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Ostholsteiner Anzeiger

23. Oktober 2017 | 07:06 Uhr

Eutin : Krimi-Stimmung bei Seerundfahrt

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

Thriller-Autor Sebastian Fitzek stellte sein neues Buch vor / Thema: Passagiere verschwinden von Kreuzfahrtschiffen – war es Mord?

von
erstellt am 07.Nov.2014 | 15:50 Uhr

Hell leuchtete der Vollmond am Himmel, während weiße Nebelschwaden über den Großen Eutiner See zogen. Die Stimmung an Bord der MS „Freischütz“ war am Donnerstagabend schon ein wenig gruselig – genau passend zur Lesung des Thriller-Autors Sebastian Fitzek.

In seinem gerade erschienenem Buch „Passagier 23“ geht es um Schiffe. Genauer gesagt, um Menschen, die von Kreuzfahrtschiffen verschwinden. Und manchmal unter unerklärlichen Umständen wieder auftauchen.

Bereits vor fünf Jahren war Fitzek während seiner Lesetour in Eutin zu Gast. Ein Termin, der anscheinend nicht nur den Zuhörern gefiel: Der Vorschlag für eine weitere Lesung in Eutin kam vom Verlag. „Wir hätten uns gar nicht mehr getraut, für eine Lesung anzufragen“, berichtete Buchhändler Jan Hoffmann. Denn inzwischen kommen zu Lesungen des Bestsellerautors manchmal schon über 1000 Leute.

Ganz so viele waren es in Eutin nicht. An Bord der „Freischütz“ hatten nur 65 Gäste Platz. Und die mussten schnell sein: Knapp eine Woche nach der ersten Ankündigung der Lesung waren alle Karten verkauft.

Für diejenigen, die glücklich eine Karte ergattert hatten, hatte Fitzek gleich ein paar Ratschläge parat. Auch für den Fall, dass seine Zuhörer selbst einen Karriere als Autor anstreben sollten. Fitzeks Tipp: In einer Buchhandlung das eigene Werk suchen und unauffällig in Augenhöhe auf das Bestsellerregal schmuggeln. Sollte es im Laden nur einige Exemplare geben, schnell noch ein mitgebrachtes Buch dazustellen. „Man sollte sich nur nicht vom Kaufhausdetektiv überraschen lassen, das könnte zu Erklärungsnöten führen.“ Auch für eventuelle Mordgelüste wusste Fitzek Rat: Laut Gerichtsmediziner Michael Tsokos, mit dem zusammen er einen Krimi veröffentlicht hat, ist ein Kreuzfahrtschiff der richtige Ort für das perfekte Verbrechen. Wo könne man einfacher eine Leiche verschwinden lassen als im offenen Meer?

Auf Kreuzfahrten gehen anscheinend erstaunlich viele Menschen vorzeitig von (über) Bord. „Die Reedereien sprechen dann meist von Suiziden“, berichtete Fitzek und verwies auf einen entsprechenden Zeitschriftenartikel aus dem Jahr 2005. Dieser Artikel habe ihn zu seinem neuen Buch inspiriert.

Denn was, wenn es sich in Wahrheit um Morde an Bord handele? Bis zur Umsetzung dieser Idee aber vergingen noch einige Jahre. „Ich hatte bereits zwei Bücher über verschwundene Menschen geschrieben“, erklärte Fitzek. Daher sollte es im dritten Buch nicht schon wieder darum gehen. „Also dachte ich mir: Warum schreibe ich nicht über eine Person, die wieder auftaucht?“

Dabei war es Fitzek wichtig zu betonen, dass er nichts gegen Kreuzfahrten habe. „Ich habe ja auch nichts gegen meine Heimatstadt Berlin und bevölkere sie trotzdem mit Augensammlern und Seelenbrechern.“ Der Grund sei ganz einfach, dass er ein „Weichei“ sei, das sich an Bord von Kreuzfahrtschiffen nicht wirklich wohl fühle. „Ich habe an Bord von Schiffen immer Kaugummis gegen Reiseübelkeit dabei. Sogar jetzt“, gab er auf der „Freischütz“ zu.

Überhaupt beschreibe er in seinen Büchern immer Situationen, die ihm selber Angst machten. „Vor Spinnen etwa habe ich keine Angst, deshalb wird es von mir wohl kein Buch mit Spinnen geben“, sagte er und ließ sich auch von der wenige Zentimeter über seinem Kopf krabbelnde Kreuzspinne nicht aus der Ruhe bringen. Im Gegensatz zu mancher Zuhörerin in der ersten Reihe.

Nach 90 Minuten endete die Lesefahrt der MS „Freischütz“. So weit bisher bekannt, wurde anschließend kein Passagier vermisst.

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