Den Beamtenjob ist er los : „Kranker“ Polizist arbeitete auf Aida und verdiente knapp 125.000 Euro nebenbei

Nach dem Prozess: Mit der Faust verabschiedet sich Sven J. von seinem Anwalt Frank-Eckhard Brand.
Nach dem Prozess: Mit der Faust verabschiedet sich Sven J. von seinem Anwalt Frank-Eckhard Brand.

Betrug beim Beamtensold: 42-Jähriger kommt mit Bewährung und Geldstrafe davon

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08. April 2021, 11:21 Uhr

Er war krankgeschrieben, weil er nach einem Dienstunfall angeblich Waffe und Schlagstock nicht mehr richtig ziehen konnte. Die freie Zeit nutzte Polizist Sven J. (42) und fuhr als Sicherheitsoffizier auf Aida-Kreuzfahrtschiffen zur See, verdiente sich so ein zweites Gehalt. Gestern wurde der Fall vor dem Amtsgericht Eutin verhandelt. Die Staatsanwältin warf Sven J. in ihrer Anklage besonders schweren Betrug vor: Weil der Beamte wahrheitswidrig angegeben haben soll, dienstunfähig zu sein, soll er von Juli 2015 bis November 2018 zu Unrecht knapp 125 000 Euro Sold erhalten haben.

Bildgebende Verfahren hätten keine Erklärung für die Beschwerden des Patienten ergeben

Sven J. erzählt von dem Unfall auf der A 1 bei Heiligenhafen, von dem Sprinter-Fahrer, nach dem er durch die geöffnete Fahrertür griff, als der Gas gab, um sich einer Kontrolle zu entziehen. Die Folge: Eine schwere Schulterverletzung. Die Richterin zitiert aus ärztlichen Gutachten: Bildgebende Verfahren hätten keine Erklärung für die Beschwerden des Patienten ergeben. Dann sagt sie: „Es würde ein langwieriges Verfahren werden, wenn wir medizinische Sachverständige hören wollen. Glücklicherweise gibt es einen ganz klaren Sachverhalt: Sie haben ihre Nebentätigkeit nicht korrekt angegeben.“

Seine Dienststelle war die Polizeidirektion für Aus- und Fortbildung in Eutin

Als Sven J. seinen Vertrag bei Aida schon in der Tasche hatte, meldete er bei seiner Dienststelle, der Polizeidirektion für Aus- und Fortbildung in Eutin, einen Nebenjob an: Erarbeitung von Sicherheitskonzepten im maritimen Bereich für verschiedene Reedereien. Acht Stunden pro Woche auf 450-Euro-Basis. Tatsächlich absolvierte Sven J. eine Seetauglichkeitsprüfung, bei der er erklärte, er sei völlig gesund. In den kommenden drei Jahren verdiente er so gut 95 000 Euro.

Ursprünglich war das so geplant mit den Sicherheitskonzepten Sven J., Angeklagter
 

Der Angeklagte druckst herum, behauptet: „Ursprünglich war das so geplant mit den Sicherheitskonzepten.“ Die Richterin zieht die Bewerbung von Sven J. aus den Akten. Darin präsentierte der Polizist der Reederei seine Fähigkeiten, gab an, er sei Experte in Selbstverteidigung und Deeskalationstrainer. Sven J. sagt: „Im persönlichen Gespräch haben mir meine Chefs erklärt, ich könne das alles so machen.“

Sie haben ihren Arbeitgeber beschissen, und wenn ihre Chefs das abgenickt haben, dann haben die ein Problem Richterin am Amtsgericht Eutin
 

Die Richterin erwidert: „Sie haben ihren Arbeitgeber beschissen, und wenn ihre Chefs das abgenickt haben, dann haben die ein Problem.“ Aufgeflogen ist die Sache übrigens nach einer anonymen Anzeige gegen Sven J. – auf eigenen Wunsch schied er dann im Juni 2019 aus dem Polizeidienst aus, ein Disziplinarverfahren gegen ihn wurde daraufhin eingestellt.

Die Richterin will wissen, ob das Land Sold-Rückforderungen gestellt hat

Die Richterin will wissen, ob das Land Sold-Rückforderungen gestellt hat. Der Angeklagte verneint das. Sein Verteidiger erklärt daraufhin, wegen der Fokussierung auf die Nichtanzeige der Nebentätigkeit gehe es nun doch lediglich um die Überzahlung des Beamtensoldes, während sein Mandant an Bord war. Das seien 7835 Euro und 40 Cent.

Das Urteil: Zehn Monate Haft, ausgesetzt für zwei Jahre zur Bewährung

Das Urteil: Zehn Monate Haft, ausgesetzt für zwei Jahre zur Bewährung. Der überzahlte Sold wird eingezogen, außerdem gibt es 1000 Euro Geldstrafe. Zum Angeklagten sagt die Richterin: „Die Bürger erwarten von einem Staatsdiener, dass er sich besonders redlich verhält. Sie haben dem Ansehen des Landes und des öffentlichen Dienstes schwer geschadet.“ Sven J., mittlerweile selbstständiger Geschäftsführer in der Jugendhilfe, hat das Urteil angenommen.

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