Kräftiger Gebührenschub kommt

Bis Sommer soll die Zukunft des Klärwerks geklärt sein. Foto: Schröder
Bis Sommer soll die Zukunft des Klärwerks geklärt sein. Foto: Schröder

Malente muss entscheiden, ob der ZVO das Klärwerk weiter führen soll. Klar ist schon jetzt: Die Abwasserentsorgung wird deutlich teurer

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05. Mai 2011, 08:07 Uhr

Noch in diesem Jahr muss die Gemeinde entscheiden, ob das Klärwerk samt Kanalnetz weiter unter Regie des Zweckverbands Ostholstein (ZVO) geführt werden soll. Drei Varianten gibt es zur Zukunft der Schmutzwasserkanalisation. Egal, wie sich die Gemeindevertreter entscheiden, eines steht jetzt bereits fest: Für die Verbraucher wird es deutlich teurer. Das ging aus den Zahlen hervor, die Jörg Gisselmann, Geschäftsführer Entwässerung beim ZVO, am Dienstag im Finanzausschuss vorlegte.

Seit 2007 herrschten für die Malenter in Sachen Abwasserentsorgung paradiesische Zustände. Der Vertrag zwischen ZVO und Gemeinde garantiert fünf Jahre Gebührenstabilität. Noch bis Ende 2011 kostet ein Kubikmeter Abwasser 2,78 Euro. Eine Familie, die beispielsweise 140 Kubikmeter verbraucht, zahlt damit derzeit knapp 390 Euro pro Jahr, wer sparsam ist und nur 40 Kubikmeter verbraucht, kommt mit rund 111 Euro weg.

Noch am günstigsten wird es künftig für die Malenter, wenn das Klärwerk unter ZVO-Regie bleibt, aber nicht mehr als eigenständiger Abrechnungskreis im ZVO-Reich. Dann müssten die Verbraucher im Kneippheilbad die gleichen Gebühren zahlen wie im restlichen ZVO-Gebiet. Derzeit sind dies wie in Malente 2,78 Euro, allerdings kommt eine Grundgebühr von 96 Euro jährlich hinzu.

Für jeden Anschluss stiege die Gebühr damit um 96 Euro jährlich - besonders für Kunden mit niedrigem Verbrauch wäre der Anstieg prozentual erheblich. Bei Mehrfamilienhäusern würde sich die preistreibende Wirkung der Grundgebühr allerdings relativieren, da sie auf die einzelnen Parteien aufgeteilt würde.

Die beiden anderen Varianten laufen für den Verbraucher kostenmäßig auf das jeweils gleiche Ergebnis heraus. Entweder Malente behält im ZVO seinen eigenen Abrechnungskreis oder es übernimmt die Abwasserentsorgung wieder in Eigenregie.

In beiden Fällen würden die Gebühren drastisch steigen, rechnete Gisselmann vor. Entweder auf 3,82 Euro ohne Grundgebühr oder auf 3,27 Euro zuzüglich 96 Euro Grundgebühr. Bei einem Einfamilienhaus mit 140 Kubikmetern Verbrauch wären dann rund 535 (plus 145 Euro) oder 554 Euro (plus 164 Euro) zu bezahlen, bei 40 Kubikmetern wären es rund 153 Euro (plus 42 Euro) oder 227 Euro (plus 116 Euro).

Die Rücknahme der Abwasserentsorgung durch die Gemeinde dürfte allerdings utopisch sein. Vier Millionen Euro zahlte der ZVO damals für die Übernahme des Klärwerks. Aufgrund zwischenzeitlich getätigter Investitionen geht der ZVO davon aus, dass die Gemeinde jetzt etwa zehn Millionen zurückzahlen müsste. "Es ist unwahrscheinlich, dass wir das Klärwerk für zehn Millionen Euro zurücknehmen bei einem Haushaltsdefizit von 4,4 Millionen Euro", erkannte Finanzausschussvorsitzender Wilfred Knop (FDP).

Für CDU-Fraktionschef Wolfgang Kienle ist die Sache ebenfalls klar: "Wir können das nicht zurücknehmen, das funktioniert nicht. Wir fahren viel besser damit, wenn wir Vollmitglied werden." Alles andere werde für die Bürger viel teurer. Auch Bürgermeister Michael Koch machte aus seiner Auffassung keinen Hehl: "Aus meiner Sicht sollten wir jetzt Vollmitglied werden."

Nach Angaben Gisselmanns hat der ZVO in den vergangenen Jahren kräftig investiert - etwa in Dutzende Pumpwerke. Doch damit ist es nicht getan. In den kommenden Jahren sieht der ZVO einen Investitionsbedarf von bis zu 6,5 Millionen Euro. Drei Millionen sollen dabei erneut in Pumpwerke fließen, weitere zwei Millionen in das Klärwerk und 1,5 Millionen in marode Abwasserkanäle.

Eine Entscheidung über die Zukunft der Abwasserentsorgung soll möglichst bald fallen: "Ich will das Thema noch vor der Sommerpause abschließen", erklärte Knop. Zuvor hatte der FDP-Fraktionschef nach einer entsprechenden Forderung von Klaus-Peter Sauvant versichert, dass die Entscheidung nicht über die Köpfe der Bürger hinweg fallen solle. Knop: "Es wird eine Bürgerversammlung geben."

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