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Ostholsteiner Anzeiger

20. Oktober 2017 | 13:19 Uhr

Kostenschock bei Brückenplanung

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

Verwaltung will Baukosten von 334 000 Euro für Fußgängerbrücke über Schwentine drücken / Sperrung der Hindenburgallee 2017?

shz.de von
erstellt am 16.Jan.2016 | 10:04 Uhr

Bauamtsmitarbeiter Karlheinz Spindler war nicht wohl bei der Sache: „Ich bin auch erschrocken. Es ist mir sehr schwergefallen, das hineinzuschreiben“, gestand er. Gemeint waren die 334  000 Euro, die der Neubau der bisherigen Holzbrücke an der Diekseepromenade kosten soll. Hinzu kämen Planungskosten in Höhe von 54  000 Euro. Diese Zahlen waren im Entwurf der Verwaltung für den Haushalt 2016 zu finden, den der Planungsausschuss am Donnerstag beriet.

Angesichts dieser Zahlen und der bekannt defizitären Haushaltslage der Gemeinde entschied sich der Ausschuss erst einmal dafür, Zeit zu gewinnen. Da der Neubau des in unmittelbarer Nähe des „Intermars“ über die Schwentine führenden Bauwerks ohnehin erst im September begonnen werden soll, sollen die Baukosten nun erst in einem Nachtragshaushalt eingestellt werden. Bis dahin will das Bauamt die Planung noch einmal auf günstigere Varianten abklopfen. Auch die Planungskosten wurden bis zum Nachtrag auf 36  000 Euro reduziert.

Eine der Schwierigkeiten ist die Gründung des neuen Bauwerks. Ein Bodengutachten hatte ergeben, dass die Pfähle bis zu 18 Meter tief in den Boden gerammt werden müssten (wir berichteten). „Das Problem ist nicht der Neubau, sondern: Wie bekomme ich die Ramme dahin?“, fragte Spindler. Allein der Einsatz des 18 Tonnen schweren Geräts wäre mit Kosten von bis zu 20  000 Euro verbunden.

Gudrun Förster (CDU) regte an, lediglich eine Fußgängerbrücke zu bauen. Aus Spindlers Sicht eine mögliche Lösung. Bislang sei man davon ausgegangen, dass eine Brücke auch Rettungswagen mit einem Gewicht von bis zu 7,5 Tonnen tragen müsse. Aber im Notfall könnten Patienten auch mit der Trage transportiert werden, erklärte Spindler. Das erscheine für das kurze Stück von der 5-Seen-Fahrt bis zur „Villa Colonial“ machbar. Dann müsse die Brücke nur 1,50 Meter breit sein und für das kleinste Bauhoffahrzeug ausgelegt werden, das zwei Tonnen wiege.

Jan Krützfeldt (FWM), selbst Bauingenieur, hatte noch eine andere Sparidee. Er schlug vor, die neue Brücke nur „schwimmend“ zu lagern, dass heißt wie bisher mit Pfählen, die deutlich weniger tief in den Boden langten. Dann werde sich die neue Brücke zwar setzen, aber auch mit der alten, ebenfalls nur schwimmend gelagerten Brücke habe es jahrelang keine Probleme gegeben. Das Bauamt will auch diesen Vorschlag prüfen, ebenso wie die Idee von Uwe Potz (CDU), die Brücke nur an einem Ufer zu gründen und von dort über die Schwentine zu spannen.

Keine Kompromisse will Spindler beim Baumaterial machen. Eine Holzbrücke kommt für ihn nicht in Frage, da diese nur 30 Jahre halte. Stahl halte dagegen 100 Jahre. Auch die Verwendung von Stahlbeton werde geprüft. Um Touristen in der Saison den Anblick der gesperrten Brücke zu ersparen, schlug Peter Blenski (CDU) einen baldigen Abriss vor, für den das Bauamt Zustimmung signalisierte.

Einem Vorschlag des FDP-Fraktionschefs und Finanzausschussvorsitzenden Wilfred Knop erteilte Bauamtsleiterin Britta Deubel dagegen eine Absage. Knop hatte die Idee ins Spiel gebracht, die Brücke erst im Jahr 2017 zu bauen. Doch dem stehen aus Sicht des Bauamts die Planungen des Landes entgegen. „Es ist sehr wahrscheinlich, dass die Brücke über die Hindenburgallee dann erneuert wird“, sagte Deubel. In diesem Fall wäre der Weg zur Diekseepromenade für Fußgänger aus Richtung Bahnhof abgeschnitten. Den Neubau der altersschwachen Brücke über die Landesstraße 56 hatte der Landesbetrieb für Straßenbau und Verkehr in Lübeck bereits 2014 als dringend bezeichnet und eigentlich schon 2015 umsetzen wollen.

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