfalls nicht nachvollziehen. Herzog: „Dies ist nicht der Fall, eine entsprechende Erklärung hierzu gibt und gab es nicht.“

Da eine Erstattung des Ticket-Preises erst dann fällig wird, wenn die Vorführung vor der Pause abgebrochen wird, liegt für Marquardt der Verdacht nahe, dass der Abbruch bis zur Pause hinausgezögert worden sei, um Erstattungsansprüche zu vermeiden. Er spricht wörtlich von einem „unguten Gefühl“, das ihn beschleiche. Diesen Vorwurf könne er nur zurückweisen, erklärte Herzog. Grundsätzlich werde ein Veranstaltungsabbruch zum Schutz der Gäste und des Ensembles terminiert, nicht aus wirtschaftlichen Gesichtspunkten.

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen