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Ostholsteiner Anzeiger

22. Oktober 2017 | 17:35 Uhr

Krankenhäuser stehen unter Druck

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

Ingo Gädechens (CDU) zu Gast in der Sana-Klinik: Themen reichten von der Notfallversorgung bis zum Fachkräftemangel in der Pflege

shz.de von
erstellt am 29.Aug.2017 | 13:32 Uhr

Anforderungen an die Notfallversorgung, der Mangel an Pflegekräften oder der geplante Neubau eines Geriatriezentrums sowie eines Ärztehauses an der Sana-Klinik: Beim Besuch von Ostholsteins Bundestagsabgeordnetem und Kandidaten für die Bundestagswahl am 24. September, Ingo Gädechens, in der Eutiner Sana-Klinik gab es viele Themen.

Besonders am Herzen lag dem Geschäftsführer der Sana-Kliniken Ostholstein, Klaus Abel, die Notfallversorgung. „Die Mindestanforderungen stellen uns im ländlichen Raum schon vor Herausforderungen“, erklärte er mit Blick auf das Haus in Oldenburg. Er verwies auf ein allgemeines Gutachten der Krankenhausgesellschaft, wonach jeder Patient einen Verlust von 100 Euro Verursache. In Oldenburg gebe es jährlich 7000 ambulante Patienten. „Ich vermute sogar, dass das Defizit bei uns größer ist“, erklärte Abel. Denn 70 bis 80 Prozent der Patienten gingen in Oldenburg wieder nach Hause, andernorts, etwa in Lübeck, sei diese Quote deutlich niedriger.

Es sei die Frage, welche Notfallversorgung die Sana-Kliniken in Oldenburg anbieten könnten. Geeignetes Personal zu finden sei schwer: „Wir haben echt ein Facharztproblem in Oldenburg.“ Es sei die Frage, ob es nicht sinnvoller sei, einen Patienten nach Lübeck zu bringen als einen Facharzt nach Oldenburg. „Man kann die Qualität einfordern, dass führt aber in letzter Konsequenz dazu, dass man es nicht mehr machen kann“, warnte Abel. Das sah Gädechens ähnlich. Die Krankenhäuser hätten eine Verantwortung für die gesamte Region, müssten es aber auch leisten können.

Positiv bewertete der CDU-Politiker die Pläne der Sana-Klinik, die Geriatrie in unmittelbarer Nachbarschaft der Eutiner Sana-Klinik anzusiedeln, auch wenn dies mit einer Schließung des Krankenhauses in Middelburg verbunden sei und er die Sorgen der Kommunalpolitiker in Süsel verstehen könne. Doch auch für das Elisabeth-Krankenhaus mit seiner Geriatrie sei der Plan eine Chance. „Dort gibt es keine Erweiterungsmöglichkeiten, gemeinsam mit der Sana-Klinik gäbe es die. Aber da muss man sich einigen“, sagte Gädechens mit Blick auf die Pläne, die die Sana-Kliniken genauso wie das Ärztehaus und ein Bettenhaus, innerhalb von vier Jahren umgesetzt haben wollen.

Die Lage auf dem Arbeitsmarkt spricht aus Abels Sicht für die Verlagerung der Geriatrie in die Kreisstadt: „Wir finden Pflegepersonal für Middelburg nicht, aber für Eutin.“ Im kommenden Monat wird das DRK-Krankenhaus in Middelburg Teil der Sana-Kliniken. In dem Haus sei man mit einem Notstand mit vielen Honorarkräften konfrontiert, die über das DRK angestellt worden seien.

Allgemein habe sich die Arbeitslage ähnlich wie in der Gastronomie so entwickelt, dass sich Arbeitnehmer aussuchen könnten, wo sie arbeiten wollten, analysierte Gädechens. Dem will der Klinik-Konzern, dessen Haupteigner private Krankenversicherungen sind und der bundesweit 50 Krankenhäuser betreibt, mit einer erst zu Beginn dieses Jahres gegründeten Sana-Akademie in Lübeck begegnen. Hier gebe es auch Fortbildungen für Pflegekräfte, erklärte Abel, der den Pflegeberuf einst selbst erlernte.

Die aktuellen Berichte über einen Krankenpfleger, der in Ausübung seines Berufs für mindestens 90 Mordtaten verantwortlich sein soll, und die damit aufflammende Kritik an den Bedingungen in der Pflege sind unterdessen auch in der Sana-Klinik ein Thema. Mitarbeiter der Klinik hätten schon seit mehreren Jahren die Möglichkeit, anonym auf negative Vorfälle hinzuweisen, berichtete Sana-Sprecher Michael Hesse über eine der Maßnahmen, mit der möglichen Missständen begegnet werden solle. Und Pflegedienstleiter Wolfgang Böhm verwies auf ethische Fallbesprechungen, die vier Mal jährlich stattfänden. Die dafür zuständige Kommission sei mit allen Berufsgruppen vom Seelsorger bis zur Verwaltung besetzt und berate etwa über Fälle, in denen sich die Frage stelle, ob lebensverlängernde Maßnahmen noch sinnvoll seien.

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