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Kreisbibliothek bietet ungezwungenes Deutsch-Lernen – auch für Kinder

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

shz.de von
erstellt am 12.Jan.2016 | 12:29 Uhr

Sie weiß, was es heißt, in einem fremden Land neu anzufangen: Dolgorsuren Chimeddorj (32) kam vor fast zehn Jahren als Germanistik-Studentin aus der Mongolei nach Deutschland. Heute bietet sie für alle Flüchtlinge, die wollen, in ungezwungener Kaffee-Atmosphäre einfachen Deutschunterricht für Flüchtlinge in der Kreisbibliothek (KB) an.

„Eigentlich wollte ich damals nur meine Sprachkenntnisse etwas aufbessern, aber dann habe ich meinen Mann an der Uni kennengelernt.“ Sie studierte interkulturelles Bibliothekswesen und entwickelte aus ihrer Bachelorarbeit heraus ein Konzept, das es mittlerweile in größeren Städten schon gibt: Menschen, die in Bibliotheken zusammen kommen und ungezwungen kommunizieren, um so die Landessprache lernen. Sie selbst pendelt täglich von Lübeck zur Arbeit, sieht so viele Menschen verschiedenster Nationen. „Die Sprache ist einfach das Wichtigste, wenn man sich unterhalten und vernetzen will“, sagt Dolgorsuren Chimeddorj. Sie selbst habe gemerkt, wie sie zu Beginn ihres Studiums in Deutschland in einer Gruppe von Mongolesen nur in ihrer Muttersprache redete, sich ihr Deutsch aber nicht verbesserte. „Deswegen wird in unserer Gesprächsrunde nur Deutsch gesprochen, um die Sprache zu üben. Unterstützt wird sie dabei ehrenamtlich von Rüdiger Lahe (73). „Mir war wichtig, einen Muttersprachler dabei zu haben, denn ich habe immer noch meinen Akzent“, sagt die 32-Jährige. Gelernt wird spielerisch bei Keksen, Kaffee und Tee. Fragen über Flucht, Verfolgung und Krieg werden nur thematisiert, wenn es von den Teilnehmern angesprochen wird. Der Ansturm Ende 2015 war so groß, dass das Angebot von 14-tägig nun auf jede Woche ausgeweitet wird.

Von Anfang an dabei ist eine Familie aus Armenien, junge Männer aus Syrien, Eritrea und Afghanistan kommen auch, aber die Treffen sind nicht verpflichtend. „Für uns ist dieses Angebot gut“, sagt Kayazun Petrosyan. Er bekomme keinen Sprachkurs bei der VHS. Außer zu Hause und freitags in der KB könne er sonst nicht lernen.

Bei der Leiterin der Kreisbibliothek, Beate Sieweke, rannte Chimeddorj mit ihrer Idee des Treffs offene Türen ein. „Wir bieten in Absprache mit der Flüchtlingskoordinatorin sogar Vorlesestunden und eine Strickstunde für die Zuwandererkinder an“, sagt Sieweke.



Wann? Vorlesen für Kinder aus aller Welt: 14. und 28. Januar, 15 bis 16 Uhr; Strick mit erstmals 29.Januar, 15-16.30 Uhr, Gesprächsrunde immer freitags ab 15 Uhr. www.kb-eutin.de

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