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Ostholsteiner Anzeiger

17. Oktober 2017 | 03:16 Uhr

Kosovo: Die Ausreisewelle war absehbar

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

Für Aufklärer kam Entwicklung nicht überraschend

von
erstellt am 24.Feb.2015 | 19:41 Uhr

Auftrag ausgeführt. Zwölf Monate lang waren insgesamt 30 Soldaten des Aufklärungsbataillons 6 „Holstein“ im Kosovo. Zehn bis zwölf Soldaten, vom Mannschaftsdienstgrad bis zum Kommandeur, waren zwischen vier und sechs Monaten im KFor-Hauptquartier in der Hauptstadt Pristina tätig. Anfang Februar waren alle Soldaten wieder wohlbehalten zurück. „Das ist eine gute Gelegenheit für uns, zuerst einmal Danke zu sagen,“ stellte Oberstleutnant Georg-Wilhelm Prinz zu Waldeck fest. Mehrere Monate im Kosovo seien lang, auch wenn der Einsatz dort nicht so spektakulär oder gefährlich sei wie in Afghanistan.

Für die Soldaten im Einsatz sei die Trennung von Familie und dem gewohnten privaten Umfeld besonders über die Weihnachtstage und zum Jahreswechsel belastend gewesen. Der Kommandeur: „Daher an dieser Stelle ein großes Dankeschön an die Menschen in unserer Garnisonsstadt Eutin und in unseren Patengemeinden. Der Rückhalt, den wir von Ihnen während des Einsatzes, aber auch davor und danach erhalten haben, ist eine Unterstützung, um die uns nicht nur die deutschen Kameraden beneidet haben und die uns die Abwesenheit von der Heimat ganz wesentlich erleichtert hat. “

Der Kommandeur wirft einen Blick zurück auf den Einsatz, nicht ganz frei von Ironie: „Das KFor-Hauptquartier ist eine multinationale Einrichtung, malerisch gelegen am Stadtrand von Pristina in der ungefilterten Abgasfahne eines Braunkohlekraftwerkes. Vertreter von 31 truppenstellenden Nationen verrichten hier ihren Dienst, derzeit unter der Führung eines italienischen Generalmajors. Mit den Vertretern von vielen dieser Nationen arbeiteten wir täglich eng zusammen. Zwar brachten uns sprachliche Probleme sowie die unterschiedlichen Einstellungen und Arbeitsweisen dieser Nationen täglich neue Herausforderungen, ermöglichten uns aber auch interessante Blicke über den berühmten Tellerrand. “

Dem Auftrag der Aufklärer gemäß habe die Gewinnung von Informationen zu einem breiten Spektrum von Themen im Mittelpunkt der Arbeit gestanden. Zusammen mit rumänischen, slovenischen, bulgarischen, polnischen, ungarischen, türkischen, österreichischen und amerikanischen Aufklärern seien Informationen zur Sicherheitslage im Kosovo, zu ethnischen Konflikten, politischen Entwicklungen, öffentlichen Großereignissen oder zur Stimmung in der Bevölkerung gesammelt, aufbereitet und analysiert worden.

Prinz zu Waldeck weiter: „Nicht selten gelang es uns dabei, ,vor das Ereignis‘ zu kommen, also wichtige Ereignisse deutlich vor ihrem Eintreten zu erkennen. So war zum Beispiel die Ausreisewelle von Kosovaren, die zurzeit die deutschen Medien beherrscht, eines dieser Themengebiete. Viele Gespräche mit Ausreisewilligen, aber auch mit Vertretern von Polizei, Zoll und weiteren Behörden ergaben frühzeitig ein detailliertes Bild dieser Entwicklung. Die monatelange Unfähigkeit der lokalen Politiker zur Regierungsbildung, die katastrophale wirtschaftliche Situation des Landes und das völlige Fehlen von Perspektiven für die Entwicklung hatten dazu geführt, dass täglich viele hundert Menschen das Land verließen. Ein Zustand, der andauert und sich vermutlich auch in absehbarer Zeit nicht bessern wird.“

Für die Aufklärer sei der Einsatz erfolgreich gewesen. Es seien zwar nur selten von der Führung Informationen bei Entscheidungen berücksichtigt worden. Aber die Eutiner hätten es geschafft, sich in einem internationalen Umfeld zu behaupten. „Und wir haben gesehen, dass wir mit unserer Arbeit im internationalen Vergleich ganz vorne mitspielen.“ Es bleibt ein halbes Jahr zum Durchatmen: Im zweiten Halbjahr 2015
beginnt die Vorbereitung auf einen neuen Kfor-Einsatz: Anfang 2016 verlegen rund 200 Eutiner Soldaten ins
Kosovo.

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