zur Navigation springen

Sana-Klinik in Eutin : Kreistag krisitiert Sana-Chef Klaus Abel heftig

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

Einstimmige Feststellung aller Kreistagsabgeordneten: Sana-Geschäftsführer Klaus Abel habe das Vertrauen nachhaltig verspielt.

von
erstellt am 06.Dez.2017 | 04:00 Uhr

Eine glatte Note Sechs stellte der Kreistag Ostholstein gestern in einer Resolution dem Geschäftsführer der Sana-Kliniken aus: In dem einstimmig verabschiedeten Text werden Klaus Abel „gravierende Defizite bei der Wahrnehmung der Führungsverantwortung“ vorgeworfen. Und die Sana wird mit Nachdruck aufgefordert, strukturelle Mängel unverzüglich zu beseitigen sowie den Versorgungsauftrag entsprechend dem Krankenhausplan des Landes sicherzustellen. Damit ist vor allem eine Notfallversorgung mit Operationen in Oldenburg rund um die Uhr gemeint.

Während die Forderungen an den Krankenhausträger von allen Abgeordneten mitgetragen wurden, zeigte sich der Kreistag in der gut einstündigen Diskussion zum Thema Sana in einem Punkt gespalten. Den Antrag der SPD, eine Rekommunalisierung – also eine Übernahme der Krankenhäuser durch den Kreis – zu prüfen, unterstützten nur die Freien Wähler, die beiden Ufoh-Abgeordneten und eine Grünen-Vertreterin. Diesen 24 Stimmen standen 31 Stimmen von CDU, FDP und Grünen entgegen. Deren Haltung: Die Sana-Kliniken habe ihren Willen zur Fortsetzung des Versorgungsauftrages bekundet: Deshalb bestehe zurzeit kein Anlass für eine Debatte über Rekommunalisierung.

In der Resolution wird Sorge geäußert, dass Mitarbeiter wegen Mängeln in der Arbeitsorganisation öffentlich um Hilfe gerufen hätten, dies sei ein „höchst alarmierendes Zeichen“. Vor diesem Hintergrund wird die Geschäftsführung aufgefordert, die Anliegen der Beschäftigten ernst zu nehmen und mit ihnen Lösungen zu entwickeln. Zu diesen Lösungen gehöre eine 24-stündige chirurgische Notfallversorgung in Oldenburg.

Mit Blick auf die Gebäudemängel in Eutin (Stichwort Wasserschäden) fordert der Kreistag eine seriöse Berechnung, ob sich eine Sanierung lohne oder ein Neubau rechne. Der Gesundheitsminister des Landes wird gebeten, ein zukunftsfähiges Konzept für die stationäre Regel- und Schwerpunktversorgung mit externer Unterstützung zu entwickeln und dieses in einer regionalen Gesundheitskonferenz zu erörtern.

Sehr deutlich wird der Kreistag in der Resolution in Richtung Sana-Geschäftsführer Klaus Abel: An ihn gerichtete Appelle zu einer konstruktiven und vertrauensvollen Zusammenarbeit mit dem Kreistag seien wirkungslos geblieben. Aufgrund der aktuellen Entwicklungen bestehe keine Zuversicht, „dass zerstörtes Vertrauen und persönliche Glaubwürdigkeit des Geschäftsführers absehbar wiederhergestellt werden können.“

Die kompromisslose Einschätzung teilten Vertreter verschiedener Fraktionen: „Dass der Geschäftsführer hier im Kreistag das Vertrauen verspielt hat, darin sind wir uns doch wohl alle einig“, sagte Timo Gaarz (CDU), während Burkhard Klinke (SPD) die Frage stellte, ob „...Herr Abel als Geschäftsführer überhaupt noch für die Sana tragbar ist?“

Klinke plädierte für eine Rekommunalisierung der privatisierten Krankenhäuser, damit die Gesundheitsversorgung nicht mehr den Interessen wirtschaftlichen Profits untergeordnet werde. Malte Tech (FWG) und Martin Kienitz (Ufoh) plädierten ebenfalls für eine Übernahme der Kliniken durch die öffentliche Hand. Selbst Dr. Joachim Rinke (FDP) schloss Überlegungen zur Rekommunalisierung nicht grundsätzlich aus.

Davor warnten Stimmen aus der CDU: Die 2003 privatisierten Kreiskrankenhäuser seien in einem katastrophalen Zustand gewesen, betonte Alexander Schmuck (CDU), und er sei überzeugt, dass ohne Privatisierung nicht alle Klinikstandorte erhalten worden wären. Schmuck verwies zugleich auf Probleme von kreiseigenen Krankenhäusern an der Westküste.

Monika Obieray (Grüne) erinnerte an steigende Kosten der modernen Medizin. Es müsse politisch entschieden werden, welcher Grad an Krankenhausversorgung in der Fläche gewollt sei. Angesichts aktueller Strategien von Kostenträgern gegen wachsende Krankenhauskosten sei sogar, wie sie fürchte, eine Diskussion über Eutin als Krankenhausstandort denkbar: „Ein Albtraum“, warnte die Grünen-Fraktionsvorsitzende.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Die Kommentare wurden für diesen Artikel deaktiviert