Eutin : Kräftemessen in der Stadtvertretung

Das sind die gewählten Stadtvertreter Eutins für die nächsten fünf Jahre.
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Das sind die gewählten Stadtvertreter Eutins für die nächsten fünf Jahre.

Dieter Holst ist wieder Bürgervorsteher / Möller geehrt / Hälfte des Gremiums stimmt gegen Jürß als stellvertretende Bürgermeisterin

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14. Juni 2018, 00:22 Uhr

Es glich einem ersten Kräftemessen und gab wohl einen Vorgeschmack auf die künftige Ausschussarbeit – die Wahl des Bürgervorstehers gestern Abend auf der konstituierenden Sitzung der Stadtvertretung. Klaus Kibbel (SPD) beantragte gleich zu Beginn geheime Wahl. Es überraschte deshalb wenig, dass es Gegenstimmen gab. Insgesamt sitzen 35 Mitglieder in der neuen Eutiner Stadtvertretung: Die CDU hat gemeinsam mit den Grünen (elf plus sieben) die knappe Mehrheit; die FWE hat acht Sitze, waren gestern aber nur zu siebt, SPD hat sieben und die FDP zwei. Dieter Holst (77) wurde mit 20 zu 13 Stimmen (eine war ungültig) erneut in das höchste Repräsentantenamt der Stadt gewählt. Seine künftigen Vertreter sind Manfred Ehmke (FWE) und Karlheinz Jepp (SPD).

Der CDU-Fraktionsvorsitzende Matthias Rachfahl ergriff nach einer kurzen Sitzungsunterbrechung das Wort: „Lieber Dieter, es ist schön, dass du da sitzt, wo du sitzt. Im Vorfeld wurde viel gesprochen, man wolle einen besseren Umgang miteinander pflegen, den Stil wahren. Die Wahl eben war stillos. Wir machen das Scharmützel nicht mit.“ Die CDU wolle das Amt und auch die der Stellvertreter nicht beschädigen. Wenn es Gegenstimmen gebe, sei das demokratisch, da hätte man, so Rachfahl, aber auch noch ein paar Worte verlieren können, anstelle nur geheime Abstimmung zu beantragen.

Bei der Wahl zu den Stellvertretern des Bürgermeisters wurde der CDU-Kandidat Sascha Clasen einstimmig gewählt. FWE-Kandidatin Sigrid Jürß wurde in Abwesenheit als nicht des Amtes würdig kritisiert. „Wir haben sie nicht nur als politische Streiterin erlebt, sondern auch als Mensch, der andere persönlich angegriffen und verletzt hat“, sagte Grünen-Fraktionsvorsitzende Monika Obieray. Dies sei nicht nur als demokratisch respektlos, sondern auch als menschenverachtend empfunden worden. Rachfahl hingegen appellierte daran, dass die FWE immer Verantwortung habe übernehmen wollen und nun zeigen müsse, dass sie die schöne Stadt auch repräsentieren könne und ihr Bestes wolle. SPD-Chef Hans-Georg Westphal teilte beide Auffassungen: „Die FWE muss Verantwortung übernehmen, aber was die Person angeht, haben wir die Grundhaltung der Grünen. Sie verdächtigte alle Stadtvertreter beim Haus des Gastes der Korruption, Kommentare waren unter der Gürtellinie.“ Jens-Uwe Dankert (FDP-Chef) fühlte sich in der Vergangenheit ebenfalls gekränkt und beleidigt. FWE-Fraktionschef Malte Tech zeigte sich überrascht ob der Kritik: „Ich denke, dass die Verwaltung mit ihr eine hochqualifizierte Frau kriegt“ und drohte bei Nichtwahl mit erneuter Aufstellung. Doch als der erste Wahlgang mit einer Patt-Situation endete (16 zu 16 Stimmen, zwei Enthaltungen), bat Tech um Vertagung des Punktes, damit Sigrid Jürß zur Kritik bei der nächsten Stadtvertretung selbst Stellung nehmen könne.

Erfreulich emotional wurde es bei der Ernennung von Margret Möller zur Ehrenstadtvertreterin nach 17 Jahren und vier Monaten im Gremium, wovon sie mehr als zwölf Jahre stellvertretende Bürgervorsteherin war. „Entschiedenheit und Verlässlichkeit sind deine Markenzeichen“, lobte Bürgervorsteher Holst die scheidende 73-Jährige. Ungerechtigkeit sei ihr ein Dorn im Auge und wenn sie sich einmal für etwas entscheide, dann setze sie sich mit ihrer ganzen Kraft dafür ein, so Holst. Sie habe in vielen Funktionen dazu beigetragen, die Entwicklung ihrer Heimatstadt voranzutreiben, ob bei der Stadtentwicklung, der Landesgartenschau oder in der Gremienarbeit. Möller selbst bedankte sich gerührt für die Laudatio und forderte die neue Stadtvertretung in ihrer gewohnt freundlichen Art auf, konsensfähig zu sein und einen vernünftigen Umgang miteinander zu wahren.

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