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Ostholsteiner Anzeiger

22. August 2017 | 02:24 Uhr

Konzert der Tierstimmen mit Resonanz

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

Dr. Uwe Westphal brachte Vögel zum Zwitschern

Die Begabung von Dr. Uwe Westphal ist außergewöhnlich: Er kann 200 Tierstimmen täuschend echt imitieren. Damit faszinierte er am Donnerstag rund 100 Zuhörer. Sie waren auf Einladung des Freundeskreises Pfarrhof Schönwalde zu einem Konzert der besonderen Art in die Kirche gekommen. „Sie haben uns zum Staunen und Träumen gebracht.“, dankte Pastor Dr. Arnd Heling dem Biologen und Umweltpädagogen.

Westphal begann seinen Vortrag mit einigen der 130 Vogelstimmen, die er beherrscht. Sofort meldeten sich Vögel in den großen Linden rund um die Kirche zu Wort. Man konnte den Eindruck gewinnen, als antworteten sie dem Gesang und den Rufen, die aus der Kirche nach außen drangen.

Erster Star des Abends war der Zaunkönig, der vom Schnabel bis zur Schwanzspitze gerade mal 9,5 Zentimeter misst. Trotzdem habe er einen „irre lauten Gesang“. „Ich weiß nicht, wie er das macht“, äußerte sich Westphal anerkennend und gab gleich eine Erklärung zur Gesangskunst der Vögel. Anders als der Mensch könnten sie aufgrund ihrer Anatomie zweistimmig singen, setzten diese Fertigkeit aber nur zum Werben um Weibchen oder zur Verteidigung des Reviers ein.

Neben dem Gesang mit komplexer Tonfolge gebe es Rufe, die zur Kommunikation dienen und unter anderem vor Feinden warnen. Dabei gebe es unterschiedliche Töne für Feinde am Boden und in der Luft.

Wer dieses Alarmsystem lesen könne, habe die Chance auf einzigartige Naturbeobachtungen, so Westphal. Er habe einmal einen seltenen Fischadler gesehen, weil ihn die Rufe der Amsel angekündigten hätten.

Auch zu Fröschen und Kröten gab es neben den imitierten Lauten umfangreiche Erläuterungen zum Tier selbst wie zum Liebesleben der Erdkröte, die – wie auch der Grasfrosch – aufgrund einer fehlenden Schallblase nur leise Töne von sich gebe. Ein mehrstimmiges Konzert der „lauten“ und im Naturerlebnisraum Pfarrhof Schönwalde wieder angesiedelten Rotbauchunke gab es von einer CD. Später ging die akustische Reise weiter über den Bauernhof bis an die Küste.

Pastor Heling lobte die bis zur Perfektion entwickelte Begabung Westphals als „eine hohe Kunst, die auf tiefer Empathie und Einfühlungsvermögen in die Natur beruhe.“ Er habe es genossen, auf Bilder zu verzichten und sich ganz dem Gehör anzuvertrauen.

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erstellt am 21.Jul.2017 | 13:46 Uhr

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