EUTIN : Krach in der Opernscheune

Betretene Mienen : Hans-Wilhelm Hagen, Sabine Kuhnert, Dominique Caron
Betretene Mienen : Hans-Wilhelm Hagen, Sabine Kuhnert, Dominique Caron

Der Beirat der Neuen Eutiner Festspiele GmbH sieht keine Zukunft für Sabine Kuhnert in der Geschäftsführung.

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25. Juli 2015, 06:00 Uhr

So dramatisch wie bei „Aida“ auf der Bühne geht es derzeit bei den Eutiner Festspielen auch hinter den Kulissen zu. Eine Personalentscheidung sorgt für Aufregung: Auf Beschluss des GmbH-Beirats soll die zum September endende Amtszeit der Geschäftsführerin Sabine Kuhnert nicht verlängert werden. Das trifft rund um die Opernscheune auf dicke Fragezeichen.

Zu den Fakten: Am Donnerstag vergangener Woche hat der aus fünf Mitgliedern bestehende Beirat der Festspiele mit Mehrheit beschlossen, dass Sabine Kuhnert nach nur zehnmonatiger Führungstätigkeit keinen neuen Vertrag erhalten soll. Eine offizielle Aussage der Festspiele GmbH dazu gibt es bisher nicht. In der nächsten Woche ist eine weitere Beiratssitzung geplant.

Auf Anfrage will der Beiratsvorsitzende Hans-Wilhelm Hagen zu Gründen dezidiert gar nichts sagen – außer, dass „der Beschluss steht“ und nicht aus heiterem Himmel erfolgt sei. Er räumt ein, dass Sabine Kuhnert in vielen Bereichen gute Arbeit leiste. Aber für die wirtschaftlichen Belange müssten die Festspiele in Zukunft mit einer neuen Struktur und zusätzlichem Risikokapital aufgestellt werden. Wie genau, daran werde gearbeitet, lässt Hagen noch wissen. Auf die Frage, ob er, der 2016 beruflich kürzer treten wird, dann als Geschäftsführer der Oper fungieren wolle, kommt klares „Nein“. Neben der Intendanz sei auch weitere künstlerische Kompetenz in der Unternehmensführung gefragt, betont Hagen.

Zu den Fakten gehört auch, dass die Festspiele im Sommer 2014 unversehens tief in die roten Zahlen gerauscht sind. Von 140  000 Euro Defizit war öffentlich die Rede. Danach hatten die Verantwortlichen erhebliche Mühe, durch Auflösung von Rücklagen und privaten Kapitalspritzen den weiteren Spielbetrieb zu ermöglichen. Die Sorge, dass es wieder so kommen könnte, diesmal aber keine Extramittel mehr mobilisiert werden könnten, war Beiratsmitgliedern selbst im Hochgefühl der „Aida“-Premierenfeier noch anzumerken.

Sabine Kuhnert kennt diese Befürchtung, sieht aber für ihren Teil keine Berechtigung dazu. Alle Finanzdaten könne sie aktuell darlegen, diese würde sie gerne auch dem Vorstand der WVE als Gesellschafterin der Festspiele GmbH vortragen. Und blockt weitere Fragen mit den Worten ab: „Ich bin verliebt in die Festspiele und tue alles, dass sie keinen Schaden nehmen.“

Für Intendantin Dominique Caron ist der Schaden bereits eingetreten. „Vier Geschäftsführer in fünf Jahren, das schafft nach draußen keine Glaubwürdigkeit.“ Sie habe die Fortsetzung der Zusammenarbeit mit Sabine Kuhnert klar befürwortet: „Wir sind ein funktionierendes Team.“ Dass der Beirat ihre Empfehlung in den Wind schlug, macht Caron erkennbar zu schaffen: „Ich fühle keinen Respekt für mich.“

Caron ist nicht die Einzige, die laut an der Klugheit des Beiratsbeschlusses zweifelt. Doch jeder Befragte beeilt sich zu sagen, dass ihm vor alles Eines am Herzen liege: das Wohl der Festspiele. Und sagt dann, wie unglücklich der Zeitpunkt für den Trennungsbeschluss sei, mitten in der Startphase der Saison.

Nicht nur das: In kleiner, feiner Runde wollen in Kürze die öffentlichen Zuschussgeber über mögliche Erhöhungen ihrer Opernförderung zum Landesgartenschaujahr 2016 reden. Dass eine Anhebung der Zuschüsse kein Luftschloss mehr sein muss, hat Kulturministerin Anke Spoorendonk signalisiert, als sie nach der Aida-Premiere dazu aufrief, gemeinsam an einer Weiterentwicklung der Eutiner Festspiele zu arbeiten und die Chancen der LGS zu nutzen.

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